Börsen-Turbulenzen Dax taucht ab, US-Börsen starten Aufholjagd

Russlands Angriff auf die Ukraine lässt den Dax abstürzen. In den USA starten Dow Jones und Nasdaq am Abend eine Aufholjagd. Auch der Dax dürfte am Freitag zunächst steigen.
Börse in Frankfurt: Der Dax schloss am Donnerstag rund 4 Prozent schwächer. Die US-Börsen dagegen legten im späten Handel wieder zu und dürften den Dax am Freitag anschieben

Börse in Frankfurt: Der Dax schloss am Donnerstag rund 4 Prozent schwächer. Die US-Börsen dagegen legten im späten Handel wieder zu und dürften den Dax am Freitag anschieben

Foto: Arne Dedert / dpa

Russlands Invasion der Ukraine hat die Aktienmärkte weltweit in die Verlustzone gedrückt. Der Dax konnte im späten Handel seine Verluste etwas eingrenzen und beendete den Xetra-Handel (17.30 Uhr) mit einem Verlust von 4 Prozent bei 14.052 Punkten. Das Tagestief hatte bei 13.807 Punkten gelegen. Im späten Handel starteten die US-Börsen jedoch eine Aufholjagd.

Bis zum späten Abend drehten der US-Leitindex Dow Jones ebenso wie der Nasdaq 100 ins Plus. Somit dürfte auch der Dax am Freitag einen Erholungsversuch starten und rund 200 Punkte zulegen. Seit Jahresbeginn hat der Dax  rund 13 Prozent an Wert verloren.

In den USA griffen Anleger trotz Putins Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew wieder zu. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss um 0,4 Prozent im Plus bei 33.223 Punkten, nachdem er zum Handelsstart knapp 3 Prozent nachgegeben hatte. Der Technologie-Index Nasdaq 100 drehte sogar klar in die Gewinnzone und beendete den US-Handel 3,3 Prozent im Plus bei 13.437 Punkten. Einige Anleger setzen offenbar darauf, dass die US-Notenbank Fed angesichts des Krieges in der Ukraine möglicherweise ihre für März geplant erste Zinserhöhung verschieben wird. Andererseits heizen die hohen Energiepreise - der Ölpreis kletterte am Donnerstag über die Marke von 100 Dollar - die Inflation weiter an.

Nasdaq

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Banken unter Druck

In Erwartung von Strafmaßnahmen gegen den russischen Finanzsektor zogen sich Anleger bei US-Geldhäusern zurück. Die Aktien von JP Morgan , Bank of America, Citigroup und Goldman Sachs fielen um bis zu 4,5 Prozent.

Der massive Anstieg der Ölpreise stützte hingegen US-Unternehmen aus dem Sektor. So lagen die Titel von Exxon Mobil lediglich 0,2 Prozent im Minus. Im Rohstoffsektor rechnen Börsianer mit einer Angebotsverknappung durch Sanktionen gegen den Öl- und Erdgaslieferanten Russland, was die Preise nach oben katapultierte. Im Zuge dessen stieg der Ölpreis erstmals seit 2014 wieder über 100 Dollar je Fass.

Dax

"Es herrscht Krieg in Europa", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt. Dabei treffe die russische Invasion die Börsen zwar nicht unvorbereitet, "trotzdem laufen Schockwellen durch die Kapitalmärkte".

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Im Sog des Konflikts um die Ukraine war der Dax bereits in den vergangenen Tagen unter Druck geraten. Das Minus seit Jahresbeginn summiert sich nun auf rund 13 Prozent. 2021 hatte das deutsche Börsenbarometer noch knapp 16 Prozent zugelegt. Gründe für die Korrektur im bisherigen Jahresverlauf ist abgesehen von der Ukraine-Krise die zunächst in den USA anstehende Zinswende infolge der hohen Inflation.

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Telekom und Heidelbergcement im Blick

Vor dem Hintergrund der russischen Invasion der Ukraine samt der durch die Nato aktivierten Verteidigungspläne für Osteuropa fanden Unternehmensberichte nur begrenztes Anleger-Interesse. Aus dem Dax, in dem unter den 40 Unternehmen kein einziges im Plus notierte, berichteten die Deutsche Telekom und Heidelbergcement über das abgelaufene Jahr. Die T-Aktie gab um 6,4 Prozent nach, die Anteile des Baustoffherstellers um 7,7 Prozent.

