Nach Kurseinbruch Adler Group will Shortseller mit Wohnungsdeal kontern

Diese Nachricht stabilisiert den Kurs: Die Adler Group will 15.000 Wohneinheiten an die LEG Immobilien verkaufen. Damit tritt Adler einem Übernahmeangebot von Vonovia entgegen - und Bilanzvorwürfen des Leerverkäufers Fraser Perring.
Betongold wechselt Besitzer: Die Adler Group will 15.000 Wohnungen an den Immobilienkonzern LEG aus Düsseldorf verkaufen

Betongold wechselt Besitzer: Die Adler Group will 15.000 Wohnungen an den Immobilienkonzern LEG aus Düsseldorf verkaufen

Foto: Maja Hitij / dpa

Die jüngst in schwieriges Fahrwasser geratene Adler Group geht mit dem angestrebten Verkauf eines Immobilienportfolios an die LEG Immobilien in die Offensive. Mehr als 15.000 Wohneinheiten sollen demnach - vorbehaltlich der üblichen Prüfung des Bestandes - veräußert werden, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Die Transaktion basiert laut Adler auf einer Immobilienbewertung in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro, was über dem zum Halbjahr ausgewiesenen Buchwert liege. Die Aktie der Adler Group profitierte im frühen Handel nur kurz von dem geplanten Verkauf und verlor zuletzt rund ein Prozent an Wert.

Adler Group

Adler soll im Falle eines Verkaufs mit gut 10 Prozent an dem Immobilienportfolio beteiligt bleiben. Die zum Verkauf stehenden Immobilien befinden sich den Angaben zufolge unter anderem in Wilhelmshaven, Göttingen und Wolfsburg. Das Unternehmen erwartet nach der Rückzahlung von besicherten Darlehen einen Netto-Mittelzufluss aus der Transaktion von rund 800 Millionen Euro. Damit will das Management den Abbau der Verschuldung bei einem Ziel für den Beleihungsgrad (Loan-to-Value) von unter 50 Prozent beschleunigen.

Die Wohnungen mit relativ geringen Mieten, die größtenteils den Töchtern Adler Real Estate und Westgrund gehören, liegen nach Angaben der LEG zu 90 Prozent in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen.

Adler setzt damit zumindest teilweise seine Ankündigung um, sich von einem großen Teil seines Bestandes von 70.000 Wohnungen zu trennen, um den milliardenschweren Schuldenberg abzubauen. "Der Verkauf kann zu einer erheblichen Verringerung des Verschuldungsgrades der Adler durch Rückzahlung von Anleihen und Darlehen führen", hieß es in der Mitteilung. Co-Chef Maximilian Rienecker hatte allerdings vor einer Woche von 40.000 bis 60.000 Wohnungen gesprochen, die verkauft werden könnten.

Die Veräußerung des Immobilienportfolios habe keinen Einfluss auf die erst kürzlich angehobenen Ziele für das laufende Jahr, teilte Adler weiter mit. Für 2021 peilt das Management weiterhin Nettomieterträge von 340 bis 345 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 135 bis 140 Millionen Euro an.

Wirecard-Warner Fraser Perring hat Adler im Visier

Die Adler Group war in der vergangenen Woche unter Beschuss des Leerverkäufers und Börsenspekulanten Fraser Perring mit seiner Investmentfirma Viceroy geraten. Dabei geht es um Vorwürfe hinsichtlich der Bilanz, die Adler "auf das Schärfste" zurückweist. Der Aktienkurs von Adler war daraufhin auf ein Rekordtief von gut neun Euro abgestürzt. Er erholte sich bis zum Wochenschluss dann auf zwölf Euro, nachdem der Immobilienriese Vonovia angekündigt hat, einen Einstieg beim Branchenrivalen zu prüfen.

