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Studie: Was Anleger lockt

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Börse Das Märchen vom tumben Privatanleger

Der Privatanleger - ein Börsen-Laie, der entweder zu spät kauft, zu früh verkauft oder sein Geld auf Sparkonten versauern lässt? Eine Untersuchung zeigt: Das Anlageverhalten von Privatanlegern ist besser, als viele glauben.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Professionelle Fondsmanager und Investoren haben in der Regel ein ganzes Team zur Verfügung, um sich ihrem Tagesgeschäft aus Aktien-, Anleihen- oder Derivatehandel zu widmen. Privatanleger, die sich selbst um das Management ihrer Wertpapiere kümmern, wenden dafür deutlich weniger Zeit auf. Geldanlage findet nur nebenher statt. Trotzdem schlagen sie sich gar nicht so schlecht - mit einer wichtigen Ausnahme.

Wer Privatanleger befragt, was sie derzeit am meisten sorgt, wird als Antwort "Inflation" erhalten. Eine entsprechende Studie hat die Fondsgesellschaft M&G jüngst veröffentlicht. 2,3 Prozent Inflation sind es, die über die kommenden zwölf Monate erwartet werden. Auf Sicht von fünf Jahren sind es 3,3 Prozent. Mag es bei Ottonormalanleger auch nur eine böse Ahnung gegenüber der ausufernden Politik von Fed und Europäischer Zentralbank (EZB) sein - der Befund deckt sich mit dem vieler Finanzexperten, auch wenn diese auf fein ziselierte Abhandlungen beispielsweise über die verschiedenen Geldmengen M1, M2 und M3 zurückgreifen.

Die Schlussfolgerung ist bei beiden Gruppen gleichfalls identisch: Sachwerte müssen her. Gold zum Beispiel. Tatsächlich vermeldet Börse Stuttgart Securities nicht ohne Stolz, dass für ihr Anlagevehikel Euwax Gold jeden einzelnen Tag des Jahres 2013 mehr Kauforder als Verkaufsorder eingegangen seien. Und eine Befragung von Privatanlegern durch Sparda-Bank Hamburg und Steinbeis-Hochschule Berlin kommen zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Befragte Gold als Sachwert kaufen würden, 23 Prozent sind es bei Immobilien.

Gold und Immobilien - das sind grundsätzlich keine schlechte Ideen für Privatanleger, wenn die Inflation anzieht. Auch Profis setzen aufs gleiche Pferd. "Heute macht Gold mehr Sinn denn je", sagte zum Beispiel Vermögensverwalter Bert Flossbach im Juli. Und auch, das Pulver trocken zu halten - also auch mal höhere Mengen Bargeld zu halten - muss nicht schlecht sein.

So halten es viele Privatanleger. Der Anteil schlecht verzinster Bankeinlagen, so berichtet es der Allianz Wealth Report, sei zwischen 2008 und 2012 deutlich gestiegen. In der Euro-Zone strömte in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte (53 Prozent) des "frischen" Spargeldes den Banken zu, in den USA waren es zwei Drittel (67 Prozent).

Auch Unternehmen mit all ihrer Expertise und Personal machen es so. Vor allem mittelständische Unternehmen "bauen wieder massiv Liquidität auf, haben hohe Reserven und hohen Anlagebedarf", urteilt Professor Volker Wittberg von der Fachhochschule des Mittelstandes in Detmold.

Die Risiken der Cash-, Häuser- und Goldstrategie

Der einzige Fehler

Das einzige Problem mit so einer Strategie: In Zeiten niedriger Leitzinsen wirft Cash nichts ab. Die selbstgenutzte Immobilie bietet zwar ein gewisses Maß an Sicherheit und wird laut Sparda-Studie auch sehr geschätzt. Doch Zinsen zahlt sie nicht, auch keine Dividenden. Und dass Immobilien nicht immer liquide sind, ist seit dem taumelnden Ende der offenen Immobilienfonds klar.

Auch Gold  zahlt keine Zinsen, keine Miete oder keine Dividende. Finanzprofis würden es mangelnden Cashflow nennen. Freilich, als Finanzprofi ist es oftmals nicht das eigene Geld, das man anlegt. Die Forderung nach Aktien mit all ihren Risiken ist also leicht erhoben. Und so mancher Profi ist mit einem forschen Griff beispielsweise nach taiwanesischen Chipherstellern krachend gescheitert.

Dabei müssen es keine Hochrisikoaktien sein. Eine schonende Lösung für beide Anlegergruppen sind zum Beispiel dividendenstarke Aktien. Sie schütten stetig aus und ihr Wertzuwachs ist robuster als der von kleinen Unternehmen - und in aller Regel höher als bei festverzinslichen Wertpapieren. Denn dividendenstark sind oftmals jene Unternehmen, die es schon lange gibt, die großen und bekannten Namen wie Nestlé  oder Munich Re . Und vor allem stabil, sie schwanken weniger als Aktien, die nur in kleinen Volumina gehandelt werden.

Stabilität der Dickschiffe

Deren steigende Aktienkurse sprechen eine deutliche Sprache - das Interesse an diesen Papieren ist da. Das gleiche gilt für entsprechend ausgerichtete Fonds. Das zumindest stellt Cerulli Associates fest, ein Analysehaus, das die Geldströme zwischen verschiedenen Fondsgattungen und Fonds untersucht. So flossen dem M&G Global Dividends und dem DWS Top Dividende zwischen Januar und November 2012 über drei Milliarden Euro frisches Geld zu. Damit gehörten sie zu den beliebtesten Aktienfonds. Und auch dort dürfte einiges von Privatanlegern stammen.

Je höher das Einkommen und das Vermögen, umso offener sind sie gegenüber Aktien, belegt die Sparda-Studie. Von jenen, die im Monat über 5000 Euro verdienen, würden 12 Prozent "sicher" Aktien kaufe, 24 Prozent "eher schon". Bei jenen mit einem Einkommen von unter 1000 Euro liegen beide Werte zusammen bei nur 8,4 Prozent. Mit anderen Worten - wer es sich leisten kann, denkt zumindest über Aktien nach. Gut. Und wem das Geld völlig fehlt, lässt die Finger davon.

Nicht schlecht zum Beispiel mit Blick auf den spektakulären Crash des Hedgefonds LTCM - der Hedgefonds hatte sich mit fremden Geld massiv verspekuliert. Trotz der Nobelpreisträger Myron S. Scholes and Robert C. Merton an Bord. Übrig bleiben jene Anleger, die sich Aktien leisten könnten,- und sollten. Es dürfte die Mehrheit der Bevölkerung sein. "Sowohl für den Vermögensaufbau der Bürger als auch volkswirtschaftlich wäre es wünschenswert", sagt Studieninitiator und Sparda-Hamburg-Vorstand Heinz Wings, "wenn sich die Aktienkultur in Deutschland wandelt."

Ein Anfang wäre es, wenn aus die Menschen über die Frage nachdenken, wer längerfristig solide wirtschaftet - Inditex oder Italien, General Electric  oder Griechenland. Und entsprechend investieren.

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