Bewertung 70 Milliarden Dollar Rivian reicht Papiere für Börsengang ein

Der wohl größte Börsengang des Jahres wird konkret. Rivian will mit seien Plänen für elektrische Trucks auf einen Firmenwert von 70 Milliarden Dollar kommen - ein Anfang für den ambitionierten Tesla-Jäger.
Schweres Gerät: Rivian-Gründer R. J. Scaringe mit einem Protoyp seines Elektro-Pickups R1T auf der Automesse Los Angeles 2018

Schweres Gerät: Rivian-Gründer R. J. Scaringe mit einem Protoyp seines Elektro-Pickups R1T auf der Automesse Los Angeles 2018

Foto: Mike Blake / REUTERS

Der Elektrofahrzeughersteller Rivian hat nach eigenen Angaben Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Die den Aufsichtsbehörden übergebenen Papiere seien noch vertraulich, erklärte das US-Unternehmen. Damit ist die Bühne bereitet für einen Multimilliardenerlös zum Jahresende, da Rivian auf einen heißen Markt für neue Aktien in den USA stößt.

Rivian mit großen Investoren wie Amazon, Soros Fund Management und Blackrock im Rücken werde eine Bewertung von rund 70 bis 80 Milliarden Dollar anpeilen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von zwei mit der Angelegenheit vertrauten Quellen. In dieser Höhe würde Rivian General Motors übertreffen, den größten Autokonzern der USA. Es wäre aber nur ein Bruchteil der knapp 700 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung von Tesla, das derzeit einen Pickup ("Cybertruck") plant, der mit Rivians eigener Variante konkurrieren würde.

Der Börsengang von Rivian dürfte die Liste der IPO-Kandidaten zum Jahresende anführen. Im Jahresverlauf wurde bislang nach Angaben des Finanzdatenanbieters Dealogic der Rekordbetrag von mehr als 225 Milliarden Dollar eingespielt. Einige Hochkaräter wie der chinesische Fahrdienstriese Didi, der südkoreanische E-Commercekonzern Coupang oder die Kryptobörse Coinbase haben die rekordträchtige Aktivität am Kapitalmarkt in diesem Jahr bereits genutzt und ihre Aktien an US-Börsen notieren lassen. Mehrere weitere große Namen werden noch für das letzte Quartal erwartet, darunter der auch in Dresden produzierende Chiphersteller Globalfoundries, der Restaurantsoftwareanbieter Toast oder die Private-Equity-Firma TPG.

Rivian nannte am Freitag keine weiteren Details zu seinen Börsengangsplänen. In den kommenden Wochen wird ein erster öffentlicher Blick in die Finanzen des Unternehmens erwartet. Die Firma ist eines der am stärksten kapitalisierten Start-ups in den Vereinigten Staaten. Seit Anfang 2019 hat Rivian rund 10,5 Milliarden Dollar eingenommen, allein 2,5 Milliarden Dollar in einer von Amazon und Ford angeführten Finanzierungsrunde im Juli.

Auftrag für 100.000 Lieferwagen von Amazon

2009 von R. J. Scaringe (38) unter dem Namen Mainstream Motors gegründet, änderte die Gesellschaft ihren Namen 2011 in Rivian. Der Name ist abgeleitet vom Indian River in Florida, einer Lagune, wo Scaringe in seiner Jugend oft ruderte. In diesem Jahr soll die Produktion eines elektrisch angetriebenen Pickups und eines SUV beginnen.

Der Börsengang steht im Zeichen eines Rennens der Autohersteller um die Elektrifizierung, da China, Europa und andere Länder order Regionen niedrigere CO2-Emissionen der Fahrzeuge vorschreiben. In den USA haben traditionelle Hersteller wie GM und Ford Fabriken auf die Produktion von Elektroautos umgestellt, während Tesla, der taiwanische Auftragsfertiger Foxconn und mehrere Start-ups neue Werke bauen oder alte ausbauen. Anfang des Monats hatte Reuters berichtet, dass Rivian in Gesprächen sei, um mindestens fünf Milliarden Dollar in ein neues Fahrzeugwerk im texanischen Fort Wort zu investieren.

Rivian verfolgt derzeit eine zweigleisige Strategie: Elektrische Lieferwagen für Amazon bauen und zugleich eine an wohlhabende Privatkunden gerichtete Marke für elektrische Pickups und SUVs entwickeln. Amazon hat 100.000 Lieferwagen von Rivian bestellt, als Teil der Anstrengungen des Handelsgiganten, seinen CO2-Fußabdruck zu verringern. Das laufende Jahr blieb jedoch nicht ohne Herausforderungen für Rivian. Im Juli musste Firmenchef Scaringe Kunden mitteilen, wegen der Pandemie habe sich der Marktstart seiner Fahrzeuge verzögert.

Außer Rivian, hat eine ganze Reihe von Elektroauto-Startups die Gunst der Stunde des Booms an den Kapitalmärkten in den vergangenen 12 Monaten genutzt. Besonders der Aufstieg der börsennotierten Firmenhüllen (Spacs) half vielen. Sowohl Lucid Motors, Nikola, Fisker als auch Lordstown sind in solche Hüllen geschlüpft - Blankoschecks der Kapitalgeber, die vorab nicht wissen, in welche Art Geschäft sie investieren -, um ohne umständliche Registrierung und Veröffentlichungspflichten an die Börse zu gehen.

ak/Reuters
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