Samstag, 19. Oktober 2019

Anhörung im US-Kongress Facebook will Libra nur mit Genehmigung starten

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Mit Libra könnten vor allem Menschen in den ärmsten Regionen der Welt ein günstiges Zahlungsmittel an die Hand bekommen. Doch bei 2,3 Milliarden Facebook-Nutzern hat der Vorstoß von Facebook auch noch andere Aspekte
REUTERS / Leah Millis
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Mit Libra könnten vor allem Menschen in den ärmsten Regionen der Welt ein günstiges Zahlungsmittel an die Hand bekommen. Doch bei 2,3 Milliarden Facebook-Nutzern hat der Vorstoß von Facebook auch noch andere Aspekte

Facebook will seine geplante Kryptowährung Libra nur mit Zustimmung der Aufsichtsbehörden einführen. Bedenken müssten vor dem Start ausgeräumt werden, hieß es in einem für eine Anhörung im US-Kongress vorbereiteten Redetext von dem für Libra zuständigen Facebook-Manager David Marcus.

Libra solle weder als Konkurrenz zu traditionellen Währungen aufgebaut werden noch solle sie in die Geldpolitik eingreifen. "Für die Geldpolitik sind die Notenbanken zuständig", wird Marcus zitiert. Er soll am heutigen Dienstag und Mittwoch im US-Kongress Rede und Antwort stehen.

Eigentlich soll Libra in der ersten Jahreshälfte 2020 an den Start gehen. Mit der Ankündigung im Juni schreckte Facebook Notenbanken und Politiker weltweit auf. Unter anderem der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, der französische Finanzminister Bruno Le Maire und der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, sprachen sich gegen die Libra aus und forderten scharfe Regulierungen.

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Bild: REUTERS

Zuletzt zeigte sich US-Finanzminister Steven Mnuchin besorgt über die Pläne. Sein Ministerium habe dem Konzern und anderen Anbietern von finanziellen Diensten klargemacht, dass sie die gleichen Maßnahmen zum Kampf gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung umsetzen müssten wie traditionelle Firmen, sagte Mnuchin am Montag. Das soziale Netzwerk sei "weit davon entfernt", von den Behörden grünes Licht für Libra zu erhalten.

Kritiker befürchten zudem, dass Facebook als nicht regulierte Bank durch Libra Staaten, die Libra als Zahlungsmittel akzeptierten, mehr oder weniger in seine Abhängigkeit bringen könnte. Andere Skeptiker wiederum sehen Facebook nach den zahlreichen Datenskandalen und Pannen nicht gerade als erste Adresse, um diesem Unternehmen die Hoheit und Kontrolle über private Finanzen und Zahlungsströme anzuvertrauen.

Libra soll an einen Korb von etablierten Währungen wie US-Dollar, Euro und Yen gekoppelt und durch kurzfristige Staatsanleihen abgesichert werden. Dadurch würden massive Kursschwankungen wie bei der Kryptowährung Bitcoin vermieden ("Stable Coin"), heißt es.

rei/Reuters/dpa

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