Börse Dax setzt Erholung fort

Der Dax hält sich zu Wochenbeginn über der Marke von 13.000 Punkten. Im Fokus stehen die Aktien von Hellofresh. Der Bitcoin schwankt nach seinem Kurssturz stark.
Händlerin an der Börse: Stabilisierungsversuch nach der turbulenten Vorwoche

Händlerin an der Börse: Stabilisierungsversuch nach der turbulenten Vorwoche

Foto: REUTERS/Ralph Orlowski

Nach dem jüngsten Kursrutsch tasten sich Anleger an die europäischen Aktienmärkte zurück. "Das ist ein Ausdruck der Erleichterung, dass sich die Lage nicht weiter deutlich verschlechtert hat", sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Positive Nachrichten, die die aktuelle Erholung erklären könnten, seien nur schwer zu finden.

Dax  und EuroStoxx50 stiegen am Montag um jeweils rund ein Prozent auf 13.266 beziehungsweise 3466 Punkte, nachdem sie in der vergangenen Woche um etwa 4,5 Prozent verloren hatten. Insgesamt waren die Handelsumsätze allerdings gering, weil die Wall Street wegen eines US-Feiertags geschlossen blieb.

Anders als in früheren Fällen würden die Notenbanken bei einer kommenden Rezession nicht zur Hilfe eilen, warnte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Sie haben klargemacht, dass sie es sich nicht leisten können, die Inflation außer Kontrolle geraten zu lassen. Sie werden alles tun, um sie in den Griff zu bekommen."

Die Sorge, dass die Notenbanken in ihrem Kampf gegen die rekordhohe Teuerung die Wirtschaft zu stark abwürgen könnten, hatte in den vergangenen zwei Handelswochen für enorme Verwerfungen an den Aktien- und Finanzmärkten gesorgt. Der Dax etwa hat seit seinem Zwischenhoch am Pfingstmontag trotz der jüngsten Stabilisierung mehr als 10 Prozent eingebüßt. Dabei hatte er die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten zuletzt nur knapp gehalten.

Rezessions- und Inflationsängste halten die Investoren weiter in Schach. Laut der Credit Suisse haben sich die Anleger zwar mit der Inflationsbekämpfung abgefunden, die Stimmung bleibe allerdings angeschlagen – mit entsprechend hohen Marktschwankungen.

Hellofresh ist Dax-Gewinner

Die größten Kursgewinne im Dax gab es für die 3,8 Prozent höheren Titel des Kochboxenversenders Hellofresh, die in einem europaweit starken Einzelhandelsumfeld einen Stabilisierungsversuch wagten. Ähnliches galt für den Online-Händler Zalando mit plus 1,6 Prozent. Nicht mehr zum Dax zählt ab sofort der Essenslieferdienst Delivery Hero, dessen Papiere der Erholung aber nach zähem Start ebenfalls folgten, mit einem Anstieg um 2,8 Prozent.

Nach kurzer Dax-Abstinenz wieder in die erste Börsenliga aufgerückt sind die Papiere des Konsumgüter- und Klebstoffherstellers Beiersdorf, hier mischten sich die Papiere mit einem Anstieg um 1,8 Prozent auch unter die größten Indexgewinner.

Eine gestrichene Kaufempfehlung durch Oddo BHF drückte auf der anderen Dax-Seite die Papiere von Siemens Healthineers mit 1,4 Prozent ins Minus – sie landeten damit fast am kürzlich erreichten Tief seit Anfang 2021. Analyst Daniel Wendorff blick inzwischen skeptischer auf die Margenentwicklung des Medizintechnikkonzerns.

Unter den Nebenwerten fielen im MDax die Aktien von Varta nach einer Kaufempfehlung positiv auf. Eine Hochstufung auf "Buy" von Goldman Sachs ließ die Papiere des Batterieherstellers um 3,3 Prozent anziehen. Erstmals seit April kosteten sie wieder 90 Euro.

Habeck skizziert Gas-Notfallpläne

Für Unsicherheit sorgen zudem die seit einigen Tagen zurückgehenden Gasliefermengen aus Russland. Wirtschaftsminister Robert Habeck will die deutsche Gasversorgung nun mit neuen Notfallmaßnahmen sichern.

Gesprächsthema dürfte zudem die Parlamentswahl in Frankreich sein. Das Lager des Präsidenten Emmanuel Macron hat nur wenige Wochen nach der Wiederwahl des 44-Jährigen die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung klar verloren. Damit wird es für Marcron, der sich auch eine stärkere Integration Europas auf die Fahnen geschrieben hat, künftig schwerer, seine Vorhaben umzusetzen.