Schlusslicht allerdings waren die Aktien der Deutschen Bank mit einem zehnprozentigen Minus. Ähnlich schwach zeigten sich die Commerzbank-Aktien im MDax. Bankwerte hatten zuletzt stark von der Aussicht auf höhere Zinserträge profitiert. Nun nehmen Anleger Gewinne mit.

Russlands Börse bricht ein

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist am Donnerstag der Handel an der Moskauer Börse zeitweise ausgesetzt worden. Nach Wiederaufnahme des Handels stürzte der Leitindex RTS um mehr als 20 Prozent ab, der Rubel-basierte Index MOEX um knapp 14 Prozent. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor in einer nächtlichen Fernsehansprache eine "Militäroperation" in der Ukraine angekündigt. Kurz darauf waren in mehreren Städten des Landes, darunter in der Hauptstadt, Städten nahe der Frontlinie, aber auch in der hunderte Kilometer entfernten südukrainischen Hafenstadt Odessa, Explosionen zu hören.

Bitcoin unter Druck

Digitalwährungen wie Bitcoin haben am Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten auf den Angriff Russlands auf die Ukraine reagiert. Am Morgen fiel der Kurs der ältesten und nach Marktwert größten Kryptowährung Bitcoin um rund 8 Prozent auf unter 35.000 US-Dollar. Am Nachmittag notierte die stark volatile Digitalwährung auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 35.900 Dollar. Die nach Marktwert zweitgrößte Internetdevise Ether gab um 12 Prozent auf rund 2300 Dollar nach. Andere Digitalwerte wie Cardano oder Dogecoin brachen noch stärker ein.

Bitcoin

Kryptowährungen wie Bitcoin gelten unter Fachleuten als besonders riskante Anlagen, weshalb sie von der hohen Unsicherheit aufgrund des russischen Angriffs besonders betroffen sind. "Einmal mehr beweisen Kryptoassets, dass das Narrativ des vermeintlich sicheren Hafens ein Mythos ist", kommentierte Experte Timo Emden von Emden Research. Einige Kryptoanleger meinen, Digitalanlagen besäßen trotz hoher Kursschwankungen eine Schutzfunktion gegen besonders unsichere Zeiten, ähnlich wie Gold.

Goldpreis schießt in die Höhe

Der russische Angriff auf die Ukraine hat den Goldpreis am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Januar 2021 getrieben. Eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) kostete im frühen Handel 1949 US-Dollar und damit rund zwei Prozent mehr. Am Nachmittag lag der Goldpreis nur geringfügig darunter.

Ölpreis steigt über 100 US-Dollar

Die Eskalation der Ukraine-Krise hat die Preise für Öl und Gold in die Höhe getrieben und die Aktienkurse fallen lassen. Die Öl-Sorte Brent aus der Nordsee übersprang am Donnerstagmorgen erstmals seit siebeneinhalb Jahren die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar. Das Barrel (159 Liter) verteuerte sich um mehr als vier Dollar auf 101,03 Dollar. Gold legte um zwei Prozent auf 1944,16 Euro zu.

Brent

Euro gibt zum Dollar nach

Der Euro hat am Donnerstag mit Kursverlusten zum US-Dollar auf den Angriff Russlands auf die Ukraine reagiert. Zulauf erhielten als sicher empfundene Währungen wie der Dollar oder der japanische Yen. Der russische Rubel brach gegenüber dem Dollar um mehr als sechs Prozent ein.

Ein Euro kostete am Morgen 1,1250 Dollar, im Tief war der Euro am frühen Morgen auf 1,1209 Dollar gefallen. Das war etwa ein Cent weniger als am Vorabend. Der Dollar legte gegenüber dem russischen Rubel stark zu und stieg über 84 Rubel. Im Gegenzug brach die russische Landeswährung ein.

Mit Nachrichtenagenturen