Montag, 20. Januar 2020

Ausverkauf Regierungskrise stürzt Portugals Börse ins Chaos

Demonstration in Lissabon: Anleger fürchten ein Wiederaufflammen der Schuldenkrise

Anleger flüchten in Scharen: Der Rücktritt von zwei Ministern in Portugal hat an der Börse in Lissabon zu einem Kursrutsch geführt. Auch der Euro gerät unter Druck. Die Furcht vor der Schuldenkrise ist plötzlich wieder da.

Lissabon - Die Regierungskrise in Portugal hat an der Börse in Lissabon einen der größten Tagesverluste ihrer Geschichte ausgelöst. Der portugiesische Leitindex brach um bis zu 6,8 Prozent ein und lag mit 5157 Punkten so niedrig wie zuletzt im November 2012. Investoren warfen auch die Anleihen des Landes aus ihren Depots.

Der Kurs der richtungweisenden zehnjährigen Titel brach in der Spitze um knapp 12 Prozent ein. Im Gegenzug stieg die Rendite auf 8,195 Prozent von 6,519 Prozent am Vortag. Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und verbilligte sich auf 1,2942 Dollar, nach 1,2979 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.

"Die Krise kehrt zurück, sobald Regierungen unter Druck geraten, wie derzeit in Portugal zu beobachten", sagte Finanzmarkt-Experte Kit Juckes von der Societe Generale (SocGen). Dort trat einen Tag nach dem Finanzminister auch der Außenamtschef des Landes zurück.

"Besonders prekär ist die Situation dadurch, dass der Außenminister gleichzeitig der führende Vertreter des wichtigsten Koalitionspartners des portugiesischen Ministerpräsidenten ist", schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. Portugiesischen Medienberichten zufolge sind weitere Minister zum Rücktritt bereit.

Risikoaufschläge für Spanien und Italien steigen

Die Furcht der Anleger vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise hat auch die europäischen Börsen infiziert. Dax Börsen-Chart zeigen und EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen sind auf Talfahrt. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten außerdem die zähen Verhandlungen der Troika mit Griechenland über die Fortsetzung der Hilfszahlen, enttäuschende Konjunkturdaten aus China und die Unruhen in Ägypten.

In Griechenland drehe sich derzeit alles um die Frage, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Auffassung über die Schuldentragfähigkeit des Landes ändern und aus dem Hilfsprogramm aussteigen werde, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Wenn das kein Déjà-vu ist." Es gebe sogar erste Anzeichen für Ansteckungseffekte bei spanischen und italienischen Anleihen. Die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Titel stiegen auf 4,539 Prozent von 4,408 Prozent beziehungsweise auf 4,707 Prozent von 4,567 Prozent.

mahi/rtr

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