Minus 20 Prozent seit Januar Warum Lufthansa-Aktionäre den Ausstieg suchen

A380 der Lufthansa: Aktie mit Kursrutsch nach Höhenflug im Vorjahr

A380 der Lufthansa: Aktie mit Kursrutsch nach Höhenflug im Vorjahr

Foto: Lufthansa

Die Pleite von Air Berlin hatte die Aktie der Lufhansa auf neue Höhen katapultiert, doch nun hat das Papier seinen Höhenflug vorerst beendet. Nach der Rekordjagd im Vorjahr - im Jahr 2017 legte die Aktie der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) um rund 150 Prozent zu und war damit mit Abstand der größte Kursgewinner im Dax - setzen nun verstärkte Gewinnmitnahmen die Aktie unter Druck: Seit Januar, als die Aktie ein Rekordhoch von 31 Euro markierte, hat das Papier inzwischen mehr als 20 Prozent nachgegeben. Allein am Donnerstag, als nach Vorlage der Zahlen für das erste Quartal erneut Gewinnmitnahmen einsetzten, gab die Aktie zeitweise um mehr als 7 Prozent nach.

Anlass, vorerst Gewinne vom Tisch zu nehmen, sehen Anleger reichlich. Die Integration der übernommenen Teile der einstigen Rivalin Air Berlin in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings schlägt teuer zu Buche, und bei den Ticketpreisen konnte die Lufthansa in Europa zum Jahresstart weniger hohe Ticketpreise durchsetzen als erwartet.

Außerdem stockt der Ausbau des Flugangebots, weil Airbus  mit der Lieferung neuer Flugzeuge nicht hinterherkommt. Dennoch sieht Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Dax-Konzern auf Kurs, seinen operativen Rekordgewinn (bereinigtes Ebit) von fast drei Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr fast zu wiederholen.

Experten sahen sich aber kaum beunruhigt. Trotz der höheren Integrationskosten bei Eurowings laufe es bei der Lufthansa insgesamt rund, schrieb Commerzbank-Analyst Malte Schulz. Laut Bernstein-Analyst Daniel Roeska hatten Marktteilnehmer bei den Ticketpreisen für 2018 aber eine bessere Entwicklung erwartet.

Ausbau des Flugangebots kommt langsamer voran als geplant

Im typischerweise reiseschwachen ersten Quartal erzielte die Lufthansa einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro und damit eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Gute Geschäfte der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian federten die Verluste der Billigtochter Eurowings ab, die die ehemaligen Air-Berlin-Maschinen eingliedern sowie neue Besatzungen schulen muss. Die Frachttochter Lufthansa Cargo konnte ihren operativen Gewinn fast verdoppeln.

Unterdessen steigerte die Lufthansa ihren Konzernumsatz nach neuer Rechnungslegung auf vergleichbarer Basis um 4,5 Prozent auf 7,64 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein von 68 Millionen auf 57 Millionen Euro verringerter Verlust. Fluggesellschaften fliegen ihre Gewinne vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Beim Ausbau ihres Flugangebots kommt die Lufthansa dabei schlechter voran als geplant. So strich der Vorstand seine Wachstumspläne am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr zusammen. Aus dem anfangs geplanten Ausbau um 12 Prozent wurden im März 9,5 und jetzt nur noch 8,5 Prozent. Auch deshalb sollen die Treibstoffkosten 2018 statt 5,9 Milliarden nur 5,8 Milliarden Euro erreichen.

Probleme mit Airbus - Wachstumspläne gekappt

Wachstumspläne gekappt, Probleme mit Airbus

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Foto: Regis Duvignau/ REUTERS

Die gekappten Wachstumspläne begründete der Vorstand mit bisherigen Flugausfällen - und mit Lieferproblemen beim Flugzeugbauer Airbus. Laut Finanzchef Ulrik Svensson erhält die Lufthansa in diesem Jahr nur sechs statt der erwarteten zwölf neuen Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe. Airbus werde dafür Entschädigungen zahlen. Hintergrund sind technische Probleme beim Triebwerksbauer Pratt & Whitney, einer Tochter des US-Konzerns United Technologies. Auch bei den Bombardier-Jets der C-Serie gibt es Verzögerungen.

Preise für Flugtickets in Europa unter Druck

Flugticketpreise auf Europastrecken unter Druck

Für die Entwicklung der Ticketpreise zeigte sich die Lufthansa-Führung ähnlich optimistisch wie zuletzt. Bis zur Jahresmitte sollen die Stückerlöse je angebotenem Sitzplatzkilometer leicht steigen und im Gesamtjahr stabil bleiben. Im ersten Quartal legten sie um 1,2 Prozent zu. Die Flugtickets wurden aber gerade auf den Europastrecken billiger: In Landeswährungen gerechnet, gingen die Preise um 2,8 Prozent zurück. Svensson erklärte dies mit dem Wachstum der Billigmarke Eurowings - deren Tickets typischerweise günstiger seien als bei anderen Airlines des Konzerns.

Übernahmewelle rollt weiter

Übernahmewelle rollt weiter - Lufthansa behält Alitalia im Visier

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Derweil rollt die Übernahmewelle in der Branche weiter. Die Lufthansa liebäugelt nach der Übernahme von Air-Berlin-Teilen weiter mit einer geschrumpften Alitalia. Die einstige italienische Staatsfluglinie hält sich seit längerem nur noch mit Staatshilfen in der Luft. Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Konzept für eine deutlich abgespeckte Alitalia eingereicht. Die Regierung in Rom hält dies für das beste Angebot.

Ob der Konzern seinen Hut auch bei dem norwegischen Billigflieger Norwegian in den Ring geworfen hat, bleibt offen. Norwegian sieht sich nach dem Einstieg der British-Airways-Mutter IAG von Kaufinteressenten umringt. Es hätten sich weitere Interessenten gemeldet, sagte Norwegian-Chef Bjørn Kjos am Donnerstag. IAG denkt unterdessen offiziell über eine Komplettübernahme von Norwegian nach.

la/dpa

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