Börse Dax und Dow setzen Kursrutsch fort

Der Dax gibt weiter nach. Der Wahlsieg der Rechtspopulisten in Italien belastet ebenso wie der erneut gefallene Ifo-Index. Auch in den USA bleiben Anleger nervös.
Frankfurter Börse: Der Dax gibt weiter nach

Frankfurter Börse: Der Dax gibt weiter nach

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance / dpa

Nach der verlustträchtigen Vorwoche ist der deutsche Aktienmarkt am Montag an einem Stabilisierungsversuch letztlich gescheitert. Der Dax  beendete den so genannten Xetra-Handel (17.30 Uhr) mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 12 227 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich fast ein Prozent höher notiert hatte. Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es am Ende um 0,4 Prozent auf 22 450 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  gab ebenfalls nach. Der Wahlsieg der Rechtspopulisten in Italien belastete ebenfalls die Börsen. Die designierte Regierungschefin Meloni gefällt sich in einem eurokritischen Kurs, während die EU-Nachbarn und die EZB das hoch verschuldete Italien mit ihren Finanzhilfen über Wasser halten.

Der erneut schwache Ifo-Index hatte kaum Auswirkungen auf die Kurse. In Europa sei bereits sehr viel Pessimismus eingepreist, weitere negative Impulse würden teilweise nur noch mit einem Schulterzucken quittiert, sagte ein Händler.

Ifo-Index fällt stärker als erwartet

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Analysten hatten mit keiner so starken Eintrübung gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die zu erwartende Entwicklung schlechter.

Über die Aktienmärkte weltweit war in der vergangenen Woche eine Welle der Angst vor einem tiefgreifenden Konjunkturabschwung hinweggerollt. Der Dax war am Freitag auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gerutscht. Befeuert wurden diese Sorgen zuletzt vom vehementen Eingreifen der Notenbanken gegen die hohe Inflation. Die Gefahr besteht, dass die Währungshüter dabei über das Ziel hinausschießen und der Wirtschaft schaden.

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Italiens Bond-Rendite auf Neun-Jahres-Hoch

Neu als Sorgenpunkt hinzukommt die politische Zukunft in Italien. Nach der Wahl kann dort das Bündnis um die rechtsradikale Partei Fratelli d'Italia mit einer Regierungsmehrheit rechnen. "Entscheidend wird jetzt, wie sich die designierte Regierungschefin Giorgia Meloni (45) tatsächlich gegenüber der EU verhält", sagte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Ein Befreiungsschlag für den Dax werde damit noch etwas schwieriger.

Anleger trennen sich nun auch von Anleihen des südeuropäischen Staates. Dies hievt die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Neun-Jahres-Hoch von 4,497 Prozent. Im Vergleich zu den Bonds anderer europäischer Staaten fällt die Bewegung jedoch vergleichsweise gering aus, weil auch diese wegen der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und einer drohenden Rezession unter Druck stehen. Grund für die moderate Kursreaktion sei das recht schwache Abschneiden der Lega, die am EU-kritischsten sei, sagte Fondsmanager Giuseppe Sersale vom Vermögensverwalter Anthilia.

Pfund Sterling sinkt auf Rekordtief, Euro auf 20-Jahres-Tief

Zweifel an der Nachhaltigkeit der britischen Staatsfinanzen lösen einen Ausverkauf beim Pfund Sterling aus. Es fällt am Montag um 4,4 Prozent auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Das ist der größte Kursrutsch seit dem Börsencrash vom März 2020. "Die deutlichen Steuersenkungen, die vom Finanzminister angekündigt wurden, bereiten dem Devisenmarkt mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung große Sorgen", sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Gleichzeitig drohten die geplanten Entlastungen den Inflationsdruck noch zu verschärfen. "Die Bank von England (BoE) muss heute eingreifen, um das Pfund zu stabilisieren", sagt Anlagestratege Michael Every von der Rabobank.

Auch der Euro ist weiter unter Druck und sackte erneut auf einen 20-jährigen Tiefstand. Ein Euro kostete in der Nacht im Tief rund 0,95 Dollar und damit so wenig wie letztmalig im Jahr 2002.

Aktien des Gesundheitssektors gefragt nach Kursverlusten

Schnäppchenjäger griffen am Montag vor allem bei jenen Werten zu, bei denen die jüngste Verkaufswelle für deutlich gesunkene Kurse gesorgt hatte. Hierzu gehörten allen voran im Dax einige Werte aus dem Gesundheitssektor. So stiegen Siemens Healthineers um 1,1 Prozent. Aktien des Labordienstleisters Sartorius verteuerten sich an der Dax-Spitze um 3,1 Prozent.

