Mittwoch, 27. Mai 2020

Fass Rohöl kostet wieder mehr als 30 Dollar Trump-Tweet lässt Ölpreis in die Höhe schießen

Raffinerie von Phillips 66 in Linden, US-Staat New Jersey
Mike Segar / Reuters
Raffinerie von Phillips 66 in Linden, US-Staat New Jersey

Äußerungen von US-Präsident Donald Trump im Ölstreit zwischen Saudi-Arabien und Russland haben den Ölpreis am Donnerstag wieder in die Höhe schießen lassen. Die Preise für die Rohölsorten Brent und WTI zogen zwischenzeitlich um fast die Hälfte an.

Ein Fass (159 Liter) der europäischen Leitsorte Brent, das zum Börsenschluss am Mittwoch noch zu weniger als 25 Dollar und bis zum späten Nachmittag für 26 Dollar zu haben war, kostete plötzlich in der Spitze 36,29 Dollar. Anschließend fuhr der Kurs Zickzack und pendelte sich bei 30 Dollar ein. Damit steuerte er, ebenso wie der Preis für das US-Öl WTI, auf den größten Tagesgewinn seiner Geschichte zu.

Auch die Aktienkurse, angeführt von Ölkonzernen, zogen zeitgleich an. Europäische Ölkonzerne wie BP, Total oder Shell verzeichneten Kursgewinne von bis zu 9 Prozent. Der Branchen-Index verbuchte mit einem Plus von etwa 5,5 Prozent einen der größten Tagesgewinne seiner Geschichte.

An der Wall Street schossen die Papiere von US-Schieferölförderern wie Marathon, Occidental oder Apache sogar bis zu 30 Prozent hoch. Diese Firmen leiden besonders stark unter dem niedrigen Ölpreis, weil sie Experten zufolge wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens erst ab einem Preis von etwa 50 Dollar profitabel arbeiten. Mit Whiting musste ein erster großer Schieferölförderer bereits Gläubigerschutz beantragen.

Zum Preisanstieg trug auch Chinas Plan bei, die staatlichen Ölreserven in der Krise mit günstigem Öl aufzufüllen. Der plötzliche Anstieg jedoch folgte unmittelbar auf einen Tweet Donald Trumps. Er habe gerade mit seinem Freund Mohammed bin Salman, dem Kronprinz Saudi-Arabiens telefoniert, der wiederum mit Russlands Präsident Wladimir Putin gesprochen habe, erklärte der US-Präsident. Er "erwarte und hoffe", dass die beiden Ölnationen ihre Produktion um zehn Millionen Fass "und vielleicht erheblich mehr" kürzen werden.

Bereits am Mittwoch hatte Trump während einer Pressekonferenz in Washington gesagt, er erwarte eine Einigung der rivalisierenden und weltweit größten Ölfördernationen Saudi-Arabien und Russland in ihrem derzeitigen Preiskrieg. Die Streitigkeiten und das daraufhin ausgeweitete Angebot angesichts einer geringen Nachfrage wegen der Corona-Pandemie haben den Ölpreis zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren fallen lassen.

Bis zu 15 Millionen Fass könnten nun wieder vom Markt genommen werden, präzisierte Trump in einem zweiten Tweet. Sollte es sich um Fass pro Tag handeln, dann würde die Fördermenge beider Länder um rund 45 Prozent sinken.

Die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur bestätigte das Telefonat zwischen Trump und bin Salman und meldete, das Königreich habe eine Dringlichkeitssitzung der "Opec+". Insidern zufolge gibt es hierfür aber noch keinen Termin. Zu dem Verbund gehören die Mitgliedsländer des Ölkartells Opec und weitere große Produzenten wie Russland. Ein Sprecher von Präsident Putin bestritt jedoch, dass es zu einem Gespräch zwischen dem Kronprinzen und Putin gekommen sei.

Trump äußerte sich alarmiert über die Auswirkungen der Öl-Krise auf US-Unternehmen, die den Rohstoff per Fracking gewinnen. "Wir wollen unsere großartigen Öl-Unternehmen nicht verlieren", sagte der Präsident. Er kündigte vor diesem Hintergrund ein Treffen mit Vertretern der US-Ölindustrie am Freitag an.

Der US-Branchenverband American Petroleum Institut (API) erklärte, er habe das Treffen bei Trump organisiert. Aus Verbandskreisen verlautete, teilnehmen würden etwa die Chefs von ExxonMobil und Chevron und die Chefin von Occidental Petroleum, Manager von Devon Energy, Phillips 66 und Energy Transfer Partners.

Erdgas und Öl seien "entscheidend" beim Aufschwung der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie, erklärte ein API-Vertreter. Er wies aber Berichte von US-Medien zurück, die Branche werde staatliche Hilfen fordern. "Wir wollen keine Subventionen der Regierung oder eine spezielle Einmischung angesichts des derzeitigen Absturzes am Markt."

Der niedrige Ölpreis macht den US-Unternehmen stark zu schaffen, weil die Gewinnung von Öl per Fracking vergleichsweise teuer ist. Am Montag war der Preis für ein Fass Öl der US-Sorte WTI zeitweise unter 20 Dollar gefallen. Am Mittwoch stellte das Unternehmen Whiting Petroleum Corporation Insolvenzantrag, das in den Bundesstaaten North Dakota und Colorado per Fracking Öl gewinnt.

Eine Förderkürzung werde das aktuelle Überangebot aber nicht beseitigen, warnte Robert Kaplan, Chef der Federal Reserve Bank von Dallas. Es werde noch lange dauern bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht stünden, sagte er dem Sender CNBC.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Abend, dass die US-Regierung einem Insider zufolge die einheimischen Öl-Produzenten nicht auffordern werde, sich an geplanten Förderkürzungen in Russland und Saudi-Arabien zu beteiligen. Die USA könnten eine Kürzung der inländischen Förderung nicht vorschreiben, sagte der hochrangige Regierungsvertreter Reuters. Zudem hätten die amerikanischen Firmen als Reaktion auf die Entwicklungen am Markt bereits Kürzungen vorgenommen. Einzelheiten zu den Maßnahmen in Russland und Saudi-Arabien seien nicht bekannt, sagte die Person weiter. Es werde jedoch ein großer Rückgang erwartet.

ak/akn/AFP/Reuters

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