Dienstag, 2. Juni 2020

Trump lässt Ölpreis springen Die doppelte Gewinnchance für Anleger am Ölmarkt

Ölförderung in Texas: Die US-Industrie leidet wie viele andere unter dem niedrigen Ölpreis - für Anleger birgt er Chancen.
Getty Images
Ölförderung in Texas: Die US-Industrie leidet wie viele andere unter dem niedrigen Ölpreis - für Anleger birgt er Chancen.

Nach dem Preissturz der vergangenen Wochen ist Öl auf dem Weltmarkt so günstig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Für Geldanleger ergibt sich daraus eine ganz besondere Investmentchance.

Die weltweite Corona-Krise hat viele Werte an den Finanzmärkten abstürzen lassen und damit für langfristig orientierte Investoren Einstiegschancen geschaffen. Eine besondere Möglichkeit für Anleger könnte dabei jetzt eine Wette auf den Ölpreis sein. Am Donnerstag sprang der Preis nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump bereits in die Höhe und ließ erkennen, was möglich ist, wenn sich die Umstände am Ölmarkt ändern.

Der Preis Börsen-Chart zeigen leidet nicht nur seit Wochen unter den Auswirkungen der Corona-Ausbreitung, die weltweit zu einem weitgehenden Stillstand wirtschaftlicher Aktivitäten und damit zu einem erheblichen Rückgang der Ölnachfrage geführt hat. Er steht zudem auch im Zentrum eines Preiskampfes zwischen den großen Förderländern Saudi-Arabien und Russland - auch von dieser Seite wurde in den vergangenen Wochen erheblicher Druck auf den Markt für das schwarze Gold ausgeübt.

Folge: Die Ölpreise haben im Vergleich zu anderen Anlagen in den vergangenen Wochen auch deutlich größere Verluste erlitten. Ging es beispielsweise an den Aktienmärkten gemessen an wichtigen Indizes wie dem Dax Börsen-Chart zeigen, dem Dow Jones Börsen-Chart zeigen oder dem S&P 500 Börsen-Chart zeigen bis heute um etwa 30 Prozent abwärts, so beträgt das Minus beispielsweise bei Rohöl der US-Sorte WTI im gleichen Zeitraum satte 60 Prozent. In dieser Woche notierte Öl zeitweise auf dem tiefsten Stand seit mehr als 17 Jahren.

Aus der doppelten Misere auf dem Ölmarkt entsteht allerdings zugleich eine doppelte Investmentchance. Sowohl die Corona-Krise als auch der saudi-russische Preiskampf dürften früher oder später enden. Der Ölpreis dürfte daher auf lange Sicht erhebliches Potenzial nach oben haben. "Beginnen Sie, Öl zu kaufen", lautet beispielsweise der Ratschlag von Jan Viebig, Chief Investment Officer der deutsch französischen Finanzgruppe ODDO BHF. "Wir gehen davon aus, dass es zu einer auch politisch induzierten Verringerung der Ölproduktion kommt, die sich in steigenden Ölpreisen niederschlagen wird."

Einen Eindruck davon, wie sehr die globale Corona-Krise die Nachfrage nach Öl schmälert, gibt eine aktuelle Studie der US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen. Angesichts des wirtschaftlichen Shutdowns in einem großen Teil der Welt rechnet die Bank im zweiten Quartal dieses Jahres mit einem Rückgang der weltweiten Nachfrage um 14 Millionen Fass täglich. Das entspricht einem Minus von knapp 14 Prozent - die Auswirkungen auf den Ölpreis sind bereits deutlich zu erkennen.

In den USA, mit einem Marktanteil von laut Statista zuletzt mehr als 20 Prozent immerhin größter Ölverbraucher der Welt, sind die Rohöllagerbestände bereits erheblich angestiegen, ebenso wie übrigens auch die Benzinvorräte. Die Ölverarbeitung in den Vereinigten Staaten brach um fast eine Million Fass pro Tag ein, so die Commerzbank in einem Marktbericht. Damit sei der niedrigste Stand seit Hurrikan Harvey erreicht. Die US-Benzinnachfrage ist demnach auf 6,7 Millionen Fass pro Tag abgestürzt, so tief wie seit Januar 1994 nicht mehr.

Preiskrieg zwischen Saudis und Russen

Als wäre das Corona-Problem noch nicht genug Belastung für den Ölmarkt, kommt noch der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland hinzu. Anfang März konnten sich beide Länder auf einem Treffen des Ölförderkartells Opec mit Partnernationen in Wien nicht auf Förderkürzungen zur Stützung des Ölpreises einigen. Damit endete die seit drei Jahren währende Zusammenarbeit zwischen Russland und der Opec.

Seither liefern sich Saudi-Arabien und Russland einen veritablen Preiskrieg, unter dem der gesamte Ölmarkt zu leiden hat. So hat Saudi-Arabien bereits kurz nach dem geplatzten Treffen in Wien angekündigt, seine tägliche Fördermenge trotz ohnehin schon niedriger Preise weiter zu erhöhen. Inzwischen holt das Königreich täglich mehr als zwölf Millionen Fass aus dem Boden, im Gegensatz zu weniger als zehn Millionen Barrel täglich, die die Saudis noch zu Beginn des Jahres auf den Markt warfen. Der Plan dabei: Riad testet aus, wer am Ölmarkt den längsten Atem hat, und hofft darauf, Russland letztendlich Marktanteile abjagen zu können.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung