Milliarden-Plus trotz Corona-Pandemie Größter Staatsfonds der Welt macht Norweger immer reicher

Norwegens Staatsfonds hat seit dem Corona-Einbruch im ersten Quartal eine bemerkenswerte Aufholjagd vollzogen. Norwegens Bürger freuen sich über einen Milliardenzuwachs - trotz Pandemie.
Norwegens neuer Schatzhüter: Nicolai Tangen hat das Vermögen der Norweger im dritten Quartal um 44 Milliarden Dollar gemehrt. Mit 1161 Milliarden Dollar ist der Staatsfonds bereits wieder schwerer als vor Beginn der Corona-Pandemie

Norwegens neuer Schatzhüter: Nicolai Tangen hat das Vermögen der Norweger im dritten Quartal um 44 Milliarden Dollar gemehrt. Mit 1161 Milliarden Dollar ist der Staatsfonds bereits wieder schwerer als vor Beginn der Corona-Pandemie

Foto: Gwladys Fouche / REUTERS

Der Boom der US-Techwerte kommt dem norwegischen Staatsfonds in der Corona-Pandemie zugute. Im dritten Quartal stieg sein Wert um 412 Milliarden Kronen (rund 44 Milliarden Dollar). Insgesamt seien die Finanzmärkte zwar im Sommer noch von der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Pandemie geprägt gewesen, sagte der neue Fondschef Nicolai Tangen (54) am Donnerstag. "Dennoch haben die Aktienmärkte eine gute Rendite gebracht, vor allem dank der starken Entwicklung im US-Technologiesektor." Der ehemalige Hedgefondsmanager, Milliardär und Kunstsammler Tangen hatte vor wenigen Monaten auf Millionen Dollar verzichtet und seinen Job aufgegeben, um den Posten als Norwegens oberster Geldverwalter antreten zu dürfen. "Ich will Chef des Ölfonds sein, und ich habe nur ein Ziel: Wohlstand für kommende Generationen zu erschaffen", hatte Tangen vor seinem Amtsantritt am 1. September 2020 erklärt.

Insgesamt kommt der 1996 gegründete Fonds aktuell auf ein Volumen von 1161 Milliarden Dollar und ist damit weltweit der größte seiner Art. Auf jede Bürgerin und jeden Bürger Norwegens entfallen damit rechnerisch etwa 217.000 Dollar. Der Fonds hält Anteile an etwa 9200 Unternehmen weltweit und kommt auf 1,5 Prozent aller börsennotierter Aktien.

Auf jeden norwegischen Bürger entfallen rund 217.000 Dollar

Allein im dritten Quartal kam der größte Staatsfonds der Welt auf eine Rendite von 4,3 Prozent, was vor allem auf das Konto der Aktienbestände zurückgeht. Vor allem in den USA hat sich der Aktienmarkt im Sommerquartal stark entwickelt: Der Index der Technologiebörse Nasdaq schaffte ein Plus von zehn Prozent, der S&P 500 und der Dow-Jones legten immerhin noch etwa acht Prozent zu.

Dabei hatte Tangens operativer Vorgänger, Trond Grande (53), noch Mitte Juli vor weiteren Turbulenzen an den Finanzmärkten gewarnt. Im ersten Quartal 2020 hatte Norwegens Staatsfonds mit einem Wertverlust von 153 Milliarden Dollar noch sein bisher schlechtestes Quartal seit Bestehen verzeichnet. In der Zeit von April bis Ende Juni schafften Norwegens Geldverwalter aber das genaue Gegenteil: Mit einem Überschuss von 131 Milliarden Dollar legte der Fonds das bisher beste Quartal seiner Geschichte hin. Im dritten Quartal kamen nun noch einmal rund 44 Milliarden Dollar hinzu: Der Corona-Einbruch aus dem Frühjahr ist damit mehr als ausgeglichen - und Norwegens Bürger wohlhabender als Ende 2019, vor Beginn der Pandemie.

Aufgrund der Größe und der in der Vergangenheit guten Performance des norwegischen Staatsfonds schauen Anleger weltweit oft genau, wie sich die staatlichen Fondsmanager in Norwegen schlagen. Das Gesamtportfolio wies in der ersten Jahreshälfte eine negative Rendite von 3,4 Prozent auf, mit Rückgängen von 6,8 Prozent bei Aktien und 1,6 Prozent bei nicht börsennotierten Immobilien, während der Wert der festverzinslichen Anlagen infolge des Zinssturzes um 5,1 Prozent stieg. Am schwächsten schnitten im ersten Halbjahr die Ölfirmen ab, deren Aktien aufgrund des Rückgangs der Rohölpreise um 33,1 Prozent sanken, während die Technologiefirmen mit einem Plus von 14,2 Prozent die stärkste Entwicklung verzeichneten. Auf Unternehmensebene trugen die Technologiefirmen Amazon, Microsoft und Apple am meisten zur Performance bei, während der Ölkonzern Shell und die Banken HSBC und JP Morgan Chase am schlechtesten abschnitten.

la/Reuters