Krise in der Türkei spitzt sich zu Moody's stuft 20 türkische Banken ab - Lira bricht ein

Ein Bündel schlechter Nachrichten hat am Mittwoch die türkische Lira weiter gedrückt. Türkische Banken, so scheint es, werden wegen ihrer hohen Auslandschulden deshalb zusehends zum Risiko. Investoren fragen sich, wie das Land unter ihrem allmächtigen Regierungschef und Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus der Krise herausfinden will.
Bankenviertel Istanbul: Die Ratingagentur Moody's hat 20 türkische Banken und Finanzinstitute abgestuft, die wichtige Isbank (im Bild die Zentrale) sogar gleich um zwei Stufen

Bankenviertel Istanbul: Die Ratingagentur Moody's hat 20 türkische Banken und Finanzinstitute abgestuft, die wichtige Isbank (im Bild die Zentrale) sogar gleich um zwei Stufen

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Nach der Herabstufung von 18 türkischen Banken und zwei weiteren Finanzinstituten durch die US-Ratingagentur Moody's hat die türkische Lira erneut deutlich an Wert verloren. Bis Mittwochmittag gab die Währung sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro rund 2 Prozent nach.

Für einen Dollar wurden zuletzt 6,46 Lira  gezahlt und für einen Euro 7,48 Lira . Zu Beginn der Woche mussten noch weniger als 7 Lira für einen Euro hingeblättert werden. Das Rekordtief von Mitte August lag bei 8,11 Lira je Euro. Seit Jahresbeginn hat die Lira mehr als 40 Prozent ihres Werts verloren und ist allein im August inmitten einer schweren politischen Krise mit den USA um fast 24 Prozent gefallen.

Moody's hatte am Dienstagabend wegen der bestehenden finanziellen Risiken die Kreditwürdigkeit von 18 türkischen Banken und zwei anderen Finanzinstitutionen herabgestuft. Vier der Banken, darunter die wichtigen Geldinstitute Denizbank und IsBank, wurden gleich um zwei Stufen herabgesetzt. Ein wichtiger Grund ist der hohe Anteil der Auslandsschulden der Institute. Goldman Sachs warnte erst Anfang August, sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr.

Bis Mitte 2019 werden 153 Milliarden Euro an Auslandschulden fällig

Moody's hatte bereits Mitte August die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ba3 herabgestuft und die weiteren Aussichten als negativ bewertet. Die Türkei ist hoch verschuldet.

Analysten von JP Morgan schätzen, dass bis Mitte nächsten Jahres umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig werden. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Wie JP Morgan am Mittwoch in einer Studie ausführte, entfällt der Großteil der Summe auf den Privatsektor - insbesondere auf Banken. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen. "Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist groß und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden", warnte JP Morgan.

Allein in ausländischen Devisen hätten die türkischen Banken Schulden in Höhe von umgerechnet 77 Milliarden Dollar, die sie in den nächsten 12 Monaten refinanzieren müssen, rechnet Moody's vor. Je stärker die Lira an Wert verliert, desto schneller zehren die Kapitalpuffer der Institute auf. Nach Ansicht der Ratingexperten macht die Abhängigkeit der türkischen Banken von ausländischen Finanzströmen sie besonders angreifbar.

JP Morgan glaubt, dass für Verbindlichkeiten der türkischen Banken von umgerechnet insgesamt 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssen, ein Finanzierungsrisiko besteht.

Lira-Absturz und Bankenschwäche werden die türkische Wirtschaft weiter schwächen: So erwarten die Experten eine Abschwächung des Wachstums in der Türkei auf 1,5 Prozent 2018 und 1,0 Prozent 2019 sowie einen weiteren Anstieg der Inflation.

Stimmung in der Wirtschaft bricht ein, Defizit in Handelsbilanz wächst

Doch auch schwache Konjunkturdaten lasteten am Mittwoch auf der Lira: Ein vom türkischen Statistikamt erhobener Stimmungsindikator der Wirtschaft fiel im August auf 83,9 Punkte, nachdem er im Monat zuvor noch bei 92,2 Zählern gelegen hatte. Mit dem Einbruch fiel der Indexwert auf ein Niveau, dass zuletzt in der schweren internationalen Wirtschaftskrise von 2009 erreicht worden war.

Außerdem hat sich das Defizit in der türkischen Handelsbilanz ausgeweitet. Hier meldete das Statistikamt für Juli einen Fehlbetrag von knapp sechs Milliarden US-Dollar und damit etwa eine halbe Milliarde mehr als im Monat zuvor.

"Die Lira-Krise ist noch nicht überwunden", kommentierte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Äußerungen von Finanzminister Berat Albayrak, dass er keine großen Risiken für die türkische Wirtschaft und das Finanzsystem sehe, hätten den Marktteilnehmern wenig Hoffnung auf notwendige Reformen gegeben.


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Auf Zinsanhebungen, die Volkswirte zur Bekämpfung der Lira-Krise als notwendig erachten, deutet nach wie vor wenig hin. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist strikt dagegen.

Die Türkei befindet sich derzeit in einer diplomatischen Krise mit den USA, die zusätzlich die Währung schwächt. So war der Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington unter anderem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei vor ein paar Wochen eskaliert. Die USA setzten daraufhin Sanktionen gegen die Türkei und höhere Zölle für bestimmte Waren in Kraft.

rei/dpa/Reuters
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