Präsident der Türkei Erdoğan ruft Landsleute zur Lira-Rettung auf

Erdoğan hat viele Kritiker, er weiß aber seine Anhänger zu mobilisieren. Nach dem Lira-Kurssturz ruft der türkische Präsident die Landsleute auf, Devisen-Ersparnisse und Gold zu verkaufen, um die heimische Währung zu stützen.
Werden Sie Erdoğans Aufruf erneut folgen? Vor einer Wechselstube drängen sich Mitte August 2018 Geschäftsleute mit US-Dollar in der Hand. Sie wollen nach einem Aufruf des türkischen Präsidenten demonstrativ Dollar- und Euro-Ersparnisse verkaufen, um die türkische Lira zu stützen.

Werden Sie Erdoğans Aufruf erneut folgen? Vor einer Wechselstube drängen sich Mitte August 2018 Geschäftsleute mit US-Dollar in der Hand. Sie wollen nach einem Aufruf des türkischen Präsidenten demonstrativ Dollar- und Euro-Ersparnisse verkaufen, um die türkische Lira zu stützen.

Foto: REUTERS

Nach dem Absturz der türkischen Lira  hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan (67) seine Landsleute aufgerufen, ihre angehäuften Devisen- oder Goldbestände zur Ankurbelung der Wirtschaft zu investieren. Sein Appell richte sich an Bürger, "die zuhause ausländische Währung und Gold aufbewahren, nur um sich sicher zu fühlen". Beim Parteikongress seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara:

"Von diesen, meinen Bürgern möchte ich, dass sie die Devisen und das Gold in ihren Häusern, was unser nationales Vermögen ist, in verschiedene Finanzmittel investieren und es damit in die Wirtschaft und Produktion einbringen." Er rief Investoren zudem dazu auf, in die Türkei zu vertrauen.

"Von diesen, meinen Bürgern möchte ich ...": Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan grüßt am 24. März vor Beginn des AK-Parteikongresses seine Anhänger

"Von diesen, meinen Bürgern möchte ich ...": Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan grüßt am 24. März vor Beginn des AK-Parteikongresses seine Anhänger

Foto: MURAT CETINMUHURDAR/PPO / REUTERS

Einheimische horten Milliarden in Fremdwährungen

Zum Hintergrund: Aus Sorge vor negativen Realzinsen, hoher Inflation und erschöpften Zentralbankreserven legen viele Einheimische einen Teil ihres Geldes seit Jahren in Fremdwährungen und Gold an. Ende des vergangenen Jahres lagen auf Konten türkischer Banken rund 260 Milliarden US-Dollar in ausländischen Währungen. Das sind rund 3200 US-Dollar pro Person. Dieser Flucht aus der eigenen Währung versuchte die türkische Regierung zeitweilig mit höheren Gebühren für solche Geschäfte und höheren Eigenkapitalanforderungen an die Banken für Bankguthaben in Fremdwährungen zu begegnen. Viel Wirkung zeigen die Interventionsversuche offenbar nicht. Zu groß ist das Misstrauen in die eigene Währung, müssen die Türken tagtäglich erfahren, wie die Preise davongaloppieren und zahlreiche Güter für sie kaum noch erschwinglich sind.

Türkische Lira/Euro

Die türkische Landeswährung Lira und die Börsenkurse in Istanbul waren am Montag drastisch eingebrochen. Während die Istanbuler Börse ihren tiefen Fall am Dienstag stoppte, wertete die türkische Lira gegenüber Dollar und Euro weiter leicht ab. Die Kurse türkischer Staatsanleihen standen ebenfalls erneut unter Druck: Umgekehrt zog Rendite für zehnjährige auf Lira lautende Papiere auf rund 19 Prozent an und damit auf den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren.

Auslöser für die Marktturbulenzen war die Entlassung von Notenbankchef Naci Ağbal (53) durch Erdoğan am Wochenende. Agbal hatte in seiner kurzen Amtszeit verlorenes Vertrauen in die als wankelmütig geltende Geldpolitik der Türkei zurückgewonnen. Mit Zinsanhebungen hatte er den zuvor stark gefallenen Lira-Kurs stabilisiert, obwohl Präsident Erdoğan ein Gegner hoher Zinsen ist. Letzteres dürfte Agbal zum Verhängnis geworden sein.

Der neue Zentralbankchef Şahap Kavcıoğlu (53) ist ehemaliger Abgeordneter von Erdogans AKP und die vierte Besetzung auf dem Posten in zwei Jahren. Vor seiner Politkarriere hatte Kavcıoğlu 25 Jahre lang als Banker gearbeitet, zuletzt bis 2015 als Vizegeschäftsführer der staatlichen Halkbank.

rei/dpa-afx
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