Börsenprofi Carsten Klude erklärt Wie es mit dem Ölpreis und den Schwellenländern weitergeht

Von Carsten Klude

Ölpreis: Geht die Erholung weiter?

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Seit Sommer 2014 befindet sich der Ölpreis im Sinkflug: Lag der Preis von einem Barrel Öl  (159 Liter) damals bei rund 110 US-Dollar, so kostete dieselbe Menge des "schwarzen Goldes" Mitte Februar nur 25 US-Dollar. Doch seitdem hat sich der Ölpreis um mehr als 50 Prozent verteuert. Der Preisanstieg ist vor allem auf Signale eines verringerten Ölangebots zurückzuführen. So wollen sich Mitte April in Doha viele OPEC- und Nicht-OPEC-Länder treffen, um über das Einfrieren der Fördermengen zu beraten. Noch wichtiger ist aber das sinkende Ölangebot aus den USA.

Carsten Klude

Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Die Industrieproduktion im Sektor "Drilling Oil & Gas Wells" lag im Februar 2016 um 60 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gleiches gilt für den sogenannten "Rig Count", also die Anzahl der aktiven Ölbohranlagen. Beide Entwicklungen werden dazu führen, dass der Ölpreis tendenziell weiter ansteigen wird.

Kurzfristig steht dem allerdings die negativ zu beurteilende Entwicklung bei den Öllagerbeständen gegenüber. Denn trotz der rückläufigen Förderung sind die Lagerbestände bis zuletzt kontinuierlich angestiegen. Mit mehr als 520 Millionen Barrel Öl sind die Läger besser gefüllt als je zuvor, wie das US-Energieministerium in dieser Woche bekannt gab. Beim Ölpreis ist also zunächst eine Verschnaufpause wahrscheinlich, bevor die Preise weiter klettern werden.

Eine Bank aus Tschechien: Qualität zahlt sich aus

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Kaum ein Investor in Deutschland kennt die Komercni Banka. Die tschechische Bank ist derzeit die einzige Aktie im STOXX 600 mit osteuropäischen Wurzeln. Wir haben diese Bank schon seit längerer Zeit intensiver im Blick, da sie sich mit ihrer Bilanzqualität positiv von vielen anderen Banken unterscheidet und zudem nicht übermäßig teuer bewertet ist.

Während sich der STOXX 600 und damit der breite europäische Aktienmarkt seit Jahresanfang vergleichsweise schwach entwickelt hat, konnte die Komercni Banka in dem Marktumfeld von ihrer hohen unternehmerischen Qualität profitieren, zumal sie nicht wie viele andere europäische Banken unter einem negativen Einlagenzins leiden muss. Die jüngste Outperformance der Aktie ist ein guter Beweis dafür, dass eher "langweilige", aber solide Geschäftsmodelle am Kapitalmarkt oftmals die langfristig besseren Karten haben.

Schwellenländeranleihen: Interessantes Risiko- und Renditeprofil

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Auch wenn die wirtschaftlichen Daten aus den Schwellenländern noch schwach sind und politische Risiken weiter bestehen, sind wir trotzdem der Meinung, dass es sich lohnt, einen Blick auf die Anleihen aus den Schwellenländern zu werfen. Dies liegt vor allem daran, dass die Rohstoffpreise einen Boden gefunden zu haben scheinen, was sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung vieler Schwellenländer auswirken sollte.

Zudem bleibt das Zinsniveau aufgrund der weiterhin sehr expansiven Geldpolitik der EZB und der nur sehr vorsichtig restriktiver werdenden Geldpolitik der US-Notenbank noch für einen längeren Zeitraum sehr niedrig.

Dadurch werden Anleger weiter in Assetklassen "getrieben", die ein interessantes Risiko- und Renditeprofil aufweisen. Und dies ist bei den Staatsanleihen aus den Schwellenländern auf jeden Fall gegeben. Aktuell beträgt der Renditeaufschlag gegenüber US-Treasuries über 400 Basispunkte und liegt damit historisch gesehen auf einem sehr attraktiven Niveau. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Staatsanleihen aus den Schwellenländern seit Mitte Februar eine Performance von über 6% aufweisen.

Repsol: Anleihen auf der Überholspur

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Die Anleihen des integrierten Erdölkonzerns Repsol  aus Spanien haben seit Mitte Januar diesen Jahres eine beeindruckende Kursrallye hingelegt. Dies liegt zum einen an der Erholung des Ölpreises, aber auch in dem von der EZB angekündigten Corporate Securities Purchase Programm (CSPP). Die erstrangigen Anleihen des Unternehmens mit Sitz in Spanien sollten in jedem Fall in das Raster des Kaufprogramms fallen. Und alleine von der Ankündigung des Programms konnte die Anleihen sehr deutlich profitieren.

Da im CSPP allerdings nur Anleihen mit einem Rating im Investmentgradebereich erworben werden, war es für Repsol von großer Wichtigkeit, dass die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's ihre Ratingüberprüfungen mit negativer Tendenz (negativ watch) am 21.3. beendet haben und dem Unternehmen weiterhin ein Rating im Investmentgradebereich attestieren. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Outperformance der Repsol-Anleihen und auch anderer Anleihen aus dem Energie-Sektor, die unter das CSPP fallen, weiter anhalten sollte.

Brexit: Das Risiko steigt

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Als Großbritannien Anfang der 70er Jahre der Europäischen Gemeinschaft beitrat, geschah das nicht in erster Linie aufgrund einer tiefen europapolitischen Überzeugung, sondern aufgrund pragmatischer Erwägungen. Es ging schlicht darum, Zugang zu einem großen Binnenmarkt zu erhalten. Für die Briten war und ist Europa in erster Linie eine Freihandelszone, während alle anderen damit einhergehenden Aspekte eher als Last und Nachteil empfunden werden, die die britische Souveränität ohne Not einschränken.

Zwar hat der englische Premierminister Cameron in den Verhandlungen mit der EU einige Teilergebnisse erzielt, die er den Briten als Erfolg verkaufen konnte, doch für einen Umschwung in der Stimmung der britischen Bevölkerung hat dies offensichtlich nicht gereicht. Die jüngsten Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin, wobei rund 15% der Befragten noch unentschlossen sind. Es ist nicht auszuschließen, dass ein (großer) Teil dieses Lagers aufgrund der jüngsten Anschläge in Brüssel allein aus sicherheitspolitischen Bedenken für einen Austritt stimmen könnte. Von daher dürfte das Britische Pfund  in absehbarer Zeit zur Schwäche neigen.