Dienstag, 12. November 2019

Von Bezos bis Reimann Was Geldanleger von Superreichen lernen können

Reichster Mann der Welt: Amazon-Gründer Jeff Bezos ist kein klassischer "Sparer"

Unter den reichsten Menschen der Welt finden sich Leute mit den unterschiedlichsten Talenten. Nur eines haben alle gemeinsam.

Reich werden. Es mag höhere Ziele im Leben geben, Glück beispielsweise, oder wenigstens Zufriedenheit und Wohlbefinden. Aber reich werden? Die meisten hätten wohl nichts dagegen einzuwenden, wenn ihnen das gelänge.

Doch wie stellt man es an? Ein Blick auf diejenigen, die es geschafft haben, lohnt sich: Etwa 18 Millionen Dollar-Millionäre weltweit zählte zuletzt die Beratungsgesellschaft Cap Gemini. Die meisten davon, etwa 5,3 Millionen, leben im Mutterland des Kapitalismus, in den USA. In Deutschland betrug die Zahl der Millionäre zuletzt etwa 1,4 Millionen Menschen.

Auch die Namen und Geschichten der reichsten Menschen der Welt sind kein Geheimnis mehr. Im Gegenteil: Das US-Magazin "Forbes" etwa ist bekannt für die Liste der reichsten Menschen der Welt, die das Blatt Jahr für Jahr veröffentlicht. Hierzulande hat manager magazin in dieser Woche wieder seine jährliche Liste der reichsten Deutschen und 1001 größten Geldvermögen publiziert. An der Spitze in Deutschland stehen der Kaffee-Clan Reimann und die Auto-Dynastie Quandt/Klatten, doch reichster Mensch der Welt ist gegenwärtig Jeff Bezos, Gründer der Online-Plattform Amazon Börsen-Chart zeigen. Im "Forbes"-Real-Time-Ranking (ja, das gibt es wirklich) kommt Bezos an diesem Wochenende auf ein Vermögen von 107,8 Milliarden US-Dollar, basierend vor allem auf dem Paket von 12 Prozent aller Amazon-Aktien, das ihm nach wie vor gehört. Die Plätze zwei und drei weltweit belegen: Microsoft-Gründer Bill Gates (gegenwärtig 104,3 Milliarden Dollar) sowie Frankreichs Luxusunternehmer Bernard Arnault (LVMH Börsen-Chart zeigen, 91 Milliarden Dollar).

Von Albrecht bis Zollner - die meisten deutschen Milliardäre sind Unternehmer

Und in Deutschland? Auf der Reichstenliste von manager magazin finden sich Namen von A wie der weithin bekannten Familie Albrecht, die hinter den Discounterketten Aldi Nord und Aldi Süd steht, bis Z wie beispielsweise der weniger bekannten Familie Zollner, die im bayerischen Zandt die Zollner Elektronik AG betreibt. Angeführt wird das Ranking in diesem Jahr von Familie Reimann aus der Umgebung von Mannheim und Heidelberg, die über ihre JAB Holding Beteiligungen vor allem im Kosmetik- und Getränkebereich hält, und die damit mm-Recherchen zufolge inzwischen ein Vermögen von rund 35 Milliarden Euro angehäuft hat.

Mehr als 2000 Milliardäre weltweit listet "Forbes" namentlich auf. Bei jedem von ihnen finden sich zumindest stichwortartig Angaben dazu, wie das Vermögen entstand beziehungsweise worauf es beruht. Gleiches gilt für die Liste der 1001 reichsten Deutschen von manager magazin.

Zur Frage, wie man reich wird, lassen sich aus diesen Angaben durchaus Schlüsse ziehen. Zum Beispiel:

