Opec und Russland starten Preiskrieg Ölpreis bricht um 30 Prozent ein

Ölförderung in Saudi-Arabien

Ölförderung in Saudi-Arabien

Foto: Ahmed Jadallah/ REUTERS

Am Ölmarkt sind die Preise zum Wochenauftakt abgestürzt. Am Montag fielen die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und für US-Öl um jeweils etwa 30 Prozent - der stärkste prozentuale Einbruch seit fast 30 Jahren. Die Ölpreise sind somit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016 zurückgefallen.

Als Ursache für den Ölpreis-Crash gelten die gescheiterten Verhandlungen des Ölkartells Opec mit den in der sogenannten Opec+ zusammengefassten Förderländern wie Russland. Angesichts der Nachfrageschwäche infolge der Coronavirus-Krise versuchten die Energieminister Ende vergangener Woche in Wien vergeblich, sich auf eine deutliche Senkung der Ölproduktion zu einigen. Stattdessen droht nun ein Preiskrieg.

Die Opec hatte, auch als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen des neuen Coronavirus, am Donnerstag eine Verschärfung des derzeit geltenden Förderlimits um 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag gefordert. Doch der Versuch, mit dem Vorstoß Druck auf Russland und die weiteren Partner auszuüben, scheiterte. Da es auch nicht gelang, die derzeit geltende Förderbeschränkung zu verlängern, müssen sich die 14 Opec-Mitglieder und die 10 Kooperationspartner ab dem 1. April nicht mehr an irgendwelche Limits halten.

Das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien, das sich zuvor immer wieder bereit erklärt hatte, für den Großteil der Kürzungen aufzukommen oder gar einseitig die Produktion zu senken, will nun sogar noch mehr Öl mit deutlichen Rabatten auf den Markt werfen.

Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), sprach am Montag von "russischem Roulette am Ölmarkt", das "schwere Konsequenzen" haben könne, wenn Anbieter aus dem Markt scheiden. Die IEA senkte ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr um fast eine Million Fass auf 99,9 Millionen Fass pro Tag.

In der Spitze sank der Preis für Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  um knapp ein Drittel auf 31,02 Dollar, der für die US-Sorte WTI auf 27,34 Dollar. Marktbeobachter sprachen vom stärksten prozentualen Einbruch am Ölmarkt seit dem Golfkrieg 1991, im Fall von WTI drohte gar das größte Minus der fast 40-jährigen Geschichte. Bis Montagmittag erholten sich die Preise auf 35,25 Dollar (Brent) beziehungsweise 32,03 Dollar (WTI). Zu Jahresbeginn lag der Brent-Preis pro Barrel noch bei mehr als 65 Dollar.

Schon am Freitag waren die Ölpreise kräftig gesunken. Auch die Aktien des staatlichen saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco verloren am Sonntag massiv an Wert. An der Börse in Riad büßten die Papiere 9,1 Prozent ein und schlossen bei 30 Riyal, am Montag ging es um weitere 10 Prozent abwärts. Damit notieren die Aktien nun unter dem Ausgabepreis von 32 Riyal beim Börsengang Mitte Dezember. Europäische Ölaktien wie BP und Shell , die am Wochenende nicht gehandelt wurden, rauschten am Montag um 20 Prozent abwärts.

ak/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.