Samstag, 14. Dezember 2019

MDax stellt Dax in den Schatten Darum schlägt die zweite Börsenliga schon wieder die erste

MDax-Schild an der Frankfurter Börse: Die Mittelwerte performen besser als der Dax

Der Mittelwerteindex MDax, der in dieser Woche einen neuen Rekordwert erreichte, wird den Dax wohl 2019 wieder in den Schatten stellen. Dahinter steckt ein seit Langem bekanntes Muster - Anleger können das ausnutzen.

Zum Jahresende ziehen die Aktienkurse rund um den Globus noch einmal kräftig an. Vielerorts - beispielsweise an der Wall Street - erreichen wichtige Indizes in diesen Tagen neue Rekordstände. Auch hierzulande bewegt sich der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen nach Kursgewinnen in den vergangenen Wochen wieder nahe seines Allzeithochs - während der MDax Börsen-Chart zeigen dieses mit mehr als 27.600 Punkten bereits in dieser Woche erreichte.

Einmal mehr stellt der Index der mittelgroßen Aktien seinen großen Bruder in den Schatten. Wer sich die langfristige Performance anschaut, erkennt: Da steckt offenbar ein Muster dahinter. Sei es auf Sicht von zwölf Monaten, von fünf Jahren, von zehn Jahren oder gar von 20 Jahren - der MDax weist stets die bessere Performance auf als der Dax.

Wer beispielsweise im Frühjahr 2009, kurz nach der großen Wirtschaftskrise also, in den MDax investierte, kann sich bis heute über ein Plus von mehr als 400 Prozent freuen. Beim Dax waren es im gleichen Zeitraum gerade einmal 200 Prozent. Und wer bereits zu Beginn des Jahrtausends in den Midcap-Index investierte, kommt bis heute auf eine Performance von beinahe 600 Prozent. Da können die deutschen Blue-Chips mit gerade einmal 100 Prozent nicht mithalten.

11,3 Prozent, so eine Analyse der DZ Bank, beträgt die durchschnittliche jährliche Kursentwicklung des MDax seit seiner Auflegung. Beim Dax sind es 8,8 Prozent, beim Smallcap-Index SDax lediglich 8,1 Prozent und beim TecDax sogar nur 3,3 Prozent.

In der Finanzwelt ist es kein Geheimnis: Die Öffentlichkeit interessiert sich vor allem für den Leitindex Dax, in dem die 30 größten deutschen Konzerne notiert sind, die Big Player der hiesigen Wirtschaft also. Für Investoren ist jedoch der Mittelwerteindex MDax eigentlich die bessere Wahl, das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Heimliche Stars im MDax

Die Klassifizierung als Mittelklasseindex führt beim MDax ein wenig in die Irre. Tatsächlich befinden sich viele Unternehmen in dem Kursbarometer, die in ihrem Bereich Weltklasse und zum Teil auch Weltmarktführer sind. Ein Beispiel ist der Stuttgarter Maschinen und Anlagenbauer Dürr Börsen-Chart zeigen, der die Automobilindustrie beliefert, ein anderes der Anlagenbauer Krones Börsen-Chart zeigen mit Sitz in Neutraubling bei Regensburg, der vor allem Maschinen für die Herstellung und Verpackung von Getränken produziert.

Diese Unternehmen stehen den großen Dax-Werten in Sachen Profitabilität in der Regel in keiner Weise nach. Zugleich gelten sie aufgrund ihrer geringeren Größe als flexibler und damit besser in der Lage, auf gelegentlichen Gegenwind in der Konjunktur zu reagieren.

Träge Dickschiffe im Dax

Die im Dax notierten Konzerne dagegen zeichnen sich vor allem durch ihre schiere Größe aus, was jedoch kein Erfolgskriterium an sich ist. Aus Aktionärssicht gilt vielmehr eher das Gegenteil: Die Zeiten größeren Wachstums liegen bei diesen Konzernen oft lange zurück, und damit auch die Zeiten überdurchschnittlicher Kursgewinne.

Einige Dax-Mitglieder haben ihre besten Zeiten zudem vorläufig hinter sich. Ein Beispiel ist die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, ein anderes die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen. Die Aktienkurse dieser Unternehmen haben sich in der jüngeren Vergangenheit entsprechend wenig erfreulich entwickelt - auch das bremst den Gesamtindex aus.

