Revolte gegen "Super Voting Rights" Warum der Lyft-IPO die Machtverteilung im Silicon Valley umwälzen könnte

Lyft-CEO Logan Green: Investoren wehren sich gegen umfangreiche Stimmrechte für den Fahrdienst-Mitgründer nach dem Börsengang

Lyft-CEO Logan Green: Investoren wehren sich gegen umfangreiche Stimmrechte für den Fahrdienst-Mitgründer nach dem Börsengang

Foto: LAURA BUCKMAN/ REUTERS

Dass Gründer für Unternehmen und Investoren nicht immer nur ein Quell der Freude sind, sondern sich mitunter zumechten Problem entwickeln können, ist Investoren nicht erst seit dem Abschied des umstrittenen Uber-CEO Travis Kalanick sehr wohl bewusst. Auch Tesla-CEO Elon Musk hat sich mit unbedachten Twitter-Äußerungen schon so einigen Ärger mit Investoren eingehandelt . Wenig erstaunlich also, dass einige Investoren mittlerweile versuchen, potenziell schädliche Einflüsse der Gründer zu beschränken.

Doch das ist nicht unbedingt einfach, sichern sich viele Gründer beim Börsengang doch ihren Einfluss über so genannte "super voting rights". Indem sie sich selbst Anteilsscheine verschaffen, die über deutlich größere Stimmrechte verfügen, als dies bei "normalen" Aktien der Fall ist. Eine Strategie, wie sie - erfolgreich - beispielsweise die Gründer von Facebook, Google, Alphabet, Snap oder Spotify anwandten.

Und nun auch Lyft. So will der Fahrdienstvermittler, der am Montag Details zu seinem Börsengang bekannt gab, seine Gründer Logan Green und John Zimmer mit Aktien ausstatten, deren Stimmrechte das 20-Fache einer "normalen" Aktie betragen. Der Einfluss von Green und John, die laut "Financial Times"  aktuell rund 7 Prozent am Unternehmen halten, würde dann deutlich über diesen einstelligen Anteil hinausgehen.

Bei den Investoren formiert sich dagegen nun allerdings Widerstand. Wie die "Financial Times"  berichtet, wehrt sich eine Gruppe von Investoren gegen diese Zweiteilung. Sie hat bereits das Board in einem offenen Brief aufgefordert, nur eine Klasse Aktien herauszugeben - mit jeweils einfachem Stimmrecht.

Lyft zwinge Investoren mit den verschiedenen Aktienklassen "unnötige und nicht kompensierte Investmentrisiken auf", zitierte das Blatt aus dem Schreiben, das unter anderem von BNP Parisbas Asset Management sowie zahlreichen Pensionsfonds aus Großbritannien und den USA unterschrieben war. Laut "FT" verwalten diese Assets in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar.

Müssen jetzt auch andere Gründer bangen?

Ob die Pensionsfonds mit ihrem Vorstoß bei Lyft auf Gehör stoßen oder ob die Aktien-Nachfrage so groß ist, dass sich Lyft nicht um die Kritiker kümmern muss, bleibt abzuwarten.

Die Tech-Branche dürfte den Ausgang jedoch interessiert verfolgen, denn er könnte richtungsweisend sein. Schließlich ist der Lyft-Börsengang der erste einer ganzen Reihe von IPOs von Tech-Schwergewichten - allen voran der des Lyft-Rivalen Uber.

Lyft will bei seinem anstehenden Börsengang mehr als zwei Milliarden Dollar einnehmen und knapp 30,8 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 62 und 68 Dollar verkaufen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Die begleitenden Banken sollen zudem weitere 4,6 Millionen Aktien in der sogenannten Mehrzuteilungsoption erwerben können.

Insgesamt strebt die Firma mit der Preisspanne zum Börsenstart eine Bewertung von mehr als 20 Milliarden Dollar an. Das wäre deutlich mehr als die rund 15 Milliarden Dollar bei der vergangenen Finanzierungsrunde. Analysten hatten zuvor auch eine Bewertung von rund 25 Milliarden Dollar für möglich gehalten. Beim größeren Rivalen Uber, der ebenfalls demnächst an die Börse gehen will, stellten Banken laut Medienberichten eine Gesamtbewertung von bis zu 120 Milliarden Dollar in Aussicht.

Dabei schreibt Lyft noch immer tiefroten Zahlen. Das Unternehmen, das bisher nur in Nordamerika aktiv ist, verdoppelte seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar auf 2,16 Milliarden Dollar. Zugleich stieg der Verlust - auch im Zuge des Preiskampfes mit Uber - binnen Jahresfrist von 688 Millionen auf 911 Millionen Dollar.

Lyft hatte im Schlussquartal vergangenen Jahres 18,6 Millionen aktive Nutzer, die 178,4 Millionen Fahrten absolvierten. Die Firma ist auch im US-Markt kleiner als Uber, will aber mit dem Versprechen eines nachhaltigeren Wirtschaftens zusätzlich bei Investoren punkten.

Zu den frühen Geldgebern, die vom Börsengang mit deutlichen Wertsteigerungen ihrer Einsätze profitieren dürften, gehören der japanische Online-Händler Rakuten, der Google -Mutterkonzern Alphabet und der Autokonzern General Motors.

mit dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.