Leerverkaufspositionen Hat sich Starinvestor Ray Dalio verwettet?

Im Juni wettete der größte Hedgefonds der Welt um Investorenlegende Ray Dalio gegen die europäische Wirtschaft. Nun sind die Leerverkaufspositionen nicht mehr öffentlich einsehbar – sie wurden zurückgenommen oder zumindest reduziert. Hat der Hedgefonds Bridgewater da zu hoch gepokert?
Das könnte Starinvestor Ray Dalio ärgern: Seine Wette auf eine Rezession in Europa ging nicht auf

Das könnte Starinvestor Ray Dalio ärgern: Seine Wette auf eine Rezession in Europa ging nicht auf

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Der größte Hedgefonds der Welt, Bridgewater, hat möglicherweise Leerverkaufspositionen gegen 32 europäische Konzerne zurückgenommen oder zumindest reduziert. Im Juni hatte das US-amerikanische Unternehmen um Starinvestor Ray Dalio (73) auf fallende Kurse bei insgesamt 33 europäischen Konzernen gewettet, die alle Mitglied im EuroStoxx 50 sind – darunter auch elf Dax-Konzerne. Nun sind 32 der 33 Wetten nicht mehr öffentlich einsehbar, wie die "Financial Times" berichtete . Dies muss aber nicht heißen, dass die Positionen tatsächlich zurückgezogen wurden. Es ist auch möglich, dass Bridgewater sie nur verringerte, und zwar unter die im Bundesanzeiger  meldepflichtige Grenze von 0,5 Prozent der Unternehmensanteile.

Aus der breiten Streuung der Short-Positionen im Juni ließ sich schließen, dass die US-Amerikaner, die über 150 Milliarden Dollar verwalten, auf eine Rezession in Europa setzten. Seit der Wette gegen die europäische Wirtschaft ist der EuroStoxx 50 aber um über 9 Prozent gestiegen. Möglicherweise hat sich der Hedgefonds also einfach verschätzt und zieht nun die Konsequenzen aus den steigenden Kursen. Gegenüber der "Financial Times" wollte sich das Unternehmen nicht zu dem Thema äußern.

Im Juni hatte Bridgewater gegen alle im Dax vertretenen Banken und Energiekonzerne gewettet, während die Autoindustrie außen vor blieb. Hier vermuteten die Investmentspezialisten wohl keine allzu großen Kursverluste. Mittlerweile hält der Hedgefonds nur noch eine einsehbare Leerverkaufsposition über 0,5 Prozent gegen die spanische Banco Santander (0,59 Prozent).

Dalio wettete mit 10,5 Milliarden Dollar gegen europäische Unternehmen

Wie manager magazin berichtete, hatten die Short-Positionen insgesamt einen Wert von 10,5 Milliarden US-Dollar (10,36 Milliarden Euro). Besonders groß waren die Positionen gegen den niederländischen Halbleiterhersteller ASML (1,18 Milliarden Dollar) und Total Energies (780 Millionen Dollar). Die deutschen Unternehmen, gegen deren Kurse die Broker um Dalio am höchsten wetteten, waren SAP (594 Millionen Dollar) und Siemens (453 Millionen Dollar).

Es besteht auch die Option, dass der Hedgefonds die Leerverkaufspositionen hielt, um Geschäfte auf steigende Kurse abzusichern. Dies wäre allerdings ein ungewöhnlicher Schritt für die Broker. Bridgewater ist als Shortseller bekannt, das heißt, der Hedgefonds wettet auf einen Kursverfall der Aktien und verdient damit Geld.

Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass die Positionen noch existieren. So wurde bei einigen Wetten noch die Reduktion auf einen Prozentsatz kurz unter 0,5 veröffentlicht. Bridgewater reduzierte etwa seine Position gegen Infineon vergangene Woche von 0,59 auf 0,49 Prozent. Allerdings hat der Investor auch diese Position wieder verändert – sie taucht im Bundesanzeiger nicht mehr auf. Alle Veränderungen die sich nun unter der 0,5-Prozent-Grenze bewegen, müssen nicht mehr im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Es gibt allerdings auch gute Gründe, Anleger wissen zu lassen, dass man auf fallende Kurse setzt. In einigen Fällen reicht eine größere Short-Wette schon aus, Anleger zu verunsichern und das Ziel des fallenden Kurses zu erreichen.

fw
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