Conti und Hellofresh gefragt

Hierzulande fanden sich im Einklang mit dem europäischen Branchentrend zuletzt die Autowerte unter den größten Dax-Gewinnern, allen voran legten Continental-Papiere um mehr als 2,5 Prozent zu. Aktien des Kochboxenversenders Hellofresh konnten sich nach dem zuletzt erreichten Tief seit April 2020 weiter stabilisieren und verteuerten sich an der Index-Spitze um fast 4 Prozent.

Bei Bayer währte die Freude über einen weiteren gewonnenen Glyphosat-Prozess nur kurz, die Aktien rutschten nach anfänglichen Gewinnen ab auf minus 0,3 Prozent. Händler werteten es als zugleich negative Nachricht, dass die US-Umweltbehörde EPA auf Anweisung eines Berufungsgerichts die Gesundheitsrisiken des zur Unkrautvernichtung eingesetzten Wirkstoffes erneut überprüfen muss.

Beiersdorf ersetzt Delivery Hero im Dax

Die frisch in den MDax abgestiegenen Papiere des Essenslieferdienstes Delivery Hero verloren mehr als 2 Prozent, im Gegenzug waren Beiersdorf nach kurzer Dax-Abstinenz wieder in die erste Börsenliga aufgerückt – die Papiere des Hamburger Konsumgüterkonzerns verteuerten sich moderat um 0,1 Prozent. Das Stühlerücken in der Dax-Familie kann für Kursbewegungen sorgen, da etwa Fonds, die Indizes real nachbilden (physisch replizierende ETF) entsprechend umschichten und umgewichten müssen.

Kein Handel am Montag an der Wall Street

Die US-Börsen hatten am Freitag uneinheitlich geschlossen: Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent, der Nasdaq rückte hingegen um 1,4 Prozent und der S&P 500 um 0,2 Prozent vor. Die Wall Street bleibt allerdings zum Wochenauftakt wegen eines Feiertags geschlossen.

Rezessionsängste werden Experten zufolge die Börsenstimmung auch in der neuen Woche prägen. Ein Belastungsfaktor sind die kräftigen Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Die US-Bank JPMorgan erwartet den Höhepunkt des Straffungskurses der US-Notenbank im zweiten Halbjahr bei dann leicht sinkender Teuerungsrate. Die Fed hat mit 0,75 Prozent gerade erst die höchste Leitzinserhöhung seit 1994 vollzogen.

Rezessionsangst belastet Börse in Japan

In der Region Asien/Pazifik haben sich die wichtigsten Börsen zum Wochenauftakt in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Sinkende Eisenerzpreise drückten etwas auf die Stimmung. Wachstumssorgen beherrschen die Börsen weltweit.

In Japan ging es für den Nikkei 225 weiter abwärts mit 0,7 Prozent auf 25.771 Punkte. Er hatte bereits am Freitag nach der Entscheidung der Bank of Japan für eine unverändert lockere Geldpolitik kräftig nachgegeben.

Chinas Börsen legten zu. Anleger setzten darauf, dass Chinas Regierung die Wirtschaft weiter stützen werde, hieß es. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands stieg um 0,6 Prozent auf 4334 Punkte, der Hang-Seng-Index in Hongkong notierte zuletzt knapp im Plus mit 21.089 Zählern.

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Bitcoin schwankt um 20.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin schwankt weiterhin um die Marke von 20.000 US-Dollar und damit um ihr 18-Monats-Tief. Am Samstag war die Kryptowährung zeitweise um 9 Prozent eingebrochen und bis auf 17.780 US-Dollar gefallen, hatte sich am Abend dann aber wieder etwas erholt. Zuletzt lag der Bitcoin bei 20.465 US-Dollar und damit wieder über der psychologisch wichtigen Marke.

Bitcoin

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben sich zu Beginn der Woche zunächst kaum von der Stelle bewegt. Starke Impulse blieben am Montag zunächst aus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 113,86 US-Dollar. Das waren 25 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls geringfügig auf 109,40 Dollar.

Die Erdölpreise befinden sich wegen des Ukraine-Kriegs seit Wochen auf hohem Niveau. Zuletzt sind sie aber in der Tendenz gefallen. Hauptgrund sind Konjunkturängste, ausgelöst durch weltweit steigende Zinsen. Der Kampf vieler Zentralbanken gegen die hohe Inflation bringt Rezessionssorgen mit sich. Sollte sich die Weltwirtschaft tatsächlich stark abkühlen, dürfte auch der Verbrauch an Rohöl, Benzin und Diesel deutlich zurückgehen. Derartige Szenarien lasten auf den Ölpreisen.

Mit Nachrichtenagenturen