Beschluss der Hauptversammlung Schwergewicht Linde verlässt den Dax

Der wertvollste Dax-Konzern Linde verabschiedet sich von der Frankfurter Börse. Aktionäre haben mit mindestens 93 Prozent der Stimmen für diesen Schritt votiert, teilte das weltgrößte Industriegase-Konzern mit.
Abschied aus dem Dax: Der Industriegasekonzern zieht sich vom deutschen Aktienmarkt zurück

Abschied aus dem Dax: Der Industriegasekonzern zieht sich vom deutschen Aktienmarkt zurück

Foto: Sascha Steinach / IMAGO

Die Aktionäre des Dax-Konzerns Linde haben mehrheitlich für einen Rückzug von der Frankfurter Börse gestimmt. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung hätten nach vorläufigen Ergebnissen mindestens rund 93 Prozent der Anteilseigner grünes Licht für diesen Schritt gegeben, teilte der Industriegasekonzern am Mittwoch im britischen Woking mit.

Der Rückzug vom deutschen Aktienmarkt soll nach der Zustimmung der Aufsichtsbehörden am oder um den 1. März erfolgen. Die offiziellen Abstimmungsergebnisse sollen binnen vier Tagen vorgelegt werden. Die Aktie  von Linde rutschte am Abend leicht ins Minus.

Die Deutsche Börse verliert mit dem Rückzug von Linde ihren mit Abstand wertvollsten Dax-Wert . Linde hatte die Rückzugspläne mit dem Mehraufwand bei der Bilanzierung und Bewertungsfragen begründet. Die Aktionäre von Linde plc sollen für je eine Aktie ein Papier der neuen Linde-Holdinggesellschaft erhalten, die an der New Yorker Börse Nyse gelistet wird. Lindes Nachfolger im Dax dürfte laut Index-Experten der Deutschen Bank und der Société Générale der Rüstungskonzern und Automobilzulieferer Rheinmetall werden.

Mit einer Zustimmung zu dem Delisting war im Vorfeld gerechnet worden, nachdem der einflussreiche Aktionärsberater ISS – seit zwei Jahren eine Tochter der Deutschen Börse – seinen Kunden empfohlen hatte, für den Vorschlag zu stimmen. Deutsche Fondsgesellschaften hatten dagegen den Schritt scharf kritisiert und angekündigt, dem Management die Zustimmung zu verweigern. Ingo Speich, Corporate-Governance-Chef von Deka Investment, hatte darauf verwiesen, dass Linde bei der Übernahme von Praxair diesen Schritt ausgeschlossen hatte. Institutional Shareholder Services (ISS) hält dagegen die Argumente des Linde-Vorstandes für die Konzentration auf die New Yorker Börse für "überzeugend".

Lindes Vorhaben hatte eine Debatte über die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Finanzplatzes im internationalen Vergleich ausgelöst. Hintergrund sind auch die Regelungen im Dax: Dort darf zum Verkettungstermin ein einzelner Wert nicht mehr als zehn Prozent des Index ausmachen. Weil sich die Linde-Aktie besser entwickelte als die meisten anderen Dax-Werte, wurde das Index-Gewicht bei jeder Neuberechnung wieder gekappt – mit der Folge, dass Indexfonds (ETF) einen Teil der Papiere wieder verkaufen mussten .

rei/Reuters/dpa-afx
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