Samstag, 21. September 2019

Rätsel um Bitcoin-Erfinder Wo und wer ist Satoshi Nakamoto?

Ganz reale virtuelle Währung: Die Erfindung Bitcoin sollte auf Vertrauen basieren

Auch nach der Pleite der wichtigsten Börse Mt. Gox gibt Bitcoin der Welt Rätsel auf. In Kalifornien wurde der Erfinder der digitalen Währung angeblich ausfindig gemacht, will es aber nicht gewesen sein. Wer aber dann - die NSA? Eine bizarre Phantomsuche beginnt und nährt Verschwörungstheorien.

Tokio - Die Suche nach dem mysteriösen Erfinder der digitalen Währung Bitcoin geht weiter. Der 64-jährige Physiker Dorian Satoshi Nakamoto, vom US-Magazin "Newsweek" in Kalifornien als der Schöpfer der virtuellen Währung enttarnt, wies dies am Donnerstag weit von sich. Er habe vor drei Wochen zum ersten Mal überhaupt von Bitcoins gehört, sagte der in Japan geborene Nakamoto der Nachrichtenagentur AP. Der "Newsweek"-Reporter, der plötzlich vor seiner Haustür stand, habe ihn falsch verstanden - Englisch sei schließlich nicht seine Muttersprache.

Als Name des Bitcoin-Gründers kursierte im Netz der Name Satoshi Nakamoto, allerdings hielten dies viele für ein Pseudonym oder sogar eine Bezeichnung für eine Gruppe von Programmierern. Der von "Newsweek" Gefundene hieß einst Satoshi Nakamoto, änderte seinen Namen aber von rund 40 Jahren in Dorian S. Nakamoto. Das Magazin führte eine Reihe von Indizien auf, die für seine These sprechen, darunter Übereinstimmungen im Sprachstil, die Vorgehensweise beim Programmiercode und Hinweise von anderen Bitcoin-Entwicklern.

"Ich bin daran nicht mehr beteiligt und ich kann nicht darüber reden", zitierte die Zeitschrift Nakamoto. "Es ist an andere Leute übergeben worden. Die tragen jetzt die Verantwortung. Ich habe keine Verbindung mehr." Für "Newsweek" waren diese Worte Anzeichen genug.

Doch Nakamoto sagte nun, er habe lediglich ausdrücken wollen, dass er nicht länger als Entwickler arbeite - "das ist alles". Selbst wenn er noch als Entwickler arbeiten würde, dann hätte er sich gegenüber seinem Arbeitgeber zum Stillschweigen verpflichten müssen - und genau das habe er sagen wollen. Auch die Bitcoin-Stiftung stützte den "Newsweek"-Bericht nicht. Es gebe "null überzeugende Beweise", dass "diese Person" der Bitcoin-Erfinder sei, erklärte die Stiftung.

Interessanterweise meldete sich nach dem "Newsweek"-Bericht auch der "Satoshi Nakamoto" zu Wort, der 2008 das Konzept für Bitcoin (PDF) veröffentlicht hatte. Nach fünf Jahren Schweigen schrieb er in einem Forum lediglich: "Ich bin nicht Dorian Nakamoto." Der Betreiber des Forums bestätigte dem Technologie-Blog "TechCrunch", dass der Account mit der selben E-Mail-Adresse von 2008 verknüpft ist. Allerdings können auch E-Mail-Absendeadressen vorgetäuscht werden.

Steckt die NSA dahinter?

Das zur Nachrichtenagentur Reuters gehörende Blog "Counterparties" hat im Netz gleich sieben verschiedene Theorien ausgegraben, wer wirklich Satoshi Nakamoto ist:

  • Tatsuaki Okamoto, ein Forscher der japanischen Telekomfirma NTT Börsen-Chart zeigen
  • Michael Clear, ein 23-jähriger Student aus Dublin
  • Vili Lehdonvirta, ein finnischer Programmierer
  • Shinichi Mochizuki, Mathematikprofessor in Kioto
  • drei verschiedene Autoren eines 2008 eingereichte Patents für Verschlüsselungstechnik
  • Jed McCaleb, Partner des nun demütig auftretenden Gründers der Tokioter Bitcoin-Börse Mt. Gox
  • Dustin Trammell, der zu IT-Sicherheit forscht, aber längst in seinem Blog dementiert hat, er sei Satoshi Nakamoto

Hinterher will es keiner gewesen sein. In der Bitcoin-Gemeinde, die sich durch Misstrauen gegenüber dem Staat auszeichnet, finden Verschwörungstheorien wie die um Tatsuaki Okamoto Anklang. Denn der sei schon 1996 als Verschlüsselungsexperte in einem Papier des US-Geheimdienstes NSA über die Möglichkeit einer digitalen Währung genannt worden.

Bitcoins waren als Alternative zur von Staat und Banken kontrollierten Geldwirtschaft eingeführt worden. Sie gehören zu einer neuen Generation von rein virtuellen Zahlungsmitteln, die auch als Krypto-Währungen bezeichnet werden. Dabei wird das Geld nicht von einer zentralen Stelle ausgegeben, sondern von am Netzwerk beteiligten Computern nach rein mathematischen Regeln geschaffen. Die Bitcoins zirkulieren zwischen den Teilnehmern dann als universell einsetzbares privates Zahlungsmittel.

Die Digitalwährung steckt derzeit in ihrer bislang schwersten Vertrauenskrise, seit in der vergangenen Woche die Handelsplattform Mt. Gox, eine der ältesten und wichtigsten ihrer Art, Insolvenz beantragt hatte. Mt. Gox waren nach eigenen Angaben 750.000 Bitcoins von Kunden und 100.000 eigene Exemplare abhanden gekommen. Der Gesamtwert der verschwundenen "Münzen" belief sich auf rund 350 Millionen Euro. Die Firma mit Sitz in Japan macht Hacker für den Angriff verantwortlich.

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ak/afp/dpa-afx

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