Freitag, 15. November 2019

Opec lässt Produktion unverändert Das Kartell kapituliert - Ölpreis stürzt ab

Ölförderung im Irak: Die Opec hat keine Macht mehr über den Preis

Nach der Opec-Sitzung in Wien brechen am Ölmarkt die Dämme. Der Preis stürzt ab, weil das paralysierte Kartell die Produktion nicht kürzt. Es knickt damit vor der aufstrebenden Ölmacht USA ein - und fordert diese zugleich zu einer Schlacht um die Vorherrschaft im Energiesektor heraus.

New York/London/Wien - Trotz des jüngsten Absturzes der Ölpreise will die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihr bisheriges Förderziel von 30 Millionen Barrel am Tag nicht kürzen. Darauf verständigten sich die Energieminister der zwölf Mitgliedstaaten am Donnerstag in Wien. "Wir wollen abwarten, wie sich der Markt entwickelt", erklärte Opec-Generalsekretär Abdalla El-Badri.

Daraufhin stürzte der Ölpreis ab. Am Nachmittag kostete ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent Börsen-Chart zeigen mit Lieferung im Januar 75,25 US-Dollar. Das sind 2,50 Dollar weniger als am Vortag. Zwischenzeitlich fiel der Preis sogar unter 75 Dollar auf den tiefsten Stand seit August 2010.

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Preis für US-Öl der Sorte WTI. Diese Sorte verbilligte sich zuletzt auf 69,67 Dollar. Damit wurde ebenfalls der tiefste Stand seit 2010 erreicht. Seit Sommer sind beide Ölpreise um mehr als 30 Prozent abgerutscht.

Mit ihrer Entscheidung gesteht die Opec einerseits ihre Ohnmächtigkeit gegenüber den Turbulenzen am Markt ein. Zuletzt hat sich das Machtgefüge im weltweiten Energiesektor verschoben: Eine der Quellen der Rohölschwemme liegt in den USA, die den Rohstoff mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Technologie aus Schiefergestein herauslösen und damit neue Vorkommen erschließen.

Wirtschaftlicher Angriff auf die USA und Russland

Der Verzicht auf eine Produktionskürzung ist zugleich ein Angriff auf die USA. Die Opec könnte versuchen - so eine Theorie von Beobachtern - die Amerikaner nun mit absichtlich tolerierten Billigpreisen auszuhungern und den dortigen Ölboom zerstören. Auch für die USA könnte der sinkende Ölpreis über kurz oder lang zum Problem werden, denn die Schieferöl-Produktion ist kostspielig.

Einer der Hauptleidtragenden des Ölpreis-Verfalls ist zudem Russland, das rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export bezieht. Dem Land gehen durch den Ölpreis-Verfall nach eigenen Angaben bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich verloren.

Im Haushaltsplan für 2014 rechnet die Regierung in Moskau mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Barrel. Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) der richtungweisenden Sorte Brent aus der Nordsee dagegen lediglich etwa 75 Dollar. Der Rubel reagierte mit Kursverlusten auf die Opec-Entscheidung.

Aktien aus der Ölbranche gerieten nach der Opec-Entscheidung in einen Abwärtsstrudel. So verloren Papiere kanadischer Firmen, die Schweröl aus Teersand gewinnen, zwischen 5 und 7 Prozent - darunter Suncor Börsen-Chart zeigen, Talisman Börsen-Chart zeigen und Cenovus. Der Markt in den USA ist wegen des Thanksgiving-Feiertags geschlossen. Zu den Gewinnern gehörten Fluggesellschaften wie die Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Die Opec-Minister streiten seit langem über eine mögliche Kürzung ihrer Förderziele. Zum Auftakt der halbjährlichen Sitzung hatte der kuwaitische Ölminister Ali Saleh Al-Omair gesagt, das derzeitige Überangebot am Markt stamme nicht nur von Opec-Ländern. Der venezolanische Außenminister Rafael Ramirez signalisierte hingegen Zustimmung zu einer Produktionskürzung, um die Preise zu stabilisieren.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Ölkartells war die Haltung der mächtigen Mitgliedsstaaten vom Persischen Golf sein. Laut dem saudi-arabischen Ölminister al-Naimi waren sich Saudi-Arabien, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar schon vor der heutigen Sitzung einig.

Der Preis für Opec-Rohöl ging zuletzt ebenfalls zurück. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Donnerstag kostete ein Fass am Mittwoch im Durchschnitt 73,70 US-Dollar. Das waren 58 Cent weniger als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

mm-Grafik: Der Grund für den Machtverlust der Opec

ak/nis/dpa-afx/rtr

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung