Vor der Fed-Entscheidung "Aggressivste Zinserhöhungsphase der Geschichte"

Geldpolitische Entscheidungen verschiedener Notenbanken bestimmen in dieser Woche die Stimmung an den Börsen. Höhepunkt ist die Sitzung der Federal Reserve. Die US-Notenbank könnte den Zinssatz sogar um einen vollen Prozentpunkt anheben.
Straffer Kurs oder Gewöhnungseffekt? Die US-Notenbank Fed in Washington

Straffer Kurs oder Gewöhnungseffekt? Die US-Notenbank Fed in Washington

Foto: Reuters Photographer / REUTERS

Eine Woche mit gleich 13 Notenbank-Sitzungen hält die Anleger weltweit in Atem. "Wir stehen vor einer der aggressivsten Zinserhöhungsphasen der Geschichte", warnten die Analysten der Bank of America. Die bevorstehenden Zinsschritte schürten die Rezessionssorgen der Investoren – ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend (europäischer Zeit).

Eine Anhebung um 0,75 Prozentpunkten auf dann 3,25 Prozent gilt als sicher. Einige Beobachter rechnen sogar mit einem vollen Prozentpunkt. "Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie der Aktienmarkt einen solchen Schritt verkraftet", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Es könnte sich ein gewisser Gewöhnungseffekt gegenüber den geldpolitischen Straffungsmaßnahmen eingestellt haben und nach geschaffenen Fakten die Kurse wieder steigen."

Daran, dass Fed-Chef Jerome Powell (69) mittlerweile seine Richtung geändert hat und nun fest entschlossen ist, die Inflation durch starke Zinserhöhungen zu bekämpfen, gibt es seit dem jährlichen August-Treffen der Federal Reserve in Jackson Hole keinen Zweifel mehr. Seine klare Botschaft auf diesem Treffen war, dass die Fed auch eine Rezession als Preis für die Bekämpfung der hohen Inflation akzeptieren wird.

Dabei bezieht er sich auf den ehemaligen Fed-Vorsitzenden Paul Volcker, der die Wirtschaft in den frühen 1980er-Jahren mit Zinserhöhungen stark belastete. "Wir müssen dranbleiben, bis die Arbeit erledigt ist", sagte Powell nun und berief sich dabei auf den Titel von Volckers Autobiografie aus dem Jahr 2018: "Keeping At It" .

Schweden erhöht stark, Japan belässt Zinsen auf niedrigem Niveau

Am Dienstag stemmte sich bereits die schwedische Notenbank mit einer kräftigen Zinsanhebung gegen die hohe Inflation. Der Leitzins steigt um einen ganzen Prozentpunkt auf 1,75 Prozent, wie die Reichsbank in Stockholm mitteilte. Es ist schon die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr. Analysten hatten zwar mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik gerechnet, mehrheitlich allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte erwartet. Bereits eine solche Anhebung wäre eine sehr deutliche Straffung gewesen.

Mit Spannung warteten Anleger auch auf das Treffen der Bank of England, die ihre Sitzung wegen der Trauerfeiern für Queen Elizabeth II. auf Donnerstag verschoben hatte. Börsianer spekulierten hier im Vorfeld auf eine Leitzins-Anhebung um 0,75 Punkte.

Japan bleibt dagegen ein Ausreißer in einer weltweiten Welle der geldpolitischen Straffung. Die Gesamtinflation in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt hatte im August 3 Prozent erreicht, den höchsten Stand seit 1991. Die japanische Zentralbank hat sich jedoch verpflichtet, die Zinssätze extrem niedrig zu halten. Auch nach Meinung von Analysten wird die Bank of Japan die Zinsen wahrscheinlich nicht so bald anheben, da das Lohn- und Konsumwachstum weiterhin schwach bleibe.

Auch Chinas Notenbank hatte die Leitzinsen am Dienstag beibehalten. Der Schlüsselsatz für einjährige Kredite blieb bei 3,65 Prozent, der Schlüsselsatz für fünfjährige Kredite bei 4,30 Prozent. Die meisten Kredite in China basieren auf dem einjährigen Zins, der Schlüsselzins für fünfjährige Darlehen beeinflusst die Hypotheken. Mit einer Zinssenkung hatte die People's Bank of China in Peking im vorigen Monat der von der Immobilien- und Corona-Krise geschwächten Wirtschaft unter die Arme gegriffen.

Die Folgen: US-Dollar gewinnt, Ölpreis und Kryptowährungen verlieren

Die Aussicht auf den dritten XXL-Zinsschritt der Fed in Folge gibt auch der Weltleitwährung Rückenwind. Der US-Dollar bewegt sich derzeit wieder in Richtung seines jüngsten 20-Jahres-Hochs. Die starke US-Währung und die trüben Wachstumsaussichten setzten derweil dem Ölpreis zu. Auch riskante Anlagen wie die Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum fliegen aus den Depots. "Offensichtlich scheint noch nicht jeder Marktteilnehmer das mögliche Ausmaß der restriktiven Maßnahmen durch die Fed eingepreist zu haben", so Analyst Timo Emden von Emden Research.

hr mit Nachrichtenagenturen
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