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Alternative zu Nyse und Nasdaq: Diese Silicon-Valley-Stars planen die Anti-Börse

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Tempolimit für Aktiengesellschaften Silicon-Valley-Stars planen eine Anti-Börse

Die US-Börsenaufsicht SEC hat derzeit Briefe mehrerer prominenter Silicon-Valley-Investoren zu lesen. Das Wort "myopic", also kurzsichtig, taucht darin immer wieder auf.

Wagniskapitalgeber Marc Andreessen, Ex-Twitter-Chef Dick Costolo und AOL-Mitgründer Steve Case haben sich mit dem Valley-Guru Eric Ries zusammengeschlossen, wie "Bloomberg" berichtet .

Ihr Projekt heißt "Long-Term Stock Exchange" (LTSE) und stellt ein Gegenmodell zur Wall Street dar. Sie alle schreiben der SEC mit der Bitte, die von der LTSE vorgeschlagenen Regeln für den Aktienhandel zu erlauben, um Anreize für langfristiges Investieren in Wachstumsfirmen anstelle des schnellen Auf und Ab an NYSE und Nasdaq  zu schaffen.

Ries, bekannt über Bücher wie "The Lean Startup" und Ratgeber, wie Großkonzerne den Geist des Silicon Valley übernehmen können, hat die wichtigsten Kriterien der Anti-Börse erdacht.

Aktionäre, die einem Unternehmen länger verbunden bleiben, sollen mehr Stimmrechte erhalten.

Die Bezahlung der Manager darf nicht von Quartalsergebnissen abhängig gemacht werden.

Registrierte Aktiengesellschaften müssen einen Aufsichtsratsausschuss für langfristiges Wachstum bilden.

Die Investitionen in Forschung und Entwicklung werden berichtspflichtig.

AOL als positives Beispiel - die Macher der geduldigen Börse brauchen selbst Geduld

All das soll die Börse attraktiv für Gründer machen, die ihren Plan für ihr Unternehmen nicht kurzfristigen Impulsen unterwerfen wollen. Diese Alternative zu den etablierten Handelsplätzen werde ihnen daher einen Aufpreis wert sein, so das Kalkül.

Anleger wiederum bekämen eine Chance, in solche Unternehmen zu investieren, die noch in Jahrzehnten Gewinne versprechen. Das sei im aktuellen Börsengeschehen kaum noch der Fall, argumentiert beispielsweise Costolo in seinem Brief an die SEC. In seiner eigenen Erfahrung nach dem Börsengang von Twitter  2013 habe er erlebt, wie Quartalsziele die Oberhand über die eigentlichen Erfolgsfaktoren des Unternehmens gewinnen.

Case führt sogar AOL als positives Beispiel an, weil der Internetanbieter in der frühen New-Economy-Euphorie der 90er Jahre im Kurs hochflog. "Menschen sprechen mich immer noch auf der Straße an und erzählen, wie sie früh in AOL investierten, die Aktien behielten, und mit den Gewinnen ihre Kinder durchs College bringen konnten", berichtet der heutige Wagniskapitalgeber. "Derartige Gelegenheiten existieren für durchschnittliche Amerikaner an den heutigen Börsen praktisch gar nicht mehr."

Andreessen sieht die wachsende Börsenabstinenz Erfolg versprechender Startups als "gefährlichen Trend".

Die LTSE-Investoren haben sich mit der Aktienhandelsplattform IEX zusammengetan, die schon vor Jahren mit Tempolimits für die "Flash Boys" im automatisierten Hochfrequenzhandel auffiel. Für eigene Börsennotierungen von Aktiengesellschaften ist die IEX aber noch nicht zugelassen. Die Vorgaben der SEC werden in den USA bislang nur von NYSE und Nasdaq erfüllt.

Ironischerweise müssen sich die Silicon-Valley-Stars mit ihrem Modell einer geduldigen Börse erst einmal selbst in Geduld üben. "Es dauert eine lange Zeit", kommentiert Ries den Genehmigungsprozess. "Das muss auch so sein."

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