Sonntag, 31. Mai 2020

Banken bleiben auf AMS-Aktien für 500 Millionen Euro sitzen AMS-Osram-Deal wird für Banken fast zum Desaster

Vor allem für HSBC TrinkausUBS und UBS und könnte die Übernahme von Osram durch die österreichische AMS ein teures Nachspiel haben. Für die Banken stehen eingedenk der Brückenkredite nun Milliarden im Feuer.
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Vor allem für HSBC TrinkausUBS und UBS und könnte die Übernahme von Osram durch die österreichische AMS ein teures Nachspiel haben. Für die Banken stehen eingedenk der Brückenkredite nun Milliarden im Feuer.

Die geplante Übernahme des Münchner Lichttechnik-Konzerns Osram Börsen-Chart zeigen durch die österreichische AMS könnte für die finanzierenden Banken ein teures Nachspiel haben. Denn die Institute - allen voran HSBC Trinkaus und die UBS - blieben im Strudel der Coronavirus-Krise auf 30 Prozent der 1,65 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung von AMS sitzen, wie AMS am Mittwoch mitteilte. Für die Platzierung der Aktien hatten sie allerdings garantiert.

Der Sensor-Spezialist aus dem steirischen Premstätten bei Graz gehört damit zumindest vorübergehend zu 21 Prozent den Banken. Die Investmentbanker müssen nun versuchen, die Papiere im Wert von rund 500 Millionen Euro in den nächsten Wochen und Monaten nach und nach abzuverkaufen.

Das drückte die AMS-Aktien an der Schweizer Börse um 8 Prozent auf 8,75 Schweizer Franken - deutlich unter die 9,20 Franken, für die die neuen Aktien verkauft worden waren. Auch Osram-Titel Börsen-Chart zeigen gaben 5 Prozent auf 30,87 Euro nach - das sind gut zehn Euro weniger, als die Österreicher den Osram-Aktionären geboten hatten.

Bei den Osram-Investoren, die ihre Papiere nicht an AMS verkauft hatten, wächst nun die Angst, dass sie kein lukratives Abfindungsangebot bekommen könnten, wie es der scheidende AMS-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch angekündigt hatte. AMS hat bisher Zugriff auf 63 Prozent an Osram. Der Übernahme stehen nun noch die Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern im Wege. Deren Zustimmung wird bis Ende Juni erwartet.

Den Banken drohen empfindliche Verluste

Die bis zu 4,6 Milliarden Euro schwere Übernahme des zweimal so großen Münchner Traditionskonzerns galt schon vor der Corona-Krise als waghalsig. Seit der Ankündigung der Emission, mit der AMS rund ein Drittel der Summe finanzieren wollte, ist die Aktie des steirischen Unternehmens aber um zwei Drittel eingebrochen. Zwischenzeitlich war spekuliert worden, ob die Banken angesichts der grassierenden Pandemie sogar einen Rückzieher machen würden. Analysten machen sich Sorgen, dass das Geschäft von AMS mit dem Smartphone-Riesen Apple Börsen-Chart zeigen in der Krise schlechter laufen und sich AMS mit Osram übernehmen könnte. Die im Umbau steckenden Münchener haben ihre Ziele für das Geschäftsjahr 2019/20 (Ende September) ohnehin zurückgezogen.


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Vor allem für die UBS Börsen-Chart zeigenund HSBC Trinkaus + Burkhardt Börsen-Chart zeigenstehen Milliarden im Feuer. Sie haben zusammen mit der Bank of America die Brückenkredite gestemmt, mit denen AMS die Osram-Anteile finanziert hat. Und sie sitzen nun auch auf AMS-Aktien, für die sie 528 Millionen Franken (500 Millionen Euro) gezahlt haben. Denn nur 62 Prozent der AMS-Aktionäre und anderer Investoren übten die Bezugsrechte für die knapp 190 Millionen neuen Papiere aus. "Dass so viele Aktien bei einer Kapitalerhöhung übrig bleiben, habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt", sagte ein beteiligter Banker. "Das liegt aber am Marktumfeld, nicht an der Firma."

"Das liegt am Marktumfeld, nicht an der Firma"

15 Millionen - weitere 8 Prozent - brachten die Banken am Dienstagabend noch bei anderen Investoren zum Preis von je 9,20 Franken unter, 57,4 Millionen blieben aber übrig. Der UBS gehören damit 7,7 Prozent an AMS, der HSBC 7,2 Prozent, 6 Prozent liegen bei weiteren sechs Banken, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Erste Group. Erholt sich die AMS-Aktie nicht, drohen ihnen Verluste.

AMS hatte stets erklärt, große Investoren stünden hinter der Kapitalerhöhung. Auch der singapurische Staatsfonds Temasek, der 5,4 Prozent der Aktien hält, wollte laut Insidern mitziehen. Auch Hedgefonds griffen beherzt zu.

luk/Reuters

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