Börse Dax schließt im Minus, Wall Street verunsichert

Inflations- und Konjunktursorgen haben den Dax zeitweise unter 13.000 Punkte gedrückt. Auch der Ölpreis gibt deshalb deutlich nach. Fed-Chef Powell versucht, die Märkte zu beruhigen. An der Wall Street sind die Anleger verunsichert, Dow und Nasdaq drehen zuletzt wieder ins Plus. Der Dax schließt gut 1 Prozent leichter.
Nervosität: An der Börse berlasten Inflations- und Konjunktursorgen die Kurse

Nervosität: An der Börse berlasten Inflations- und Konjunktursorgen die Kurse

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Die wieder aufgeflammte Furcht vor einem Rückschlag für die Weltwirtschaft vertreibt Investoren aus risikoreichen Geldanlagen. Positiv aufgenommene Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell zur Geldpolitik bremsten die Talfahrt der europäischen Börsen allerdings. Nach drei freundlichen Tagen sackte der Dax  zeitweise um fast 2,5 Prozent ab und stand erstmals seit März wieder unter 13.000 Punkten. Im Sog der US-Börsen konnte der Leitindex sein Minus deutlich reduzieren. Aus dem Handel ging er 1,11 Prozent tiefer mit 13.144 Punkten. Der MDax fiel um 0,97 Prozent auf 27 246,16 Zähler. Der EuroStoxx 50 , Leitindex der Eurozone, ging mit einem Verlust von 0,84 Prozent aus dem Handel.

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Die US-Börsen gaben zu Handelsschluss in Europa wieder einen Großteil ihrer Gewinne ab - um dann erneut ins Plus zu drehen. Kritisch beäugt wurden dabei Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell, der in einer Rede vor dem Bankenausschuss des Senats zunächst kein Öl ins Feuer goss mit Blick auf Konjunktursorgen. Er betonte, die US-Wirtschaft sei stark genug für Zinserhöhungen und bezeichnete die von den Märkten eingepreiste Zinsschritte als angemessen.

Gegen 1840 Uhr (MEZ) notierte der Dow Jones wieder mit 0,18 Prozent auf 30.577 Punkte leicht im Plus. Der S&P 500  gewann 0,27 Prozent, der Index der Technologiebörse, der Nasdaq 100 , verbesserte sich auf plus 0,33 Prozent - zuvor hatte er mit knapp 1 Prozent im Plus gestanden.

Nasdaq 100

Experten zufolge bleibt die Verunsicherung an den Finanzmärkten angesichts der Inflations- und Konjunkturbedenken aber hoch, auch wenn die Dax-Marke von 13.000 Punkten vorerst verteidigt wurde. "Auf mehr als ein paar hundert Punkte Plus können Anleger derzeit nicht ernsthaft wetten", betonten die Charttechnik-Experten von Index-Radar. Die negativen Rahmenbedingungen hätten weiterhin unverändert Gültigkeit.

Ihrer Rolle als relativ defensive Anlagen wurden Werte wie Eon, Beiersdorf und die Deutsche Telekom als positive Ausnahmen im Dax gerecht. Sie verbuchten Anstiege zwischen 1,3 und 1,7 Prozent. Das andere Dax-Ende gehörte den zyklischen Unternehmen aus den Auto- und Chemiesektoren.

BASF-Aktie am Dax-Ende: CEO warnt vor schwierigen Zeiten

Aktien von BASF  gingen mit einem Verlust von 5,8 Prozent aus dem Handel. Vorstandschef Martin Brudermüller hatte die Investoren am Dienstag auf schwierigere Zeiten eingestellt hatte. BASF werde im zweiten Halbjahr nicht mehr von den bislang angespannten Lieferketten bei der Konkurrenz profitieren, hinzu kämen die hohen Energiekosten, sagte er. "Das klingt sehr vorsichtig und pessimistisch, obwohl keine Zahlen genannt wurden", sagte ein Händler.

Die Aktie von Continental  konnte einen Teil ihrer zeitweilig mehr als 4 Prozent hohen Verluste wieder aufholen und notierte zum Handelsschluss 2,3 Prozent leichter. Die Aktie von Bayer  setzte ebenfalls ihre Talfahrt fort - mit Verlusten von 2 Prozent Bayer hatte am Vortag im Glyphosat-Streit vor dem US Supreme Court eine Niederlage erlitten.

Salzgitter bricht um 11 Prozent und Thyssenkrupp um 8 Prozent ein

Ein düsterer Tag war es auch für die Anleger von Stahlwerten wegen einer negativen Branchenstudie der US-Bank JPMorgan. Preise und Profitabilität seien deutlich gesunken, die Lagerbestände in Europa und China recht hoch und die Wirtschaftsaussichten mau, hieß es vom Experten Luke Nelson. Salzgitter sieht er wegen der Abhängigkeit von der Autobranche besonders kritisch, die Papiere sackten um elf Prozent ab. Ein von dem deutschen Stahlkonzern erhöhter Ausblick konnte dem nur zeitweise entgegenwirken.

Neben der Salzgitter-Abstufung auf "Underweight" senkte Nelson seine Einschätzungen für einige weitere europäische Stahlkonzerne - und so erstreckten sich die herben Verluste branchenweit. Die von ihm nicht direkt beurteilten Papiere von Thyssenkrupp verloren unter diesen Umständen als größter MDax-Verlierer außerdem acht Prozent an Wert.

Rezessionsängste drücken Ölpreise deutlich

Die Ölpreise haben am Mittwoch im Sog von Konjunktursorgen deutlich nachgegeben. Sie fielen auf insgesamt weiterhin hohem Niveau auf die tiefsten Stände seit rund einem Monat. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  110,03 US-Dollar. Das waren 4,62 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI ) sank um 5,02 Dollar auf 104,50 Dollar.

Am Markt wurde die zunehmende Rezessionsangst als Grund für die Preisabschläge bei Rohöl genannt. Ein Auslöser ist der entschlossene Kampf vieler Zentralbanken gegen die hohe Inflation, die die nicht nur USA in eine Rezession führen könnte, befürchten Skeptiker. Commerzbank Analyst Carsten Fritsch verweist zudem auf das am Donnerstag anstehende Treffen von US-Präsident Joe Biden mit Vertretern der US-Ölindustrie. Biden hatte den Raffinerien in der vergangenen Woche vorgeworfen, zu wenig Benzin zu produzieren. "Offenbar geht eine Reihe von Marktteilnehmern davon aus, dass sich die Ölindustrie gefügig zeigen und das Benzinangebot deutlich ausweiten wird", schreibt Fritsch. Allerdings dürfte dies aufgrund begrenzter freier Verarbeitungskapazitäten kaum möglich sein.

Trotz der jüngsten Abschläge bewegen sich die Ölpreise auf hohem Niveau. Aktuell liegen sie gut 40 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und scharfe Sanktionen überwiegend westlicher Länder. Russland ist einer der weltgrößten Öllieferanten.

Bitcoin fällt erneut Richtung 20.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiterhin unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte er zuletzt bei 20.170 US-Dollar und verlor damit rund 6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

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Mit Nachrichtenagenturen