SEC stoppt Aktienhandel von dubioser Firma "Neuromama" Eine quietschbunte Website ist plötzlich mehr wert als Tesla

"Superaktie": Screenshot von Neuromama mit Albert Einstein als Werbefigur. Die in Nevada registrierte Firma ist an der Börse derzeit noch 35 Milliarden Dollar wert - und keiner weiß, warum eigentlich

"Superaktie": Screenshot von Neuromama mit Albert Einstein als Werbefigur. Die in Nevada registrierte Firma ist an der Börse derzeit noch 35 Milliarden Dollar wert - und keiner weiß, warum eigentlich

Steven Schwartzbard, ein Name mit dem Klang von Legenden. Der "Marketing-Stratege" der Firma Neuromama ist auch als Vladislav Zubkis bekannt, aber als Staatenloser kann sich der aus der Ukraine stammende Mann seine Identität wohl aussuchen. Was geboten erscheint, da der Name Zubkis mit einer Verurteilung zu fünf Jahren Haft 2007 und langjährigem Streit mit der US-Börsenaufsicht SEC verbunden ist.

Doch Zubkis alias Schwartzbard macht daraus gar kein Geheimnis. "Neue Unternehmen sind riskant. Was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen", klärt er seine Anleger auf der Neuromama-Seite auf. "Wenn das passiert, hoffen wir, dass Sie nicht in Panik verfallen, nicht wütend werden, und nicht die Fortsetzung einer Partnerschaft verweigern. Im Gegenteil hoffen wir, dass Sie die Ärmel hochkrempeln und der Firma helfen, ihre Probleme zu lösen."

Der Zeitpunkt dafür scheint jetzt gekommen. Denn die SEC hat Zubkis erneut ins Visier genommen und die Aktie von Neuromama seit Montag für zwei Wochen vom Handel ausgesetzt (PDF) . Solange kann sich die in Nevada registrierte Firma noch einer Marktkapitalisierung von 35,4 Milliarden Dollar rühmen, weil ihr Aktienkurs seit dem Frühjahr sprunghaft stieg - sie ist damit mehr wert als Tesla , wie "Bloomberg" anmerkt .

Der Vergleich trägt nicht weit. Beide Firmen umgeben sich mit großen Versprechen auf die Zukunft. Doch während Tesla bereits eine sechsstellige Zahl teurer Elektroautos verkauft hat und seine Zukunftsgeschäfte wie Hausbatterien und Solarzellen zumindest thematisch verwandt sind, kann Neuromama im Wesentlichen eine konfuse Website  im Stil der frühen 90er Jahre vorweisen.

Von der Suchmaschine mit "neuraler Technologie" bis zur Schwerionenfusion

Als Beleg für tatsächliche Aktivität dient eine Suchmaschine - "die weltbeste, mit neuraler Technologie; wenn Sie die einmal benutzen, brauchen Sie keine andere Seite mehr." Der Neuromama-Schriftzug mit bunten Buchstaben erinnert entfernt an Google . Man stehe aber nicht im Wettbewerb, denn "Anzeigen auf Neuromama haben wegen Neuromamas eigener Stärke im Internet viel mehr Kraft".

Ansonsten listet die Firma mit Hauptsitz an Zubkis' Wohnort Playas de Rosarito im mexikanischen Niederkalifornien noch allerlei andere hochtrabende Pläne auf. In der "Schwerionenfusion" will sie sich ebenso betätigen wie der Unterhaltungsindustrie ("Die Zukunft gehört Fantazmus"), der Herstellung von "Neurophones" und "Neuropads" oder einem Hotel- und Casino-Komplex, dem ersten von 39 am Golf von Kalifornien.

Das alles soll bis 2018 einen Umsatz von 1,18 Billiarden Dollar erzeugen. Der Finanzbericht enthält sogar bunte Grafiken mit exponentiell bis ins Jahr 2033 steigenden Gewinnen und Erlösen - und als einzige bereits getätigten Geschäfte Ausgaben von einer knappen Million Dollar über zwei Monate, gut die Hälfte davon für "Website- und Grafikdesign". Testiert ist das natürlich alles nicht.

Vertrauen solle man nicht ihm selbst, erklärt Zubkis, sondern den wertvollen Assets. Als da wäre vor allem der Landbesitz von 490.000 Hektar inmitten der (weitgehend von Wüste geprägten) Halbinsel Niederkalifornien, "die wir jetzt für Pennies kaufen".

"Wir geben es zu, wir träumen von Geld"

Als Vorstand firmieren Igor Weselovsky und Alexander Vikoulov, die beide aus dem sibirischen Novosibirsk stammen, sowie Vladimir Solovjovs aus Lettland. Alle drei tragen als Referenzen eine vergleichbar bunte Liste von Berufen und Geschäften.

Schwer vorstellbar, dass sich Anleger tatsächlich davon beeindrucken oder gar überzeugen lassen. Aber irgendwoher muss die Multi-Milliarden-Bewertung ja stammen. Ziemlich unverblümt - wenn auch nicht als direktes Bekenntnis zum Schneeballsystem - erklärt Zubkis die Substanz seines Unternehmens für irrelevant.

"Wir sind überzeugt, dass alle unsere Ideen großartig sind. Aber wenn wir Fehler machen, schwenkt das Management eben auf eine andere Idee um, und die Partner werden so oder so Geld verdienen." Denn nur darauf komme es an: "Wir geben es zu, wir träumen von Geld. Wir schämen uns dessen nicht."

Das laxe Unternehmensrecht in Bundesstaaten wie Nevada und der unregulierte Aktienhandel jenseits der großen Börsen machen das Geschäft mit leeren Versprechen möglich. Nur manchmal findet die SEC eben doch, dass der Schutz der Anleger ihr Eingreifen verlangt.


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