Trotz neuem Dax-Rekord Nur noch ein deutscher unter den 100 wertvollsten Konzernen der Welt

Nur SAP schafft es am Ende des Jahres 2020 noch unter die Riesen mit der weltweit höchsten Börsenkapitalisierung. Siemens dagegen rutscht aus der Liste raus. Und an der Spitze gibt es auch einen Wechsel.
Top 71: SAP-Chef Christian Klein schafft es trotz Wertverlusts 2020 in die Spitzenliste

Top 71: SAP-Chef Christian Klein schafft es trotz Wertverlusts 2020 in die Spitzenliste

Foto: Malte Ossowski/SVEN SIMON / imago images/Sven Simon

Unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt befindet sich nur noch ein deutscher Konzern. Zwar sind die deutschen Großkonzerne insgesamt so viel wert wie nie zuvor – der Dax beschließt das Jahr auf einem Rekordniveau. Im internationalen Vergleich geraten die deutschen Unternehmen – gemessen an der Marktkapitalisierung – allerdings zunehmend ins Hintertreffen. Als einziger schafft es der Softwarekonzern SAP  in die "Top 100" der weltweit an den Börsen notierten Unternehmen.

Laut Berechnungen der Unternehmensberatung EY und der Nachrichtenagentur Reuters kommt SAP am Ende des Jahres 2020 mit einem Börsenwert von umgerechnet 160 Milliarden Dollar auf Rang 71. Der Walldorfer Konzern rutschte aber 21 Plätze ab – infolge der angekündigten Neuausrichtung von Konzernchef Christian Klein (40) verlor SAP im Oktober binnen eines Tages 30 Milliarden Euro seines Börsenwerts und konnte das bis zum Jahresende nicht mehr aufholen. Siemens , vor einem Jahr noch auf Rang 100, ist trotz eines Kursplus von zehn Prozent mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 122 Milliarden Dollar aus der Rangliste der 100 teuersten Unternehmen der Welt herausgefallen.

Das zweitwertvollste Dax-Unternehmen, der Gasekonzern Linde , hält mit umgerechnet 136 Milliarden Dollar noch Platz 86 in der Liste, hat seinen Firmensitz aber in Irland und wird aus den USA gesteuert. T-Mobile US  rangiert auf Platz 61 und wird mit 165 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch bewertet wie der Mutterkonzern, die Deutsche Telekom.

Auch an der Spitze der jährlichen Rangliste gibt es einen Wechsel. Nach dem Höhenflug des abgelaufenen Jahres ist Apple rund 2,3 Billionen Dollar an der Börse wert – und damit Ende 2020 das wertvollste Unternehmen der Welt. Der US-Konzern, dessen Aktie seit Jahresbeginn 78 Prozent zulegte, hat den Ölkonzern Saudi Aramco abgelöst.

Sieben der teuersten zehn Unternehmen der Welt kommen aus den USA, zwei aus China. Senkrechtstarter des Jahres ist der US-Elektroauto-Bauer Tesla , dessen Wert sich angeführt von den Hoch-Risiko-Methoden des Vorstandschefs Elon Musk  auf 631 Milliarden Dollar verachtfachte. Zum Vergleich: Toyota, der schwerste der traditionellen Autokonzerne, kommt mit 215 Milliarden Dollar auf gut ein Drittel davon, Volkswagen mit umgerechnet rund 100 Milliarden auf ein Sechstel.

Das wertvollste Unternehmen Europas kommt weiterhin aus der Schweiz: Der Nahrungsmittelriese Nestlé unter Vorstandschef Mark Schneider  findet sich mit einem Börsenwert von 339 Milliarden Dollar aber erst auf Platz 21 – was die Dominanz der US-Konzerne und den Aufschwung der Asiaten zeigt. Allein 59 (2019: 56) der "Top 100" kommen aus den USA, 15 (13) aus China und Hongkong. Auch Roche (25.) und Novartis (39.) rangieren noch weit vor dem deutschen Spitzenreiter SAP.

Sieben der zehn höchstbewerteten Unternehmen weltweit kommen aus dem Technologiesektor, vier von ihnen erreichen einen Billionen-Marktwert. Neben Apple sind das Microsoft (1,7 Billionen Dollar), Amazon (1,67 Billionen) und die Google-Mutter Alphabet (1,19 Billionen).

Die Konzentration an den Weltbörsen hat sich in diesem Jahr noch beschleunigt: Die "Top 10" werden zusammen mit 30,6 Billionen Dollar bewertet, das sind 24 Prozent mehr als Ende 2019. Bemerkenswert auch: Das teuerste Unternehmen aus der Finanzbranche ist keine traditionelle Bank mehr, sondern der Kreditkartenanbieter Visa, der locker an JPMorgan vorbeizog und mit 501 Milliarden Dollar jetzt gut 100 Milliarden mehr wert ist als die US-Investmentbank. Von den Börsenneulingen des Jahres findet sich mit dem Zimmervermittler AirBnB der erste auf Platz 149.

Unter die "Top 300" haben es zum Jahresende immerhin noch 13 deutsche Unternehmen geschafft. Die größten Sprünge machten darunter der Pharmakonzern Merck (von Platz 252 auf 193), dessen Aktie 42 Prozent zulegte, und die Deutsche Post (von 283 auf 245), die vom Versand-Boom in der Corona-Krise mit einem Kurssprung um 32 Prozent profitierte. Die Bayer-Aktie verlor 27 Prozent, der Chemiekonzern stürzte damit binnen eines Jahres von Rang 145 auf 265 ab.

lhy/Reuters
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