Kurse springen an PayPal akzeptiert Kryptowährungen wie Bitcoin

Ritterschlag für Bitcoin und Co.: Der Zahlungsdienst PayPal öffnet sein riesiges Netzwerk für Kryptowährungen. Auch Einkaufen soll damit bald möglich werden.
Logo der PayPal-App: 346 Millionen aktive Konten weltweit

Logo der PayPal-App: 346 Millionen aktive Konten weltweit

Foto: THOMAS WHITE / REUTERS

Der Zahlungsdienst PayPal öffnet sich für den Kryptowährungsmarkt. Ab diesem Mittwoch dürfen Kunden die Online-Wallets von PayPal nutzen, um Bitcoin und andere virtuelle Assets zu handeln. Ab Anfang 2021 werde es auch möglich, mit Kryptowährungen bei den 26 Millionen Verkaufsstellen im PayPal-Netzwerk zu bezahlen, teilte das Unternehmen mit. Man habe dazu die erste Lizenz des US-Staats New York erhalten.

PayPal hoffe, dass das Angebot die weltweite Nutzung virtueller Währungen befördern werde. Das Netzwerk bereite sich auch auf neue digitale Währungen vor, die von Zentralbanken oder Unternehmen herausgegeben werden, sagte Konzernchef Dan Schulman (62) in einem Interview. "Wir arbeiten mit Zentralbanken zusammen und denken über alle Formen digitaler Währungen nach, und wie PayPal eine Rolle spielen kann", sagte er.

Inhaber von US-Konten dürfen Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash oder Litecoin laut dem Statement  in den kommenden Wochen in ihre Wallets aufnehmen. Das Unternehmen plane, den Schritt in der ersten Jahreshälfte 2021 auch Venmo, die App für mobiles Bezahlen, und ausgewählte weitere Länder zu übertragen.

Die Nachricht beflügelte die Kurse von Kryptowährungen. Bitcoin  erreichte am Mittwoch mit plus 8 Prozent ein Jahreshoch von 12.854 Dollar. Auch die Aktie von PayPal  legte an der Wall Street rund 3 Prozent zu.

Kunden zahlen in Bitcoin, Händler bekommen Dollar

Die stark schwankenden Kurse machten Bitcoin und Co. als Zahlungsmittel relativ unbrauchbar, räumte PayPal ein. Dennoch glaube das Unternehmen, dass sich digitale Währungen durchsetzen würden. Man sehe klare Vorteile wie den leichteren Zugang für Nutzer, die beispielsweise keine Bankkonten haben, oder direkte Transfers von Staaten an Bürger ohne Umweg über Banken und andere Zwischenhändler.

Andere große Fintech-Firmen wie der mobile Zahlungsdienst Square oder die Börsen-App Robinhood lassen ihre Kunden bereits mit Kryptowährungen handeln. Der Start von PayPal in den Markt ist jedoch bemerkenswert wegen der großen Reichweite. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Santa Clara zählt nach eigenen Angaben 346 Millionen aktive Konten weltweit. Im zweiten Quartal wickelte PayPal Zahlungen von 222 Milliarden Dollar ab.

Kryptowährungen sind wegen ihrer schwankenden Preise vor allem für Spekulanten interessant, aber deutlich weniger attraktiv für Händler und Einkäufer. Transaktionen sind in aller Regel deutlich langsamer und teurer als mit etablierten Zahlungssystemen. In Kryptowährungen abgeschlossene Käufe will PayPal gegenüber den Händlern in staatlichen Währungen wie US-Dollar oder Euro begleichen, sodass diese sich nicht mit Bitcoins herumschlagen müssen.

Fest an etablierte Währungen gekoppelte Stablecoins könnten sich auch als Zahlungsmittel eignen. Mehrere Zentralbanken haben Pläne verkündet, eigene digitale Währungen zu entwickeln, zuletzt auch die Europäische Zentralbank.

PayPal war im vergangenen Jahr bei dem von Facebook ins Leben gerufenen Projekt für die Digitalwährung Libra ausgestiegen. Der Zahlungsdienstleister hatte dies damit begründet, sich auf sein eigenes Geschäft konzentrieren zu wollen. Facebook will mit Libra eine weltweite digitale Währung aufbauen, durch die Nutzer des sozialen Netzwerks in Regionen ohne funktionierende Infrastruktur Zugang zum Geldsystem bekommen.

ak/reuters
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