Neuemissionen Kursrally lockt mehr Firmen an die Börse

Angesichts der Rekordjagd an den Aktienmärkten wagen einer Studie zufolge weltweit wieder mehr Unternehmen den Schritt aufs Börsenparkett. Deutschland erwartet demnach das stärkste IPO-Jahr seit der Finanzkrise.
Schuhversender Zalando: Börsen-Kandidat mit Milliardenvolumen

Schuhversender Zalando: Börsen-Kandidat mit Milliardenvolumen

Frankfurt am Main - Im laufenden Jahr könnten Unternehmen und ihre Eigentümer mit Börsengängen in Deutschland nach Expertenschätzungen so viel Geld einnehmen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. 2014 werde voraussichtlich das beste Jahr für Aktienemissionen seit 2007, hieß es im "IPO-Barometer" der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young), das am Montag veröffentlicht wurde.

Damals waren bei Börsengängen in Deutschland 7,85 Milliarden Euro erlöst worden, 2013 waren es 2,35 Milliarden. In den ersten sechs Monaten 2014 belief sich das Emissionsvolumen bei sechs Neuzugängen an der Frankfurter Börse auf rund eine Milliarde Euro.

EY-Experte Martin Steinbach sprach von einem "sehr ermutigenden Signal". Die nächsten Kandidaten könnten noch größer sein. "Wir sind mit den IPO-Aktivitäten aus dem ersten Halbjahr auf gutem Weg, bis zum Jahresende die geschätzten 10 bis 15 Börsengänge zu erreichen." Steinbach berät Unternehmen beim Schritt an den Aktienmarkt.

Die ultra-lockere Geldpolitik der Zentralbanken hat zu Kursfeuerwerken und neuen Rekordständen an Börsen in aller Welt geführt. So übersprang der deutsche Leitindex Dax am 5. Juni erstmals die magische 10.000-Punkte-Marke.

Kommt der langerwartete Zalando-Börsengang?

Im ersten Halbjahr brachten jedoch nur drei Börsengänge dreistellige Millionenbeträge: der 3D-Drucker-Hersteller SLM Solutions, der Gasfedern-Spezialist Stabilus und der Dachpfannen-Hersteller Braas Monier. Die österreichische Buwog gab keine neuen Aktien aus, diese wurden nur an die Anteilseigner der vormaligen Muttergesellschaft Immofinanz verteilt.

In den Vorbereitungen für einen Börsengang im zweiten Halbjahr in Frankfurt befinden sich unter anderem der südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff, der Kabelanbieter Tele Columbus und der ostdeutsche Gewerbeimmobilien-Konzern TLG Immobilien. Auch der Autozulieferer Hella lotet das Interesse möglicher Aktienkäufer aus. Neben Hella und Steinhoff könnte vor allem der lang erwartete Börsengang des Online-Modehändlers Zalando ein Milliardenvolumen erreichen. Das Volumen der Internet-Unternehmern wird mit fast vier Milliarden Euro bewertet.

Im internationalen Vergleich ist der deutsche IPO-Markt aber erst ein zartes Pflänzchen. Weltweit gingen im ersten Halbjahr nach EY-Daten 563 (2013: 527) Unternehmen an die Börse, die damit 110,2 (71) Milliarden Dollar einsammelten. Das Volumen in Europa - angeführt von London - lag mit 38,6 Milliarden Dollar über dem in den USA (33,8 Milliarden). "Im zweiten Quartal haben sich die Tore für Neuemissionen an weiteren Börsenplätzen in Europa geöffnet. Damit steht der Zugang zum Kapitalmarkt auf einem breiteren Fundament, und das hatten wir lange nicht mehr", sagte Steinbach.

ts/rtr/dpa-afx
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