Tech-Werte erholen sich

Europaweit besonders gefragt waren auch Technologiewerte nach dem jüngsten Kursdämpfer. SAP im Dax gewannen 1,4 Prozent, für den Chipindustrieausrüster Aixtron im MDax ging es um 2,2 Prozent nach oben. Weil die Branche stark kreditfinanziert und deshalb von steigenden Zinsen betroffen ist, war sie zuletzt deutlich unter Beschuss geraten.

Auch griffen die Anleger bei jenen Unternehmen zu, die in der jüngsten Vergangenheit mit Gewinnwarnungen oder kassierten Jahreszielen negativ aufgefallen waren. Die Papiere des Gabelstaplerherstellers Kion kletterten nach der Gewinnwarnung vor knapp zwei Wochen nun um 2,7 Prozent.

Die Anteilsscheine von Uniper setzten ihre Erholung der vergangenen Handelstage mit einem Kurssprung von 12 Prozent fort. Ein Beratergremium der Bundesregierung sieht in der geplanten Verstaatlichung des Gasimporteurs auf Dauer eine Gefahr für den Wettbewerb. Angesichts der allgemeinen Lage sei die Verstaatlichung zwar "politisch nachvollziehbar", dürfe aber keine langfristige Lösung sein, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Jürgen Kühling, der "Süddeutschen Zeitung".

US-Börsen: Dow setzt Kursrutsch fort, Nasdaq kaum verändert

Die Angst vor einer Rezession hat die US-Aktienmärkte weiter im Griff. Immer noch Sorge bereitet den Anlegern aber die Aussicht auf weitere deutliche Zinsschritte der US-Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation und die damit einhergehende Furcht vor einem möglichen Konjunktureinbruch. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab zuletzt um 0,5 Prozent nach. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 notierte kaum verändert.

"Wir befinden uns in einer düsteren Periode", schrieb Ed Yardeni, Präsident des gleichnamigen Analysehauses. Für die US-Wirtschaft zögen dunkle Wolken auf, denn die jüngsten Daten deuteten auf einen ausgeprägten Wirtschaftsabschwung hin. "Und auch die Risiken einer ausgewachsenen Rezession nehmen offenbar zu." Gleichwohl ergäben sich bei einem derart weit verbreiteten Pessimismus der Anleger auch Einstiegsgelegenheiten in den Markt.

Macau wieder offen für Glücksspieler

Die Anteilscheine des Casino- und Ressortbetreibers Las Vegas Sands schnellten um mehr als 13 Prozent hoch. Zuvor hatte die Regierung von Macau mitgeteilt, das Glücksspielparadies ab November wieder für Touristen zu öffnen. Die chinesische Sonderverwaltungszone verfolgt wie Festland-China eine strenge Null-Covid-Politik mit zahlreichen Einschränkungen.

Nikkei im Minus, CSI im Plus

Die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte sind unterschiedlich in die Woche gestartet. Während der japanische 225 Werte umfassende Nikkei-Index  nach einer Feiertagspause am Freitag zuletzt mit rund 2,5 Prozent im Minus stand, konnten sich die chinesischen Märkte behaupten. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen der chinesischen Festlandbörsen legte leicht zu. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong pendelte der Hang Seng um seinen Freitagsschluss.

Bitcoin pendelt um 19.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiterhin unter Druck und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 19.013 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise schwächer

Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn an ihre deutlichen Abschläge aus den vergangenen Wochen angeknüpft. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  85,16 US-Dollar. Das waren 99 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 94 Cent auf 77,80 Dollar. Damit rangieren die Preise auf dem niedrigsten Niveau seit Januar.

Die Erdölpreise werden seit einiger Zeit durch eine Reihe von Entwicklungen belastet, allen voran durch den Krieg in der Ukraine. Starker Druck kommt auch von dem aufwertenden US-Dollar, da er Rohöl für Investoren aus anderen Währungsgebieten rechnerisch verteuert und auf deren Nachfrage lastet. Hinzu kommen die starken Zinsanhebungen vieler Zentralbanken, die sich gegen die sehr hohe Inflation stemmen. Die steigenden Zinsen trüben die Konjunkturaussichten und dämpfen die erwartete Nachfrage nach Öl, Benzin und Diesel.

Mit Nachrichtenagenturen
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