Anlage Der riskante Risiko-Begriff

Noch immer werden Risiken bei der Geldanlage unterschätzt. Ein Interview mit Jens Kroeske, Mathematiker und Risikomanager bei Standard Life Investments, über Risiken, ob man sie ausschalten kann - und was Privatanleger machen können.
Von Arne Gottschalck
Risiko: Der Crash als Nagelprobe - weil Computerprogramme und komplexe Definitionen auch von Risiken sprechen, glauben viele Investoren sich gut aufgestellt. Doch ob das wirklich der Fall ist, zeigt erst ein Kursrutsch an der Börse

Risiko: Der Crash als Nagelprobe - weil Computerprogramme und komplexe Definitionen auch von Risiken sprechen, glauben viele Investoren sich gut aufgestellt. Doch ob das wirklich der Fall ist, zeigt erst ein Kursrutsch an der Börse

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

mm.de: Herr Kroeske, alle reden davon - aber was ist eigentlich Risiko?

Kroeske: Zum einem ist dies die Gefahr, dass Anlagen in ihrem Wert schwanken. Zum anderen gibt es aber auch eine Menge anderer Risiken, wie zum Beispiel Liquidität. Hier geht es vor allem um die Frage, ob man sich in angemessener Zeit von seinen Investments trennen kann. Es gibt auch das Kreditrisiko, Modellrisiko und so weiter. Risiken können also sehr vielfältig sein.

mm.de: Doch oft wird nur von dem Risiko gesprochen, in der Einzahl.

Kroeske: Ja, das ist ein Fehler. Das liegt aber auch daran, dass selbst Investmentprofis in Modellen denken, oft computerbasiert, und diese Modelle mit bestimmten Parametern füttern. Alles, was außerhalb der Modelle stattfindet, existiert für sie also nicht. Das kann fatal sein.

mm.de: Wie 2008 und folgende Jahre …

Kroeske: Genau. Ich bin zwar Mathematiker und insofern schätze ich das Denken in Modellen: Aber allein mechanistisch zu denken, umfasst nicht alle Risiken.

mm.de: Sie nutzen zur steten Analyse auch Grafiken - was sieht man darauf?

Foto: manager magazin online

Kröske: Dies ist eine Zusammenfassung des aktuellen Risiko-Profils des Fonds. Alle Strategien sind zusammen mit ihrem Einzelrisiko - das Risiko jeder einzelnen Strategie in Isolation - aufgeführt. Das Gesamtrisiko als Summe der Einzelrisiken liegt zur Zeit bei rund 13 Prozent. Durch Diversifikation wird allerdings erreicht, dass die erwartete Volatilität des Fonds zur Zeit unter 4 Prozent liegt. Zusätzlich analysieren wir, wie sich jede Strategie in Relation zum Gesamtportfolio verhält.

mm.de: Kann man alle Risiken überhaupt erfassen?

Kroeske: Nein, aber man kann sich diesem Zustand annähern. Es geht darum, möglichst viele Risiken erfassen zu können und ungewollte Risiken auszuschalten.

mm.de: Handelt man als Mathematiker da gegen die eigene Natur?

Kroeske: Es ist zumindest nicht einfach.

mm.de: Was bedeutet das für den Otto Normalanleger?

Kroeske: Innehalten und nachdenken, immer wieder. Sonst unterschätzt man die Risiken sehr schnell.

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