Börse Adidas-Zahlen belasten den Dax

Am Ende einer überwiegend freundlichen Handelswoche verlor der deutsche Leitindex leicht. Den Markt belastete am Freitag vor allem die inzwischen dritte Senkung der Jahresziele durch den Sportartikelhersteller Adidas.
Dax verzeichnet ein Wochenplus: Börsenstadt Frankfurt am Main

Dax verzeichnet ein Wochenplus: Börsenstadt Frankfurt am Main

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Boris Roessler / dpa

Am Ende einer guten Handelswoche hat der Dax  seine Tagesverluste fast wieder wettgemacht. Der Index schloss nur 0,3 Prozent tiefer bei 12.731 Punkten. Das Tagestief hatte bei 12.548 Punkten gelegen. Im Wochenverlauf steht für den Dax immerhin ein Plus von 2,4 Prozent. Der MDax gab am Freitag 1,5 Prozent auf 22,918 Zähler ab, der EuroStoxx 50 notierte 0,5 Prozent tiefer bei 3.477 Punkten.

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Adidas-Aktie unter Druck

Zu den am stärksten beachteten Aktien an diesem Tag zählten die von Adidas mit einem Kurseinbruch von zwischenzeitlich 9,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Frühjahr 2016. Besonders entsetzte am Markt das auf nur noch rund 500 Millionen Euro gesenkte diesjährige Gewinnziel. Zu Jahresanfang waren noch 1,8 bis 1,9 Milliarden, zuletzt dann 1,3 Milliarden Euro Gewinn in Aussicht gestellt worden. In den zehn Jahren, in denen sie nun den Sportartikelsektor beobachte, sei die Stimmung nie so negativ gewesen, kommentierte JPMorgan-Expertin Chiara Battistini. Auch die Aktien von Konkurrent Puma wurden in Mitleidenschaft gezogen und büßten rund 8 Prozent ein.

Spitzenwert im Dax waren die Anteile von Munich Re, die nach vorgelegten Eckzahlen zum dritten Quartal ins Plus drehten und letztlich um 3,7 Prozent stiegen. Dass der Rückversicherer positiv überraschte und trotz hoher Hurrikan-Schäden an seinem Gewinnziel festhält, gab Auftrieb.

Von der US-Bank JPMorgan auf "Overweight" hochgestuft, legten die Papiere von SAP um 1,8 Prozent zu. Analyst Toby Ogg bezeichnete den Softwarekonzern als Favorit im europäischen Branchenumfeld. Der Kurs spiegelt seiner Ansicht nach zu stark die konjunkturelle Unsicherheit wider, während der laufende Wandel zur Cloud nicht ausreichend wertgeschätzt werde.

Im MDax litten die Aktien von Scout24 unter einem negativen Analystenkommentar und büßten 7,3 Prozent ein. Warburg Research strich, besorgt über das Immobilienumfeld, die Kaufempfehlung für den Online-Portalbetreiber.

Bilanzflut treibt US-Börsen

Mit Rückenwind von Firmenbilanzen haben die US-Börsen zum Wochenschluss zugelegt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag zuletzt 1,8 Prozent höher bei 30.872 Punkten und steuerte auf seinen größten Wochengewinn seit Ende Juni zu. Der breiter gefasste S&P 500 kletterte um 1,5 Prozent auf 3722 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 1,3 Prozent auf 10.753 Punkte. Die Berichtssaison für das dritte Quartal verläuft bisher besser als befürchtet, was Analysten dazu veranlasste, die Gewinnerwartungen für S&P-500-Unternehmen auf 3,1 Prozent von zuvor 2,8 Prozent anzuheben.

Hoffnungen auf einen künftig nicht mehr ganz so steilen Zinspfad der Fed stützten zudem die Kurse von Aktien und Anleihen. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries ging im Zuge dessen zurück und lag bei 4,215 Prozent. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge möchten einige Mitglieder der US-Notenbank einen Gang herunterschalten. "Ich würde sagen, dass die Fed jetzt versucht, das Ausmaß zu lockern oder ihre Zinserhöhungen zu verlangsamen, was ihre Preisstabilitätskampagne unterstreicht", sagte Joe Brusuelas, Chefökonom beim Beratungsunternehmen RSM. Händler erwarten aber immer noch eine vierte Erhöhung um 75 Basispunkte bei der Sitzung der Zentralbank im November.

