Quant-Fonds erstmals größte Profianleger Die neuen Könige der Wall Street sind - Computer

Mathematiker statt Investmentprofis: An der Wall Street übernehmen die Computer die Macht

Mathematiker statt Investmentprofis: An der Wall Street übernehmen die Computer die Macht

Foto: A2800 epa Peter Foley/ dpa
Fotostrecke

Milliarden-Einkommen: Diese Hedgefonds-Manager verdienten zuletzt am meisten

Foto: STEVE MARCUS/ REUTERS

Wachwechsel am US-Finanzmarkt: Die Zeiten von Finanzhaien à la Gordon Gekko aus dem US-Film "Wall Street" oder Starinvestoren wie dem legendären George Soros, die mit mehr oder weniger smarten Anlageentscheidungen Milliarden bewegen, neigen sich offenbar endgültig dem Ende entgegen. Stattdessen übernehmen auch in der Finanzindustrie schon seit Jahren mehr und mehr Computerprogramme die Macht, beziehungsweise jene Experten, die in der Lage sind, solche zu kreieren. Und nun haben diese Zahlen- und Daten-Zauberer offenbar einen Meilenstein passiert.

Erstmals in der Geschichte sind es Quant-Hedgefonds, also jene Investmentvehikel, die auf computergestützten Investmentprozessen basieren, auf die an der US-Börse unter allen institutionellen Anlegergruppen der größte Teil des Aktienhandels entfällt. Das berichtet das "Wall Street Journal " (kostenpflichtig) mit Verweis auf Daten der internationalen Research- und Beratungsfirma Tabb Group.

Demnach waren Quant-Fonds zuletzt verantwortlich für 27 Prozent des Handelsvolumens an der New Yorker Börse. Der Anteil hat sich damit allein seit 2013, als es 14 Prozent waren, beinahe verdoppelt.

Zum Vergleich: Alle anderen Hedgefonds zusammen kommen nach einem Rückgang, der bereits seit Jahren anhält, den Angaben zufolge inzwischen nur noch auf einen Anteil von etwas mehr als 20 Prozent am New Yorker Handelsvolumen. Herkömmliche Investmentfonds sowie Banken liegen noch darunter.


Lesen Sie auch: Hedgefonds-Milliardär John Paulson - einmal Olymp und zurück


Das Überholmanöver an der Spitze markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die schon seit Jahren zu beobachten ist. Zwar hatten computergestützte Investmentprozesse noch in der Finanzkrise 2007/2008 schlecht ausgesehen, als sie wegen allzu hoher Verluste in die Schlagzeilen gerieten. Das tat ihrer zunehmenden Popularität jedoch offenbar kaum einen Abbruch: Seit 2013 hat der Anteil der Programme am Gesamthandel rapide zugelegt. Herkömmliche Hedgefonds dagegen haben gleichzeitig immer mehr zu kämpfen, weil sie zuletzt vielfach nur mäßige Ergebnisse ablieferten, dafür aber nach wie vor hohe Gebühren kassieren.

Verantwortlich für den Vormarsch der Computer-Fonds sind laut "Wall Street Journal" zudem vor allem zwei Umstände. Erstens machen es immer mehr regulatorische Vorgaben den klassischen Hedgefonds-Managern immer schwerer, ihr Geschäft auszuüben, bei dem es vielfach darum geht, einen Informationsvorsprung zu erlangen oder Märkte beziehungsweise einzelne Wertpapierkurse mit teils schwer durchschaubaren Methoden in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.

Der wohl erfolgreichste Quant-Investor heißt ...

Und - wichtiger noch - zweitens stehen den Investmentfirmen heute mehr denn je auf Knopfdruck Unmengen an Daten über die Wirtschaft, über einzelne Unternehmen oder über das Geschehen an den Finanzmärkten zur Verfügung. Solche Daten sind der Rohstoff für die Algorithmen, mit denen die Quant-Fonds Trends erkennen und Kauf- sowie Verkaufszeitpunkte bestimmen.

Speicherplatz statt persönliches Netzwerk, lautet daher nun in vielen Hedgefonds-Firmen die Devise. Und Programmier-Kunst statt Investment-Können: Gefragt sind an der Wall Street inzwischen nicht mehr die klassischen Finanzprofis, sondern Koryphäen aus dem Bereich Mathematik und Software. Sie werden von den Investmentfirmen zum Teil mit viel Geld in die Finanzbranche gelockt.

Kaum ein Hedgefonds, der sich dem Trend verschließen und nicht zumindest einen Teil seiner Aktivitäten auf das computergestützte Geschäft umstellen würde. Prominentes Beispiel ist der mehrfache Milliardär und bekannte Kunstsammler Steven Cohen, der in seiner Zwölf-Milliarden-Dollar-Firma Point72 gerade die Hälfte des Portfolios auf einen "Mensch plus Maschine"-Ansatz umstellt.

Zu den erfolgreichsten Quant-Investoren zählt zudem James Simons, Gründer der Hedgefonds-Firma Renaissance Technologies, die sich bei ihren Investments ausschließlich auf Algorithmen verlässt. Mathematiker Simons gehört mit einem Vermögen von laut "Forbes" 18 Milliarden Dollar längst zu den vermögendsten Akteuren in seinem Genres und darüber hinaus auch zu den reichsten Menschen der Welt. Im vergangenen Jahr war er laut "Forbes" mit Einkünften von 1,5 Milliarden Dollar zudem Top-Verdiener unter allen Hedgefonds-Lenkern.