Freitag, 21. Juni 2019

Nordex und Co. Windkraft-Aktien brechen massiv ein

Windkraftturbine: Nordex macht nur noch 10 Prozent seines Geschäfts in Deutschland
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Windkraftturbine: Nordex macht nur noch 10 Prozent seines Geschäfts in Deutschland

Minus 21 Prozent für Nordex: Die Aktien des Windkraftunternehmens sind massiv eingebrochen. Grund sind geplante Änderungen von Union und SPD an der Ökostrom-Förderung.

Frankfurt/Main - Die sich abzeichnende Korrektur der Energiewende hat die Aktien von Windkraftunternehmen unter Druck gesetzt. Das Papier des Windkraftanlagenbauers Nordex Börsen-Chart zeigen brach am Montag zeitweise um mehr als 21 Prozent auf 10,70 Euro ein. Anteile der PNE Wind AG rutschten zeitweise um mehr als 10 Prozent ab. Das Unternehmen plant und realisiert Windpark-Projekte.

Mit deutlichen Korrekturen bei der Energiewende wollen Union und SPD den Anstieg der Strompreise bremsen. Beim Zustandekommen einer großen Koalition sollen die Förderung besonders für Windräder gekappt, teure Industrierabatte überprüft und die Ausbauziele für Windparks im Meer massiv eingedampft werden. Das stört Börsianern zufolge vor allem die zuletzt so positive Stimmung für Nordex.

Die Schweizer Großbank UBS stuft die in den Koalitionsgesprächen geplanten Veränderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in einer Branchenstudie zwar als "moderat" ein. Der Ausbau bei der alternativen Energiegewinnung dürfte sich aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren verlangsamen

Nordex sieht die geplanten Einschnitte bei der Ökostrom-Förderung gelassen. Für das Unternehmen seien die Pläne wenig bedrohlich, da die Firma nur noch 10 Prozent ihres Geschäftes in Deutschland mache, sagte ein Nordex-Sprecher. Die bestehenden Unsicherheiten über die Fördermodalitäten seien ein Risiko für die Branche, da Banken sich in dieser Situation mit Finanzierungszusagen zurückhielten, so der Sprecher weiter. "Das macht derzeit den Markt kaputt."

Eon- und RWE-Aktien profitieren

Die Überförderung von Anlagen im windreichen Norden Deutschlands habe die Branche bereits eingeräumt. Eine "regionale, maßvolle Umverteilung" sei sinnvoll und verkraftbar. Fast alle neuen Projekte rechneten sich, auch wenn ein gewisser Preisdruck eintreten könnte, erklärte der Nordex-Sprecher weiter.

Bei den reduzierten Planungen von Windparks in Nord- und Ostsee folge die Politik zudem den Gegebenheiten. "Das alte Ziel von 10.000 Megawatt bis 2020 war nicht mehr realisierbar." Auf hoher See sollen den Plänen von Union und SPD zufolge bis 2020 nur noch Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 6500 Megawatt gebaut werden. Das sei umsetzbar, sagte der Nordex-Sprecher.

Für die klassischen Versorger Eon Börsen-Chart zeigen und RWE Börsen-Chart zeigen zeigte sich UBS-Analyst Patrick Hummel weiter skeptisch. Auch unter der neuen Bundesregierung werde sich nichts an den trüben Gewinnperspektiven für das Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung ändern. Die Aktien lagen dennoch 0,3 und 0,2 Prozent im Plus und entwickelten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt.

"Offenbar versucht die große Koalition sich unter Gesichtswahrung ein bisschen von der Energiewende zu verabschieden", sagte Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Es wird klar kommuniziert, dass weiter auf Kohle und konventionelle Energie gesetzt wird", so Halver. "Die SPD hat eine starke Basis in Nordrhein-Westfalen, da geht es um Tausende Arbeitsplätze."

ts/dpa-afx/rtr

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