Notenbanken Südkorea hebt Leitzins an, Russland senkt ihn drastisch

Während die Notenbank von Südkorea den Leitzins wegen steigender Inflation zum fünften Mal in Folge anhebt, senken die Währungshüter in Russland den Leitzins erneut und stärker als erwartet - trotz Sanktionen und einer Inflationsrate von 17,5 Prozent.
Elwira Nabiullina leitet die russische Notenbank, die eine Inflationsrate von 4 Prozent anstrebt. Bei einer Preissteigerungsrate von aktuell 17,5 Prozent ist das noch ein weiter Weg - dennoch senken die Zentralbanker in Moskau erneut den Leitzins.

Elwira Nabiullina leitet die russische Notenbank, die eine Inflationsrate von 4 Prozent anstrebt. Bei einer Preissteigerungsrate von aktuell 17,5 Prozent ist das noch ein weiter Weg - dennoch senken die Zentralbanker in Moskau erneut den Leitzins.

Foto: via www.imago-images.de / imago images/SNA

Die Notenbank Südkoreas hat angesichts der hohen Inflation ihre Zinsen erneut angehoben. Der Leitzins steige um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent, teilte die Bank of Korea am Donnerstag in Seoul nach ihrer Sitzung mit. Analysten hatten dies im Schnitt erwartet. Die Zentralbank begründete ihre fünfte Zinsanhebung seit Mitte 2021 mit dem hohen Preisauftrieb. Der neue Notenbankchef Rhee Chang-yong sprach von einer "präventiven Reaktion" auf die negativen Auswirkungen der Inflation. Das Treffen war die erste Sitzung unter Vorsitz des neuen Zentralbankgouverneurs, der am 25. April sein Amt angetreten hatte.

Die Inflationsprognose für das laufende Jahr hobt die Notenbank auf 4,5 Prozent an. Bei der letzten Prognose war sie noch von 3,1 Prozent ausgegangen. Sie strebt wie die Europäische Zentralbank eine Inflationsrate von rund zwei Prozent an. Im April hatte die Inflationsrate bei 4,8 Prozent gelegen.

Der Ukraine-Krieg treibt derzeit weltweit die Preise, stellt aber auch eine Belastung für die globale Wirtschaft dar. Hinzu kommt die scharfe Corona-Politik Chinas, die zu weiteren Störungen der Lieferketten führt. Die koreanische Notenbank ist für einen eher vorsichtigen, auch auf das Wirtschaftswachstum bedachten Kurs bekannt. Die Notenbank müsse aber derzeit die Inflationsgefahren vorrangig angehen, sagte Rhee.

Russische Notenbank senkt Leitzins um drei volle Prozentpunkte

Hingegen lockert die russische Notenbank ihre Geldpolitik erneut und hat den Leitzins um 3,0 Prozentpunkte auf 11,0 Prozent reduziert - trotz der anhaltenden Sanktionen gegen das Land -, wie die Bank am Donnerstag in Moskau mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einer Zinssenkung auf 11,5 Prozent gerechnet. Die Notenbank stellte weitere Senkungen in diesem Jahr in Aussicht. Es ist die dritte Zinssenkung in Folge.

Damit nähert sich der Leitzins in Russland dem Vorkriegsniveau: Ende Februar hatte die Notenbank den Leitzins drastisch um 10,5 Punkte auf 20 Prozent angehoben. Sie reagierte damit auf die Sanktionen des Westens, die nach dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine beschlossen wurden. Mit ihrer Zinserhöhung wollte die Notenbank damals der Abwertung der Landeswährung Rubel und Inflationsgefahren entgegenwirken. Zuletzt hat sich der Rubel deutlich erholt. Er liegt aktuell etwas über dem Niveau, das vor Kriegsbeginn herrschte.

Rubel knapp über Vorkriegsniveau, 17,5 Prozent Inflation

Die russische Notenbank erwartet einen Rückgang der Inflation. "Der Inflationsdruck lässt aufgrund der Dynamik des Rubel-Wechselkurses sowie des spürbaren Rückgangs der Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen nach", hieß es in der Mitteilung. Der Rückgang der Inflationsrate von 17,8 Prozent im April auf 17,5 Prozent im Mai sei stärker als erwartet ausgefallen. Die russische Notenbank strebt eine Inflationsrate von vier Prozent an.

"Die externen Bedingungen für die russische Wirtschaft sind nach wie vor schwierig und schränken die Wirtschaftstätigkeit erheblich ein", schreibt die Notenbank. "Die Risiken für die Finanzstabilität sind etwas zurückgegangen, was eine Lockerung einiger Kapitalkontrollmaßnahmen ermöglichte." Russland hatte nach der Einführung der Sanktionen durch die westlichen Staaten Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um einen Verfall des Rubel zu verhindern.

rei/DPA, dpa-afx
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