Wachstumswerte im MDax

Im MDax dagegen befinden sich naturgemäß mehr Unternehmen, die sich noch in einer früheren Lebensphase befinden, und die deshalb oft höhere Wachstumsraten erzielen. Diese Unternehmen durchlaufen den Midcap-Index häufig nur vorübergehend - haben sie eine gewisse Größe erreicht, verabschieden sie sich in den Dax und machen Platz für dynamische Newcomer. Auch die DZ Bank weist in ihrer Analyse auf die laufende Durchmischung des MDax als Erfolgsfaktor hin.

"Der MDax hat einfach die moderneren und wachstumsstärkeren Unternehmen", bringt es Frank Wieser, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter PMP, auf den Punkt. "Trotz ausgewiesener Börsenflops wie Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, Hugo Boss Börsen-Chart zeigen und ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen hat sich der Index bemerkenswert entwickelt. Das liegt besonders an der strukturellen Zusammensetzung des MDax."

Als Belege nennt Wieser Technologieunternehmen wie Nemetschek Börsen-Chart zeigen oder Bechtle Börsen-Chart zeigen, die es in der Form im Dax nicht gebe. Ein Medizintechnikspezialist wie Carl Zeiss Meditec Börsen-Chart zeigen werde im Leitindex ebenfalls nicht gelistet. "Und Spezialitäten wie Delivery Hero Börsen-Chart zeigen, Scout24 Börsen-Chart zeigen oder Zalando Börsen-Chart zeigen fehlen ebenfalls im Dax", so Wieser.

Übernahmekandidaten im MDax

Oft werden Kurse an der Börse bewegt, weil Übernahmespekulationen aufkommen: Gilt ein Unternehmen als Teil eines möglichen M&A-Deals, so greifen häufig Investoren zu, die daran mitverdienen möchten. Die Folge sind Kursgewinne.

Auch dieser Faktor kommt im MDax naturgemäß stärker zum Tragen, weil die dort notierten kleineren Unternehmen häufiger ins Visier von Firmenkäufern geraten, als die Dickschiffe im Dax.

Nichts spricht dagegen, dass diese Vorteile den MDax auch künftig gegenüber dem Dax in Vorteil bringen können. "Wie schon in den vergangenen Jahrzehnten könnte der MDax gegenüber dem Dax auch auf Sicht der kommenden zwölf Monate die Nase vorn haben", sagt etwa Carsten Salzig, Vorstand der Vermögensverwaltung HWB Capital Management im luxemburgischen Munsbach.

"Die im Dax zu annähernd einem Drittel hoch gewichteten Branchen Finanzdienstleistungen und Automobile werden auch in den kommenden zwölf Monaten mit ihren individuellen Problemen zu kämpfen haben. Im MDax spielen diese Branchen eher eine untergeordnete Rolle."

Ähnlich sieht es Adrian Roestel, Leiter des Portfoliomanagements bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung. "Der MDax vereint den starken deutschen Mittelstand", sagt er. "Sollte sich die Weltkonjunktur erholen und der Handelskonflikt zwischen den USA und China beigelegt werden, werden diese Unternehmen besonders profitieren, und damit auch der MDax."

Auch Michael Thaler, Vorstand von TOP Vermögen in München, hält das Umfeld für MDax-Unternehmen im Jahr 2020 weiterhin für gut. Anleger, die von einer möglichen MDax-Outperformance profitieren wollen, sollten allerdings beachten, dass nach der jüngsten Börsenrallye inzwischen ein ziemlich hohes Kursniveau erreicht ist, und zwar sowohl absolut - siehe Rekordhoch - als auch relativ.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Letzteres lässt sich beispielsweise an der Bewertung des MDax nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ablesen. Einer Übersicht der DZ Bank zufolge beträgt das MDax-KGV unter Berücksichtigung der erwarteten Gewinne in den kommenden zwölf Monate gegenwärtig 18,4. Es liegt damit deutlich über dem momentanen KGV des Dax von 13,6. Allerdings wird der MDax seit Jahren zu einem höheren KGV gehandelt als der Dax.

Der aktuelle KGV-Wert des Midcap-Index übertrifft aber zugleich auch dessen eigenen Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre, der bei knapp 15 liegt. Das heißt im Klartext: Ein Investment in den MDax dürfte langfristig für jeden Anleger ein vernünftiges Engagement darstellen. Allerdings ist momentan wohl nicht der beste Zeitpunkt, um in den Index einzusteigen.

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