Vonovia hat sich in einer Vereinbarung mit dem Adler-Großaktionär Aggregate Holdings das Recht gesichert, einen Anteil von 13,3 Prozent an Adler zu erwerben. Zieht Vonovia die Kaufoption, würde sich der Anteil von Aggregate an Adler damit halbieren.

Kreisen zufolge interessiert sich Vonovia, das nun im dritten Anlauf den Konkurrenten Deutsche Wohnen übernommen hat, nicht zum ersten Mal für den Branchenkollegen Adler Group. Ende letzten Jahres habe der Konzerne informell bei großen Anteilseignern vorgefühlt, inwiefern Transaktionen möglich seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Vorstoß sei aber schnell auf dem Abstellgleis gelandet, weil der damals wie heute größte Anteilseigner, der Luxemburger Immobilieninvestor Aggregate Holdings, von den gebotenen rund 28 Euro je Aktie nicht angetan gewesen sei. Vertreter aller drei Unternehmen wollten sich der Agentur zufolge nicht zu ihren damaligen Gesprächen äußern.

Am Freitagmorgen hieß es von Vonovia, man könne die Kaufoption zu 14 Euro je Aktie über die nächsten 18 Monate ausüben. Damit würde der deutsche Konzern nur etwas mehr als die Hälfte dessen bezahlen, was er den Kreisen zufolge vor nicht einmal einem Jahr bereit gewesen war, auf den Tisch zu legen.

Vonovia betonte allerdings in ihrer Mitteilung andere Motive. Die Immobilienbranche habe kein Interesse an einer instabilen Adler Group, hieß es. So habe man auch zusammen mit involvierten Banken einen Kredit an Aggregate zu marktüblichen Konditionen gewährt. Das Kreditvolumen bewege sich im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Auch der Investor Aggregate Holdings war nach der Veröffentlichung schwerer Vorwürfe gegen Adler am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. So war der Kurs seiner Anleihen eingebrochen und notiert immer noch deutlich unter dem Wert vor Bekanntgabe der Vorwürfe.

Unterdessen schaltete Adler externe Prüfer ein, um die Vorwürfe des Leerverkäufers mit Blick auf die Bilanz prüfen zu lassen. Zudem hätten das Management und der Verwaltungsrat beschlossen, unabhängige Berater und Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, um eine umfassende Überprüfung der Vorwürfe, insbesondere der Dritttransaktionen, durchzuführen, hieß es am Freitag.

Linke kritisiert komplexe Struktur bei Fusion

Aber auch zuvor war es für die Adler-Anleger bereits ereignisreich. Das Unternehmen hatte erst jüngst eine mögliche Neuausrichtung bekanntgegeben und einen Verkauf von großen Teilen des eigenen Geschäfts in Aussicht gestellt. Mehrere institutionelle Interessenten hätten Angebote für Teile des Mietportfolios des Immobilienkonzerns abgegeben, hieß es.

Zuvor war der Aktienkurs des Unternehmens im September deutlich abgerauscht und hatte in dem einen Monat fast 35 Prozent verloren, obwohl das Management Ende August mit den Halbjahreszahlen die eigenen Gewinnziele hochgeschraubt hatte. Zu Beginn dieses Jahres war die Aktie noch fast 30 Euro wert.

Die Adler Group ist aus einem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und des Berliner Projektentwicklers Consus Real Estate entstanden. Ado Properties hatte dabei Adler Real Estate übernommen und dann Consus geschluckt. Im Dezember 2019 hatte Ado den Deal mit Adler veröffentlicht. Das kombinierte Unternehmen wurde in Adler Group umbenannt und hat den operativen Hauptsitz in Berlin.

Der Zusammenschluss des Konzerngebildes steht aber in der Kritik. Die Partei Die Linke hatte als Reaktion auf Medienberichte von Ende August dieses Jahres, wonach Anleger bei dem komplexen Deal geschädigt worden sein könnten, eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet. Adler selbst gibt an, bei der Fusion vollständig transparent gewesen zu sein.

wed/dpa/Reuters
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