Im Energiesektor hellten überraschend gute Quartalsergebnisse von Schlumberger die Stimmung auf. Die Aktien gewannen mehr als 9 Prozent. Im Nachgang besser als erwartet ausgefallener Quartalszahlen griffen Anleger bei Dow zu. Die Aktien des Chemiekonzerns gewannen 3,2 Prozent. Auch Finanzwerte wie JP Morgan und Goldman Sachs legten bis zu 4 Prozent zu.

Die angepeilte Vervierfachung der Preise für den Covid-19-Impfstoff in den USA von Pfizer ließ die Anleger auf klingende Kassen des Pharmariesen spekulieren. Analyst Mohit Bansal von Wells Fargo rechnet mit 2,5 bis drei Milliarden Dollar mehr Umsatz im Jahr. Pfizer-Aktien legten mehr als 4 Prozent zu. Die Titel des Partners Biontech gewannen in Frankfurt 5,6 Prozent. Auch die Aktien der Konkurrenten Moderna und Novavax zogen um 9 und 11 Prozent an.

Snap-Aktie stürzt ab

Ein schleppendes Umsatzwachstum von Snap vergraulte hingegen die Anleger. Die Aktien des Snapchat-Betreibers brachen um 28 Prozent ein. Im Sog dessen verloren die Papiere von Online-Plattformen wie Twitter und Pinterest bis zu 7,5 Prozent. Die Zahlen von Snap deuteten auf fallende Werbeumsätze hin, schrieben die Analysten von der Investmentbank Piper Sandler. Dies sei ein schlechtes Omen für Firmen, die ebenfalls auf diese Einnahmen angewiesen sind. Die Titel des YouTube-Betreibers Alphabet und der Facebook-Mutter Meta fielen um bis zu 2,6 Prozent.

Mehr als 5 Prozent abwärts ging es auch für American Express. Das Kreditkartenunternehmen hat größere Rückstellungen gebildet, um sich auf mögliche Zahlungsausfälle vorzubereiten, wenn sich ein Wirtschaftsabschwung abzeichnet.

Gleichzeitig bleibt in den USA die Berichtssaison im Fokus. Dabei kommen viele wichtige Bilanzen wie die von Apple, Alphabet, Meta, Amazon und Microsoft erst nächste Woche. Analysten bleiben sich auch uneinig, wie die bisherigen Berichte zu deuten sind. "Bislang haben etwa zwei Drittel der Unternehmen aus dem S&P 500, die ihre Ergebnisse vorgelegt haben, die Gewinnerwartungen übertroffen", schrieb Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets. Der Chefmarktstratege beim Vermögensverwalter B. Riley Wealth, Art Hogan, sagte dagegen, diese Ergebnisse seien "in die Kategorie 'besser als befürchtet'" einzuordnen.

Zinsängste drücken Asiens Börsen

Die asiatischen Börsen sind am Freitag dem Abwärtstrend der Wall Street gefolgt. Die Aussicht auf aggressive Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed sowie Rezessionsrisiken trübten weiterhin die Stimmung der Anleger. Der japanische Leitindex Nikkei  in Tokio 0,4 Prozent auf 26.892 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix fiel um 0,7 Prozent. Die chinesische Börse in Schanghai trat dagegen auf der Stelle – die kommunistische Führung des Landes tagt seit Sonntag beim 20. Parteikongress.

Bitcoin nach Kursrutsch leicht erholt

Der Bitcoin und andere Kryptowerte konnten am Freitag leichte Gewinne verbuchen. Der Bitcoin als nach Marktvolumen größte Internetwährung gewann auf der Handelsplattform Bitfinex 0,35 Prozent auf 19.137 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen wieder zu

Die Ölpreise haben am Freitag leicht geschwankt und zuletzt etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Abend 93,10 US-Dollar. Das waren 72 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 42 Cent auf 84,93 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wurden die Ölpreise zuletzt durch den schwachen US-Dollar etwas gestützt. Kursverluste beim Dollar verbilligen den Rohstoff in Ländern außerhalb des Dollar-Raums, was die Nachfrage erhöhen und den Preis antreiben kann.

Nach Auffassung von Rohstoffexperten der Commerzbank dürften die Ölpreise "im Spannungsfeld zwischen Nachfragesorgen und knappem Angebot auf der Stelle treten". Demnach sollte sich der Brentölpreis in den kommenden Handelstagen zwischen 90 und 95 Dollar je Barrel einpendeln.

In den vergangenen Monaten hatte die Sorge über ein Abflauen der Weltwirtschaft deutlich auf die Ölpreise gedrückt. Belastet haben unter anderem die hohe Inflation und stark steigende Zinsen, die sich immer stärker zu einer Bremse für die konjunkturelle Entwicklung entwickelten.

Mit Nachrichtenagenturen
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