Spaß am SPAC Rocket Internet will Firmenhülle an die Börse bringen

Rocket Internet will mit einer Mantelfirma frisches Kapital an der US-Börse einsammeln. Chef Oliver Samwer reiht sich damit ein in das Who-is-Who der Finanzwelt. Die so genannten SPACS sind schwer in Mode.
Spaß am SPAC: Rocket-Chef Oliver Samwer.

Spaß am SPAC: Rocket-Chef Oliver Samwer.

Foto:

STPP / imago images

Oliver Samwer (48) hatte schon immer einen Riecher für gute Geschäfte. Und ein Talent für riskante Finanzmanöver. Zuletzt sorgte sein Stunt für Aufsehen , nach sechs Jahren seine Start-up-Schmiede Rocket Internet von der Börse zu nehmen. Nun will Samwer offenbar wieder mitspielen am Aktienmarkt.

Nur wenige Monate nach dem Rückzug von der Frankfurter Börse will der Rocket-Internet-Chef frisches Kapital am US-Aktienmarkt einwerben. Er plane in New York den Börsengang einer Mantelgesellschaft (SPAC), sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Neuemission könne 200 bis 300 Millionen Dollar umfassen. Der Deal werde von der Investmentbank Citi organisiert. Rocket war nicht für eine Stellungnahme erreichbar, Citi wollte keinen Kommentar abgeben. Das Finanzmagazin "Finance Forward" hatte zuerst über die Pläne berichtet.

SPAC-Börsengänge sind in der Elite der Wall Street derzeit schwer in Mode. Dabei wird zunächst nur eine leere Unternehmenshülle (Special Purpose Acquisition Company, kurz: SPAC) an der Börse gelistet, ohne operatives Geschäft. Die mit dem Kapital der Anleger ausgestattete Firma sucht dann nach einem geeigneten Unternehmen für eine Übernahme, das dann auf das SPAC verschmolzen und damit - quasi über eine Abkürzung - an die Börse gebracht wird.

Das Who ist Who der internationalen Finanzwelt versucht derzeit auf diesem Weg Geld von Investoren einzutreiben, die vom Boom der Börsengänge profitieren wollen. Am Montag erst kündigten zwei Wall-Street-Veteranen Börsengänge an: Milliardär Alec Gores (68) will über sein SPAC eine 3D-Drucker-Firma an die Börse zu bringen, Michael Klein will mit seinem inzwischen siebten SPAC namens Churchill Capital VII per IPO eine Milliarde Dollar einsammeln, um später eine passende Firma zu schlucken. Berühmte Investoren wie die Hedgefonds-Chefs Bill Ackman (54) und Dan Loeb (59) oder Social-Capital-Chef Chamath Palihapitiya (44) haben ebenfalls Milliarden eingesammelt.

Palihapitiya hatte 2019 schon die Virgin Group des exzentrischen Milliardärs Richard Branson (70) per SPAC an die Börse gebracht; vergangene Woche kündigte ein von Branson selbst gestütztes SPAC an, in einem 3,5-Milliarden-Dollar-Deal das DNA-Unternehmen 23andMe aufs Parkett zu bringen. Auch der frühere Basketball-Star Shaquille O'Neal (48), der einstige US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross (83) oder der frühere republikanische Spitzenpolitiker Paul Ryan (51) hoffen auf lukrative SPAC-Deals.

Auch in Deutschland bringen sich bereits einige Firmenlenker in Position. So soll der Wagniskapitalgeber Lakestar an einem SPAC-Deal in Frankfurt arbeiten.

lhy/Reuters