Montag, 19. August 2019

Nach Griechenland Portugal kehrt zurück an die Märkte

Börse Lissabon: Auch wenn Investoren am Kapitalmarkt Portugal wieder Geld geben, das Land hat seine Probleme noch längst nicht bewältigt

Nach Griechenland zapft Portugal erstmals seit Jahren wieder den Kapitalmarkt an. Das Interesse der Anleger ist groß, die Kurse steigen und die Renditen fallen deutlich. Kritiker warnen vor Euphorie. Doch die Investoren sind hungrig und fühlen sich auf der sicheren Seite.

Frankfurt am Main - Portugal ist nach dreijähriger Abstinenz erfolgreich an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Bei der ersten öffentlichen Auktion zehnjähriger Staatsanleihen seit der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm sammelte das Land am Mittwoch 750 Millionen Euro bei Investoren ein, wie die Schuldenagentur in Lissabon mitteilte.

Die Rendite, die Anleger erhalten, fiel mit 3,57 Prozent überraschend niedrig aus. Die angebotenen Papiere waren deutlich überzeichnet. Die Gebote hätten ausgereicht, um das 3,5-fache Volumen am Markt unterzubringen. Vor knapp zwei Wochen war bereits Griechenland ein Kapitalmarkt-Comeback gelungen. Athen hatte allerdings auf die Unterstützung eines Bankenkonsortiums gebaut

Spekulationen auf eine erfolgreiche Auktion portugiesischer Anleihen hatten bereits im Vorfeld die Kurse der zehnjährigen Staatstitel des Landes klettern und die Rendite mit 3,636 Prozent auf den tiefsten Stand seit acht Jahren fallen lassen.

Die Regierung in Lissabon war im Zuge der Euro-Schuldenkrise in Bedrängnis geraten und mit Notkrediten von seinen Euro-Partnern und dem IWF unterstützt worden. Im nächsten Monat will Portugal das Rettungsprogramm im Volumen von 78 Milliarden Euro verlassen, um finanziell wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Bondanleger vertrauen auf Deflationsvorteil und die EZB

Auch wenn letzte Wirtschaftsdaten wieder nach oben zeigten, Portugal hat die Krise noch längst nicht hinter sich. Gleichwohl ist das Interesse der Anleger an Bonds der südeuropäischen Krisenländer groß. So testete Griechenland vor knapp zwei Wochen zum ersten Mal seit 2010 erfolgreich den Kapitalmarkt.

Den Investoren sei nur wichtig, ob die Anleihe bedient und zurückgezahlt werde, begründete Ex-Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer das Interesse der Bondsinvestoren. Viele gingen davon aus, dass die Europartner, allen voran Deutschland, letztlich für die Papiere der Krisenländer bürgen.

Das renommierte Wirtschaftsblatt "The Economist" warnt bereits vor übertriebener Euphorie am Markt für Euro-Staatsanleihen. Kritiker sagen, nicht die gestiegene Kreditwürdigkeit, sondern das billige Geld der EZB und die Aussicht auf weitere geldpolitische Stützung hätten die Renditen vieler Länder auf Rekordtiefstände gedrückt.

In Griechenland, Portugal und Spanien herrscht außerdem Deflation. Dadurch werfen die Staatspapiere für Investoren dort höhere Erträge ab. Während die mickrigen Zinsen in Deutschland von der Inflation nahezu komplett aufgefressen werden, sorgt der Preisverfall in den Krisenländern für den umgekehrten Effekt. Durch die negative Teuerungsrate übersteigt die tatsächliche Rendite den Nominalzins.

rei/rtr/dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung