Samstag, 18. Januar 2020

AMS am Ziel Osram-Aktie auf Eineinhalbjahreshoch - Anleger feiern Übernahme

Osram-Zentrale in München: Der Konzern wird von AMS übernommen, Anleger sind begeistert

Die Osram-Aktie Börsen-Chart zeigen setzt nach der Übernahme des deutschen Lichttechnikkonzerns durch AMS zum Höhenflug an. Die Titel stiegen am Montag nach Börseneröffnung um bis zu 13,2 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 43,57 Euro. Damit notierte der Kurs deutlich über dem Preis von 41 Euro, den AMS den Osram-Aktionären geboten hat. Das könnte für den österreichischen Sensorhersteller zum Problem werden, wenn er seinen Osram-Anteil ausbauen will, um den deutschen Konzern unter seine volle Kontrolle zu bekommen. Die in Zürich notierten AMS-Titel gaben zeitweise 5,6 Prozent nach.

AMS hat sich nach Firmenangaben vom Freitag im zweiten Anlauf mehr als 55 Prozent der Osram-Anteile Anteile gesichert und ist damit vorläufig am Ziel. Weil entsprechend viele Osram-Aktionäre ihre Anteile an AMS verkaufen, überschritten die Österreicher die selbst festgelegte Mindestannahmeschwelle. Das genaue Ergebnis wird am Dienstag erwartet.

Danach haben die restlichen Osram-Aktionäre zwar noch einmal zwei Wochen Zeit, ihre Papiere an AMS zum Preis von 41 Euro abzugeben. Ein Verkauf an der Börse dürfte aber vielen attraktiver erscheinen. Das spielt Hedgefonds in die Hände, die auf eine höhere Abfindung für ihre Osram-Anteile setzen, wenn AMS eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent erreichen will.

AMS-Chef will europäischen Weltchampion schmieden

IG Metall und der Osram-Betriebsrat, die eine Zerschlagung des über 110 Jahre alten Traditionsunternehmens fürchten, haben somit vergeblich Widerstand geleistet. AMS wächst zwar rasant, ist aber hoch verschuldet und will die Übernahme mit Milliardenkrediten und der Ausgabe neuer Aktien finanzieren.

Damit ist ein monatelanges Übernahmedrama um eines der bekanntesten deutschen Industrieunternehmen vorerst beendet. Allerdings steht die Zustimmung der Behörden noch aus. AMS-Chef Alexander Everke sicherte dem Osram-Management "und allen Stakeholdern" enge Zusammenarbeit zu. Der ehemalige Siemens -Manager Everke hatte gemeinsam mit Osram-Chef Olaf Berlien eine Werbekampagne bei den Aktionären gestartet.

Der AMS-Chef hat sehr ehrgeizige Pläne: Everke will einen europäischen Weltchampion in der Optoelektronik schmieden. Die Produkte von AMS und Osram ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Osram stellt LED-Beleuchtung her, AMS optische Sensoren, in Teilen für identische Kundengruppen, darunter Handyhersteller. "Nun gilt es, gemeinsam mit AMS einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg zu bringen", erklärte Osram-Chef Berlien.

AMS hat zugesagt, bis 2022 niemand bei Osram fusionsbedingt zu entlassen. Die deutschen Standorte sollen sogar gestärkt werden. "Gemeinsam und im Dialog mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern werden der Osram- und AMS-Vorstand nun einen tragfähigen Integrationsfahrplan auf Augenhöhe vorbereiten", hieß es in der Osram-Mitteilung.

Arbeitnehmervertreter fürchten Zerschlagung

IG Metall und Osram-Konzernbetriebsrat waren bis zuletzt nicht überzeugt. Grund ist die Finanzierung: AMS ist erheblich kleiner als Osram, und um das Münchener Unternehmen übernehmen zu können, will AMS ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung in Milliardenhöhe weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Deswegen fürchten die Arbeitnehmervertreter eine Zerschlagung Osrams, bei der letztlich die weltweit 24.000 Osram-Mitarbeiter die Zeche zahlen würden.

Osram ist in einer sehr schwierigen Lage. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Die Elektronikbranche ist weltweit von einem tiefen Abschwung erfasst. Eine Hauptursache sind die nachlassenden Produktions- und Verkaufszahlen von Autoindustrie und Smartphoneherstellern, den zwei wichtigsten Kundengruppe für Osram.


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Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten ursprünglich eine Übernahme durch US-Finanzinvestoren befürwortet, die zwei Interessenten Bain Capital und Carlyle hatten jedoch im Laufe der Bieterschlacht aufgegeben. Wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsbranche sind nach Einschätzung der Osram-Führungsetage permanente Investitionen notwendig. Ohne einen Geldgeber würde Osram aber nach den hohen Verlusten des vergangenen Geschäftsjahrs das Kapital fehlen, um zu investieren.

mg/rtr, dpa-afx

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