Börse Dax-Anleger vergessen Zinssorgen

Der Dax geht nach der Kursrallye mit weiteren Gewinnen ins Wochenende. Zalando und Delivery Hero legen erneut kräftig zu. In New York sind vor allem Technologiewerte gefragt. Der Bitcoin verliert wieder an Boden.
Kursrallye an der Börse: Der Dax notiert deutlich über 14.000 Punkten

Kursrallye an der Börse: Der Dax notiert deutlich über 14.000 Punkten

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Die Hoffnung auf moderatere Zinserhöhungen in den USA hat den Dax am Freitag weiter nach oben getrieben. Zudem kam gut an, dass die chinesische Führung ihre strikten Corona-Bestimmungen etwas lockerte. So wurde die Zeit, die Einreisende in Quarantäne verbringen müssen, etwas verringert.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Zum Wochenschluss stand für den Leitindex ein Plus von 0,56 Prozent auf 14.224,86 Punkte zu Buche. Auf Wochensicht verbuchte der Dax einen Gewinn von 5,7 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Titel legte am Freitag mit 2,79 Prozent auf 25.975,00 Zähler noch deutlich stärker zu als der Dax. Der EuroStoxx50 rückte um 0,62 Prozent auf 3870 Punkte vor.

Richtig in Fahrt gekommen war der Dax am Donnerstagnachmittag nach der Veröffentlichung von US-Verbraucherpreise im Oktober, die eine überraschend deutliche Abschwächung des Inflationsdrucks anzeigten. Von einem "Paukenschlag durch die US-Inflation" sprach die Landesbank Baden-Württemberg. Der geringere Anstieg der Teuerung dürfte in der US-Notenbank für ein "gewisses Aufatmen" sorgen. Dieser Rückenwind für Aktien hielt auch am Freitag noch an.

Technologiewerte in New York weiter gefragt

Die US-Aktienindizes, die am Vortag ebenfalls massiv zugelegt hatten, notierten zum Handelsschluss in Europa uneinheitlich. Der Leitindex Dow Jones gab zuletzt 0,66 Prozent auf 33.493 Zähler nach. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,2 Prozent auf 3963,00 Punkte nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 0,63 Prozent auf 11.623 Zähler zu.

Zalando, Delivery Hero und Immobilienaktien gefragt

"Gestern hat das Zinsgespenst erst einmal Reißaus genommen, was vor allem die Technologieaktien nach oben getrieben hat", schrieb Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Der Gipfel der Inflation in den USA sei wohl erreicht. Die Spitze des Leitzinses in den USA werde nach den Verbraucherpreisdaten vom Vortag nun wieder bei 5 Prozent und nicht mehr bei 5,25 Prozent gesehen. Hiervon profitierten europaweit auch Immobilienwerte - bislang schwächster Sektor des Jahres. Banken liefen der Marktrally derweil hinterher.

Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, sieht eine "weltweite Signalwirkung". Auch die Erwartungen an die Zinswende in Europa seien gesunken. Am deutschen Aktienmarkt wird laut Altmann nun spannend, wie der Dax nach dem Sprung über 14 000 Punkte reagiert. Einerseits sieht er eine Art Kaufzwang bei bislang zu zurückhaltenden Investoren, die sich an festen Anlagemodellen orientieren. Einige andere könnten indes bereits jetzt "Höhenangst bekommen".

Angeführt wurde der Dax von Zalando mit einem Plus mehr als 12 Prozent. Seit Mittwoch gewannen die Papiere sogar fast 30 Prozent. Auch die Anteile des Essenslieferanten Delivery Hero brachten es in zwei Tagen auf fast 30 Prozent Plus. Am Freitag legten sie um knapp 9 Prozent zu.

Immobilienaktien von Aroundtown und TAG setzten ihre Erholung fort und zeugten von weiter aktiven Schnäppchenjägern. Im SDax der kleineren Börsentitel gewannen die Papiere des angeschlagenen Versorgers Uniper rund 18 Prozent.

Nach bestätigter Prognose gewannen Papiere von Salzgitter im starken Branchenumfeld mehr als 12 Prozent. Rohstoffwerte gehörten europaweit zu den größten Profiteuren der Hoffnungen auf eine Belebung der chinesischen Wirtschaft durch weniger Corona-Restriktionen sowie der moderateren Zinserwartungen.

Bitcoin gibt mit FTX-Pleite wieder nach

Nach dem zwischenzeitlichen Rutsch auf ein Zweijahrestief hatte sich der Bitscoin zwischenzeitlich wieder stabilisiert, gab zum Abend aber fast rund 1000 US-Dollar auf zuletzt etwa 16.800 Dollar nach. Probleme bei der Krypto-Börse FTX hatten den Markt zuvor in Turbulenzen versetzt. FTX hatte am Freitag Insolvenzantrag gestellt. Der Gründer und CEO, Sam Bankman-Fried, erklärte seinen Rücktritt. Nach den Regeln des Chapter 11 könnte die Firma restrukturiert werden, ob das gelingt, ist ungewiss. Bankman-Fried soll bis zuletzt bei Investoren und Wettbewerbern um eine Finanzspritze von rund 10 Milliarden Dollar geworben haben - vergeblich

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise haben am Freitag deutlich von einer leichten Lockerung der strengen Corona-Regeln in China profitiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 96,21 US-Dollar. Das waren 2,56 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,90 Dollar auf 89,37 Dollar.

Für Kursauftrieb sorgte, dass die chinesische Führung ihre strikten Corona-Bestimmungen etwas lockerte. So wurde die Zeit, die Einreisende in Quarantäne verbringen müssen, leicht verringert. An den Märkten wurde der Schritt als Hinweis gedeutet, dass die Volksrepublik gewillt sein könnte, ein Stück weit von ihrer strikten Corona-Linie abzuweichen.

"Eine Abkehr von der Zero-Covid-Politik ist damit nicht verbunden", kommentierten die Rohstoff-Experten der Commerzbank. "Dennoch scheint der Markt darauf zu setzen, wie die heutige Preisreaktion zeigt." Neben Rohöl legten auch die Preise von Industriemetallen zu. Die scharfen Bestimmungen stellen seit längerem eine erhebliche Belastung für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt dar. China ist auch einer der global größten Ölverbraucher.

Mit Nachrichtenagenturen
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.