Dienstag, 25. Juni 2019

IPO-Hype um Naga AG Der vollkommen reale Börsengang eines teilweise fiktiven Unternehmens

Frankfurter Börse: Was macht der so genannte "Börsenstar" Naga eigentlich genau?

2. Teil: Wie aus einer Ein-Aktien-Firma ein 20-Millionen-Asset wurde

Swipy: Wie aus der Ein-Aktien-Firma ein 20-Millionen-Euro-Asset wurde

Jedenfalls: Am 17. Februar dieses Jahres verkaufte die Naga AG die Zack Beteiligungs GmbH an ihre Tochter Swipestox. (wörtlich ist in der HV-Einladung die Rede davon, dass die Swipestox "in die Vertragsposition" eingetreten sei). Im Mai folgten dann eine Reihe von (zumindest geplanten) Kapitalerhöhungen - davon eine gegen Sacheinlage der Beteiligung an der Hanseatic Brokerhouse Securities Hamburg (nicht Zypern) in Höhe von 11,8 Millionen Euro. Ob diese Transaktion wirklich schon vollzogen wurde, ist nicht klar - darum wohl auch die hypothetischen "Pro-Forma-Finanzinformationen".

Eine weitere Kapitalerhöhung betraf schließlich den Einstieg des chinesischen Investors Fosun bei der Naga AG. Fosun ist in Deutschland durch die Übernahme der Privatbank Hauck & Aufhäuser im vergangenen Jahr bekannt.

Und was wurde aus der Swipy Technology GmbH (siehe oben: jenes Unternehmen, dass 2016 laut Bundesanzeiger gegen Gewährung einer einzigen Aktie an die Naga AG gefallen war). Das ist auf Seite 128 des Börsenprospekts zu lesen: "Die immateriellen Vermögenswerte haben sich von TEUR 633 zum 31. Dezember 2015 auf TEUR 20.726 zum 30. Juni 2016 erhöht. Hervorgerufen wurde diese Veränderung der immateriellen Vermögenswerte durch die im Wege der Sacheinlage erworbene Swipy Technologie GmbH." Mit anderen Worten: Aus der Ein-Aktien-Firma ist ein 20-Millionen-Euro-Asset geworden.

Was wiederum einer der Gründe dafür ist, dass die Naga AG, deren Eigenkapital Ende 2015 noch negativ war, heute auskömmlich kapitalisiert scheint.

Geht hier alles mit rechten Dingen zu?

Die Naga AG kann durchaus auf Referenzen verweisen. Eine ist der besagte chinesische Investor Fosun, der vermutlich nicht blindlings in ein deutsches Startups investiert. Ein weiterer Gewährsträger ist der Wirtschaftsprüfer Mazars, auf den im Wertpapierprospekt gleich mehrmals verwiesen wird - und der (so steht es auf Seite 15) auch besagte "Pro-Forma-Finanzinformationen" geprüft haben soll (wobei ganz hinten im Prospekt nur von einer "prüferischen Durchsicht" die Rede ist).

Und dann ist als mit Abstand wichtigste Referenz die Deutsche Börse AG zu nennen, die ausweislich des Prospekts sogar ein Joint Venture mit der Naga AG betreibt (es nennt sich Switex GmbH). Hinzu kommt: Das Hamburger Startup hat sich ausgerechnet im jüngst erst eröffneten Börsensegment Scale listen lassen. Dieses Segment wurde von den Deutsche Börsen explizit für Mittelständler und Wachstumsfirmen gegründet - und soll die Blamage des "Neuen Markts" zu Zeiten des New-Economy-Crashs vergessen machen. Sollte Scale auch nur in den Ruch kommen, eine Reinkarnation des "Neuen Markts" zu sein, wäre das für den Frankfurter Börsenbetreiber ein kolossaler Imageschaden.

Die Deutsche Börse sieht keinen Interessenkonflikt

Tatsächlich hat die Deutsche Börse - nach eigener Aussage - für Scale strikte Regeln aufgestellt, um Exzesse zu verhindern. Dazu gehört, dass das Research von der Börse selbst beauftragt und auch bezahlt wird. Und dazu gehört, dass es sich bei den Banken, die die IPOs begleiten, um seriöse Institute handeln soll. Doch wer ist das begleitende Institut bei der Naga AG? Laut der offiziellen Pressemitteilung ausgerechnet Hauck & Aufhäuser (zudem firmiert die Privatbank als Designated Sponsor im Xetra-Handel). Offenbar sieht die Börse keinen Interessenkonflikt darin, dass hinter Hauck & Aufhäuser jene Fosun steht, die nach der Kapitalerhöhung im Mai auch zu den Großaktionären der Naga steht.

Was die Naga AG macht - auch das wird im Prospekt sehr ausführlich beschrieben, allerdings ohne dass man es wirklich versteht. Das Kapitel "Wichtigstes Märkte und Marktfaktoren" beginnt wie folgt: "Die NAGA ordnet sich insgesamt als Fintech-Unternehmen ein. Bislang ist sie dabei in den speziellen Marktsegmenten ,Online Brokerage', ,Social Trading' und ,Robo Advisory' tätig, das Segment ,Gaming' ist ein Zielmarkt, in dem die Tätigkeit voraussichtlich noch im Juni am Markt aufgenommen wird. Dabei ist der relevante Markt für NAGA der Weltmarkt, da das Angebot grundsätzlich weltweit über das Internet erfolgt."

Viel ist im Wertpapierprospekt vom CFD-Handel die Rede - also von Hochrisikowetten an der Börse. Hier könnte Investoren zu denken geben, dass die Finanzaufsicht Bafin diese Geschäfte in Deutschland seit neuestem extrem stark reglementiert. Und was potenzielle Anleger ebenfalls wissen sollten: Das "Handelsblatt" berichtet heute Morgen von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit Yasin Sebastian Qureshis früheren Funktion als Geschäftsführer der Varengold Bank. "Ich kann nichts sagen, ich darf nichts sagen", meinte der 44-Jährige laut dem Bericht auf Anfrage und verwies auf seine Anwältin. Deren Statement: "Zu den Ermittlungen geben wir keinen Kommentar."

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