Dienstag, 19. November 2019

Irres Börsendebüt Prosus - das wertvollste Unternehmen der Niederlande

Die Börse in Amsterdam begrüßt mit Prosus, der Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers, das wertvollste Unternehmen in den Niederlanden

Die Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers hat am Mittwoch ein fulminantes Börsendebüt gefeiert. An der Börse in Amsterdam lag der Eröffnungskurs für die Aktien von Prosus bei 76,00 Euro und damit gut 29 Prozent über dem Referenzpreis für die Notiz der 1,62 Milliarden Papiere in Höhe von 58,70 Euro. Zuletzt notierten die Anteilsscheine bei rund 74 Euro.

Prosus ist nach Berechnungen der niederländischen Nachrichtenagentur ANP mit 122 Milliarden Euro nun mit einem Schlag zu dem wertvollsten in den Niederlanden notierten Unternehmen geworden. In der Gesellschaft sind die Beteiligungen von Naspers an Internetunternehmen wie die 31 Prozent am chinesischen Konzern Tencent oder die 23 Prozent an dem Essenslieferanten Delivery Hero gebündelt. Insgesamt halten die Südafrikaner Beteiligungen an mehr als 40 Start-ups, die in rund 130 Ländern der Welt aktiv sind.

Das südafrikanische Unternehmen besitzt nach der Abspaltung mit 73 Prozent weiter die Mehrheit an Prosus. Naspers will mit der Börsennotiz in Europa unter anderem bei internationalen Investoren bekannter werden.

Naspers-Chef Bob van Dijk sprach von einem guten Börsenstart von Prosus. Er hofft, dass der Wert der Internetbeteiligungen des Konzerns für die Anleger besser zum Tragen kommt. Denn diese werden trotz der Bewertung von fast 100 Milliarden Euro für das gesamte Unternehmen immer noch negativ bewertet - schließlich ist bereits der 31-prozentige Anteil an Tencent alleine umgerechnet fast 120 Milliarden Euro wert. Nach der Abspaltung von Prosus sackten die Aktien von Naspers an der Börse in Johannesburg um rund 8 Prozent ab.


Lesen Sie auch: Prosus - wer hinter Europas größtem Internet-Konzern steckt


Naspers, das seinen Umsatz von 2017 auf 2018 um rund 40 Prozent auf mehr als 20 Milliarden Dollar steigern konnte, blickt auf eine mehr als 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Die allerdings war nicht immer ganz unstrittig. So hat das Unternehmen in früheren Jahren das Apartheid-Regime in Südafrika massiv unterstützt.

Seinen Wert verdankt der heutige Medienkonzern nicht vornehmlich Verlagsaktivitäten, sondern einem Glücksgriff aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Damals, im Jahr 2001, kaufte sich der damalige Naspers-Chef und heutige Chairman Koos Bekker bei dem noch weitgehend unbekannten chinesischen Start-up Tencent ein. 32 Millionen Dollar investierten die Südafrikaner damals für rund ein Drittel des IT-Start-ups - nachdem sie bereits 170 Millionen Dollar mit Beteiligungen verbrannt hatten.

Koos Bekker: Mit seinem Tencent-Investment hat der frühere Naspers-Chef und heutige Chairman die Basis der heutigen Milliardenbewertung gelegt. Gleichwohl gilt Naspers selbst als unterbewertet

Heute ist Tencent eines der größten Tech-Unternehmen Chinas und betreibt mit WeChat einen der erfolgreichsten Sofortnachrichtendienste der Welt. Entsprechend ist der Wert des Investments in die Höhe geschossen.

Doch Größe kann auch zum Problem werden. Weil für viele institutionelle Investoren Beschränkungen gälten, wie viel sie in eine einzelne Aktie investieren dürfen, hätten sich in der Vergangenheit viele von Naspers-Papieren trennen müssen, argumentierte der Konzern noch im Frühjahr. Die scheinbar paradoxe und von Naspers-Chef Bob van Dijk Folge beklagte Konsequenz ist eben, dass die Naspers-Marktkapitalisierung niedriger liegt als bereits die Beteiligung an Tencent wert ist.

Mit dem jetzigen Börsengang versucht Naspers diese Diskrepanz aufzulösen.

rei mit dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung