Saison der Aktionärstreffen beendet Präsenz auf Dax-Hauptversammlungen erreicht 2016 Rekordniveau

Schlechte Stimmung vor der Hauptversammlung: Bei Volkswagen erregte in diesem Jahr der Abgasskandal die Gemüter der Aktionäre

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Am heutigen Donnerstag findet mit der Hauptversammlung der ProSiebenSat.1 Media SE in München das letzte Aktionärstreffen der 30 Dax-Konzerne im Jahr 2016 statt. Damit steht nun endgültig fest: Die erste Börsenliga Deutschlands hat dieses Jahr einen neuen Rekord aufgestellt - besser gesagt: Die Aktionäre der Unternehmen haben diese Höchstmarke erreicht: Noch nie seit Aufzeichnung der Werte gab es eine höhere Präsenzquote der Stammaktionäre auf den Hauptversammlungen der Dax-Konzerne als 2016. Das geht aus Daten der Beratungsgesellschaft Barkow Consulting hervor.

Laut Barkow Consulting waren 2016 durchschnittlich 62,3 Prozent der Dax-Stammaktien auf den Versammlungen vertreten. Das sind ganze 6,4 Prozentpunkte mehr als 2015. Zudem liegt der Wert knapp über der bisherigen Bestmarke von 61 Prozent aus 1998, dem ersten Jahr, für das lückenloses und belastbares Datenmaterial zu den Hauptversammlungen vorliegt.

In den Jahren zuvor könne die Präsenz zwar durchaus schon einmal höher gewesen sein als 2016, sagt Barkow-Consulting-Experte Wolfgang Schnorr. Darüber lasse sich aber nur spekulieren, ausreichende Belege gebe es nicht.

Zwar gab es auch in diesem Jahr einige Hauptversammlungen mit viel Aufregungspotenzial, so dass die Anteilseigner insbesondere in diesen Fällen durchaus Grund hatten, besonders zahlreich zu erscheinen. Genannt seien nur die Beispiele Volkswagen, wo bis kurz vor Mitternacht über den Abgasskandal und die Verantwortung des Managements diskutiert wurde, sowie Deutsche Bank, bei der das neue Vergütungssystem des Vorstandes für eine heftige Abstimmungsniederlage sorgte.

Tatsächlich hat die außergewöhnlich hohe Präsenzquote auf den Aktionärsmeetings aber wohl in erster Linie andere Gründe, zumal es weniger um die persönliche Anwesenheit der Anleger geht als vielmehr um die Präsenz der Stimmrechte, die vielfach für große Investoren auch von Vertretern wie etwa Banken gesammelt wahrgenommen werden.

Barkow-Experte Schnorr nennt daher vor allem drei Ursachen für die hohe Quote 2016:

  • 2012 hatte das Oberlandesgericht Köln mit einem überraschenden Urteil für Verunsicherung unter ausländischen Namensaktionären gesorgt, die in der Folge die Hauptversammlungen zu einem großen Teil mieden. Laut Barkow Consulting brach die Präsenzquote der Namensaktien daraufhin im Folgejahr um beinahe 14 Prozentpunkte ein. Mit dem Anlegerschutzgesetz wurde die Verunsicherung jedoch im Sommer 2015 wieder beseitigt. Und im folgenden Jahr wandten sich offenbar viele ausländische Anteilseigner wieder den Meetings zu. Beleg ist die Quote der anwesenden Namensaktien, die 2016 gegenüber dem Vorjahr um 9,8 Prozentpunkte zulegte.
  • Laut Schnorr dürften auch Geschäfte zurückgegangen sein, bei denen per Wertpapierleihe Steuern optimiert werden ("Cum-ex"). Über diese Steuertricks war in der jüngeren Vergangenheit häufig berichtet worden, was die Akteure abgeschreckt und so indirekt zu einem Anstieg der Präsenzquote beigetragen haben könnte, so Schnorr. Mangels konkreter Daten über diese Marktnische lasse sich dieser Effekt aber kaum beziffern.
  • Letztlich haben nach Kalkulation von Barkow Consulting auch Umstellungen im Dax zur höheren Präsenzquote beigetragen. Anstelle von Lanxess und K+S waren in den vergangenen Monaten der Immobilienkonzern Vonovia sowie die ProSiebenSat.1 Media SE in den Dax aufgenommen worden. Allein durch diesen Unternehmenstausch stieg die Präsenzquote gegenüber 2015 um 1,7 Prozentpunkte, so die Barkow-Experten.

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