  • Insbesondere in Deutschland wurde der Grundstein für die größten Vermögen schon vor Jahrzehnten gelegt, so dass heutigen Erbengenerationen vor allem die Aufgabe zufällt, den vorhandenen Wohlstand zu erhalten, zu verwalten und wenn möglich weiter zu mehren. Speziell in den USA sowie in Fernost ist das anders: Dort klettern seit einigen Jahren mehr und mehr junge Tech-Unternehmer, die praktisch bei Null angefangen haben, an die Spitzen der Reichstenlisten. Bestes Beispiel ist der schon erwähnte weltweite Spitzenreiter Jeff Bezos von Amazon. Weitere Exempel sind: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (laut "Forbes" mit 66,6 Milliarden Dollar zurzeit weltweit die Nummer sechs), die Google-Erfinder Larry Page (54,7 Milliarden Dollar, Nummer neun weltweit) und Sergey Brin (52,7 Milliarden Dollar, Nummer zehn) sowie Jack Ma, der die Handelsplattform Alibaba ins Leben rief. Ma verfügt "Forbes" zufolge über 37,5 Milliarden Dollar, was ihn zum reichsten Chinesen sowie zur weltweiten Nummer 20 macht.
  • Daraus lässt sich ableiten: Wer nicht das Glück hat, viel Geld zu erben, benötigt vor allem eins, um ganz nach oben zu kommen: Die eine, zündende Idee. So wie beispielsweise Tobias Lütke aus Koblenz, der feststellte, dass es kaum gute Software für Online-Läden gab und kurzerhand beschloss, selbst welche zu programmieren. Inzwischen nutzen 600.000 Unternehmen die Dienste von Lütkes Unternehmen Shopify in Kanada - der 39-Jährige belegt mit einem Vermögen von drei Milliarden Euro bereits Platz 54 des mm-Reichsten-Rankings und gehört zu den größten Gewinnern des Jahres.
  • Ideen lassen sich allerdings kaum planen, man hat sie, oder man hat sie eben nicht. Die wohl wichtigste Erkenntnis, die Jedermann aus Reichstenlisten ziehen kann, ist daher eine andere: Es finden sich darauf Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten, die in den verschiedensten Winkeln der Wirtschaft unterwegs sind. Einzelhandel, Finanzindustrie, Pharmabranche, Maschinenbau, Technologie, Schifffahrt, Immobilien - you name it. So gut wie alle diese vermögenden Menschen haben allerdings eins gemeinsam: Ihr Geld steckt zum weitaus größten Teil in Unternehmensbeteiligungen oder Sachwerten, also Gebäuden, Grundstücken und ähnlichem. Was sich dagegen auf keiner Reichstenliste der Welt finden dürfte, ist jemand, der sein Leben lang den größten Teil seines Privatvermögens auf einem Sparkonto liegen hatte.

Diese Tatsache sollten sich vor allem in Deutschland viele Anleger vor Augen führen. Selbstverständlich kann nicht jeder ein eigenes Unternehmen gründen, um finanziell voranzukommen. Die Beteiligung an Unternehmen und Sachwerten ist jedoch auch auf andere Weise möglich. An der Börse beispielsweise, sowie über Aktien- oder Immobilienfonds. Insbesondere kostengünstige ETFs haben sich in den vergangenen Jahren etabliert und bieten sich als Investmentvehikel auch für Privatanleger an.


Im Video: Darum sind die Quandts nicht mehr die reichsten Deutschen

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Bild: Dirk Bruniecki für manager magazin

Wie wenig solche Möglichkeiten hierzulande jedoch nach wie vor genutzt werden, zeigen Zahlen von Statista. Demnach ergab eine Umfrage vor wenigen Monaten, dass trotz niedrigster bis gar keiner Zinsen Sparbücher oder -Einlagen bei Banken und Sparkassen in Deutschland offenbar nach wie vor die am stärksten genutzte Form der Geldanlage sind. 45 Prozent der Befragten gaben an, diese Anlageformen zu nutzen. Immobilien und Investmentfonds dagegen kamen nur auf jeweils 22 Prozent, direkte Aktienanlagen sogar nur auf 15 Prozent.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Frage, wie man reich werden kann, mag also schwer zu beantworten sein. Da gibt es ein Vielzahl von Möglichkeiten, und neben Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen spielt meistens auch Glück eine wichtige Rolle. Hilfreicher ist es daher womöglich, wenn sich Anleger eine ganz andere Frage stellen: Wenn Jeff Bezos, Bill Gates oder auch jemand aus der deutschen Milliardärsfamilie Reimann vor der Option stünden, die Hälfte ihres Vermögens oder sogar noch mehr auf ein Sparkonto zu legen - würden sie das wohl tun? Diese Antwort fällt schon deutlich leichter.

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