Börse Dax und Dow brechen weiter ein

Frische US-Jobdaten helfen den Aktienkursen nicht. Dow und Nasdaq rutschen weiter ab, der Dax schließt 1,6 Prozent im Minus. Die Aktien von Adidas und von US-Konkurrent Under Amour brechen ein. Anleger fliehen auch aus Kryptowährungen wie Bitcoin.
Börse New York: Nach dem Kursrutsch am Vortag geben die Kurse an der Wall Street am Freitag weiter nach

Börse New York: Nach dem Kursrutsch am Vortag geben die Kurse an der Wall Street am Freitag weiter nach

Foto: Craig Ruttle/FR61802 AP/dpa

Nach frischen Arbeitsmarktdaten aus den USA hat der Dax  am Freitag seine Verluste nur kurzzeitig etwas eingegrenzt. Letztlich halfen die Daten ihm aber nicht. So setzte der Leitindex am Freitag seine Talfahrt der vergangenen zwei Handelstage fort. Mit einem Abschlag von 1,64 Prozent auf 13.674,29 Punkte ging der Leitindex aus dem Handel. In der ersten Maiwoche hat er damit drei Prozent eingebüßt.

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel rutschte am Freitag um 2,07 Prozent auf 28 765,55 Punkte ab. Europaweit sah es ebenfalls trüb aus: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,82 Prozent auf 3629,17 Punkte, auch in Paris und London wurden Verluste verbucht.

Insgesamt belastete den deutschen Aktienmarkt vor dem Wochenende die Mischung aus hoher Inflation, anziehenden Zinsen und gleichzeitig steigenden Rezessionssorgen. Die US-Notenbank (Fed) hatte am Mittwoch als Reaktion auf die hohe Inflation den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte angehoben und zugleich betont, dass noch größere Zinsschritte zurzeit nicht zur Debatte stünden. Dies hatte die Aktienmärkte aber nur kurz beflügelt, denn an einer fortgesetzten Zinswende gibt es keine Zweifel. Anleger fürchten, dass steigende Zinsen die Wirtschaft abwürgen und in eine Rezession führen.

Dax

Dax

In der US-Wirtschaft wurden im April mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Der Arbeitsmarkt sei in einer sehr robusten Verfassung, schrieben die Volkswirte der Helaba zu den Daten. Da auch die Stundenlöhne weiter stiegen, stehe der Arbeitsmarktbericht den geplanten Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed nicht im Wege.

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Bei den Löhnen hatten Analysten aber einen noch etwas größeren Anstieg auf dem Zettel. Die Sorgen vor einer zunehmenden Lohn-Preis-Spirale und damit deutlich höheren Leitzinsen könnten damit also erst einmal etwas gemildert werden. Zu einer weiteren Forcierung der Zinserwartungen dürfte es nicht kommen, hieß es von der Helaba.

Adidas gibt weiter deutlich nach

Unter den Einzelwerten im Dax ging es für die Papiere von Adidas nach einem eingetrübten Jahresausblick um 3,6 Prozent abwärts. Dem Sportartikelhersteller machen die Corona-Lockdowns in China zu schaffen.

Freenet im MDax bricht um 17 Prozent ein

Freenet brachen im MDax um 17,4 Prozent oder knapp 4,60 Euro ein – und damit deutlich stärker als wegen des Dividendenabschlags von 1,57 Euro pro Aktie zu erwarten gewesen war. Die schweizerische Bank UBS hatte den Titel auf "Sell" abgestuft und sich skeptisch über das Geschäftsmodell von Freenet als Serviceprovider und Mobilfunk-Reseller geäußert.

US-Börsen setzen Talfahrt fort

Die Wall Street kommt nach dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag weiter nicht zur Ruhe. Anleger blieben in Erwartung weiterer drohender Zinserhöhungen zurückhaltend. Der Dow Jones Industrial sackte in einem nervösen Anfangshandel zunächst um bis zu 1,5 Prozent ab. Mit 32.844 Punkten verringerte er sein Minus zuletzt auf 0,5 Prozent. Im Wochenverlauf hat er damit aktuell auch fast ein Prozent verloren. Und auch der technologielastige Nasdaq 100 drehte zuletzt in die Verlustzone mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 12.776 Punkten.

Nasdaq

Nasdaq

Die Anleger müssten sich derzeit drei Problemen gleichzeitig stellen: Nachlassendem Wachstum, höheren Kosten und steigenden Zinsen, sagte Marktstratege Sean Darby von der Investmentbank Jefferies. Erst am Mittwoch hatte die US-Notenbank den Leitzins um weitere 0,50 Prozentpunkte angehoben.

"Bei ihren Maßnahmen müssen die Zentralbanken in der jetzigen Situation auch schädliche Nebenwirkungen auf die Konjunktur in Kauf nehmen. Die Inflationsbekämpfung hat jetzt Vorrang", sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. Hatten die Anleger am Mittwoch noch erleichtert reagiert, dass der Zinsschritt der Fed nicht noch höher ausgefallen war, war am Donnerstag wegen Folgewirkungen der Zinserhöhungen wieder Vorsicht angesagt.

Ölkonzerne legen zu, Under Armour und Peloton brechen ein

Beim Blick auf Einzelwerte waren Ölkonzerne mal wieder eine positive Ausnahme wegen eines steigenden Ölpreises. Während die Debatte über ein europäisches Öl-Embargo gegen Russland weiter geht, sorgte die Ankündigung der USA für Preisauftrieb, dass ab diesem Herbst mit der Wiederbefüllung der strategischen Ölreserven begonnen werden soll. Chevron waren mit einem halben Prozent Plus unter den besten Dow-Werten.

Ein düsterer Tag war es dagegen für Anleger im US-Sportartikelsektor. Während die Aktien von Under Armour nach Zahlen um 23 Prozent abrutschten, wurden auch die Nike -Aktien im Dow mit einem Abschlag von fünf Prozent erfasst. Under Armour enttäuschte die Anleger nicht nur mit einem Quartalsverlust, sondern auch mit dem Jahresausblick. UBS-Analyst Jay Sole sieht für die Ergebnisschätzungen am Markt nun ein Korrekturrisiko von bis zu 19 Prozent.

An der Nasdaq kommen derweil die mittlerweile rekordtiefen Peloton-Aktien nicht wieder auf die Beine. Die Papiere des einst als großer Corona-Gewinner gehandelten Fitness-Spezialisten sackten am Freitag nochmals um neun Prozent ab. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg in Berufung auf Kreise schrieb, sucht das Unternehmen derzeit nach einem großen Investor, der mit 20 Prozent der Anteile einsteigen könnte

Bitcoin stürzt unter 36.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin gab ebenfalls deutlich nach und notierte zuletzt bei rund 36.800 US-Dollar. Das sind rund 9 Prozent weniger als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen wieder deutlich zu

Die Ölpreise legen weiter zu. Am Freitagmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  113,38 US-Dollar. Das waren 55 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 2,27 Dollar auf 110,53 Dollar.

Brent

Auftrieb erhalten die Ölpreise auch durch die Aussicht auf ein EU-Embargo gegen russisches Rohöl. Allerdings sind nach einem Vorschlag der EU-Kommission generelle Übergangsfristen vorgesehen. Darüber hinaus müssen dem Plan alle EU-Länder zustimmen, was ungewiss ist. Die mittelfristige Preisreaktion auf den Erdölmärkten dürfte laut Experten vor allem davon abhängen, ob Russland sein Öl anderweitig absetzen kann und ob weltweit ausreichende Kapazitäten vorhanden sind, um ausfallendes russisches Öl zu ersetzen.

Mit Nachrichtenagenturen