Mittwoch, 20. November 2019

Londoner wollen lieber Refinitiv übernehmen LSE lehnt Milliardenofferte aus Hongkong als "ungebeten" ab

Die London Stock Exchange will sich nicht von der Hongkonger Börse übernehmen lassen.
Toby Melville/ REUTERS
Die London Stock Exchange will sich nicht von der Hongkonger Börse übernehmen lassen.

Die Börse in London hat das "ungebetene" Übernahmeangebot des Hongkonger Handelsplatzes offiziell abgelehnt. Der Aufsichtsrat der London Stock Exchange (LSE) habe "einstimmig" beschlossen, den angebotenen Kauf in Höhe von knapp 32 Milliarden Pfund (rund 36 Milliarden Euro) zurückzuweisen, hatte das Unternehmen am Freitagnachmittag mitgeteilt.

Die gebotene Summe sei deutlich zu niedrig. Zudem erhöhe die aktuelle Situation in Hongkong die Unsicherheit für die Aktionäre. Die LSE spielte damit auf die seit Monaten andauernden Proteste in der früheren britischen Kronkolonie an. Aus diesen Gründen weise der Verwaltungsrat einstimmig das Angebot zurück, erklärte die LSE. Weitere Gespräche würden daher keinen Sinn ergeben.

Der Börsenbetreiber Hong Kong Exchange (HKEX) hatte sein Angebot am Mittwoch unterbreitet. Ziel sei es, einen der größten Handelsplätze der Welt zu schaffen. Das Angebot sollte aber nur zum Tragen kommen, wenn die LSE auf die 24 Milliarden Euro teure Übernahme des Datenanbieters Refinitiv verzichtet. Dieser Zukauf war aber im Sommer in großer Einigkeit beschlossen und von den Aktionären gefeiert worden. Analysten und Anleger waren deshalb bereits vor der offiziellen Ablehnung der LSE skeptisch, was die Chancen der Asiaten anging.

Die LSE hatte am Mittwoch vergangener Woche zunächst erklärt, sie werde die Offerte prüfen. Die LSE bekräftigte dann am Freitag, sie werde an der Übernahme des US-Finanzdatendienstleisters Refinitiv festhalten und wolle dabei Fortschritte erzielen. Der Kauf von Refinitiv soll demnach im zweiten Halbjahr 2020 abgeschlossen sein.

Ihre Ablehnung des Angebots aus Hongkong begründete die Londoner Börse auch mit der "ungewöhnlichen" Leitungsstruktur der HKEX und deren "Beziehung zur Hongkonger Regierung". Von der Hongkonger Börse war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

rei/dpa/Reuters

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