Zinsangst und Kursrutsch Dax unter Druck, Dow Jones erholt sich

Weil die US-Notenbank nach jüngsten Inflationsdaten den nächsten großen Zinsschritt plant, ziehen sich Aktienanleger weiter zurück. Der Dax stürzt zeitweise unter die Marke von 13.000 Punkten. An der Wall Street lässt der Druck auf die Kurse im Handelsverlauf nach.
Zum Weggucken: Dax und Dow Jones stehen latent unter Druck

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Foto: Eduardo Munoz Alvarez / dpa

Der Schock nach den US-Inflationsdaten vom Vortag hatte den Dax  auch am Mittwoch im Griff. Nach dem Einbruch der wichtigsten US-Indizes setzte der deutsche Leitindex seinen Kursrutsch fort. Der deutsche Leitindex fiel mit einem Minus von 1,2 Prozent zeitweise erneut unter die Marke von 13.000 Zählern und hat damit binnen zwei Tagen mehr als 600 Punkte eingebüßt. Tags zuvor war der Dax mit 13.574 Punkten noch an seine 100-Tage-Linie herangelaufen, bevor die hohe US-Inflation die Anleger kalt erwischte. Der Dow Jones fiel daraufhin zwischenzeitlich wieder auf das Niveau von Mitte Juli zurück. Am Kryptomarkt gab die Kryptowährung Bitcoin um rund 10 Prozent nach und droht wieder unter die Marke von 20.000 US-Dollar zu stürzen.

Da die US-Börsen am Mittwoch kaum verändert in den Handel starteten, verharrte der Dax am Nachmittag deutlich im Minus. Zum Handelsschluss verzeichnete der deutsche Leitindex ein Minus von 1,2 Prozent auf 13.028 Punkte.

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Lufthansa unter Druck, Sixt im MDax gefragt

Für die Papiere der Lufthansa ging es um dreieinhalb Prozent nach unten, nachdem der Bund seine Beteiligung an der Fluggesellschaft komplett verkauft hat. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds veräußerte seinen zuletzt verbliebenen Anteil von knapp zehn Prozent im Rahmen einer Blockplatzierung an internationale Investoren. Zugleich stockte Großaktionär Klaus Michael Kühne seinen Anteil auf.

Am deutschen Aktienmarkt vergraulte der Gabelstapler-Hersteller Kion die Investoren mit seinen Prognosen. Die Aktien brachen um mehr als 19 Prozent ein. Kion zufolge belasteten Störungen in den Lieferketten das Ergebnis im dritten Quartal. "Eine Gewinnwarnung war erwartet worden, aber nicht in diesem Ausmaß", sagte ein Händler. Die Margen würden sehr wahrscheinlich unter Druck bleiben, da die Firma nicht in der Lage sei, die höheren Kosten bei langjährigen Projekten an die Kunden weiterzureichen.

Entlastung an der Wall Street

Nach dem Inflations- und Zinsschock und hohen Kursverlusten am Vortag blieben die Anleger an den US-Börsen vorsichtig. Die Wall Street startete am Mittwoch zunächst kaum verändert in den Handel und drehte nach einer Stunde Handel erneut ins Minus. Später ließ der Druck nach, der Dow Jones notierte zuletzt 0,3 Prozent im Plus. Auch der breite Index S&P 500 rückte um 0,9 Prozent vor. Auslöser waren positiv aufgenommene Erzeugerpreise aus den USA. "Nach dem gestrigen Ausverkauf ist so ziemlich alles willkommen", sagte Hugh Johnson, Chef-Volkswirt vom Research-Haus Hugh Johnson Economics. Am Vortag war der Dow Jones um mehr als 3 Prozent eingebrochen, der Nasdaq 100 verlor knapp 5 Prozent.

Dennoch rechnet weiterhin ein großer Teil der Investoren damit, dass die Fed in der kommenden Woche den Leitzins nicht nur wie bislang erwartet um einen Dreiviertel-, sondern einen vollen Prozentpunkt anhebt. Daher flogen bereits gehandelte, niedriger verzinste Staatsanleihen aus den Depots. Besonders hart traf es kürzer laufende Papiere. Dies trieb die Rendite der zweijährigen US-Bonds zeitweise auf ein 15-Jahres-Hoch von 3,834 Prozent.

Am Aktienmarkt zogen sich Investoren bei Eisenbahn-Betreibern wie Union Pacific oder CSX zurück. Ihre Aktien fielen wegen eines drohenden Streiks um jeweils etwa ein Prozent. Die Unternehmen haben bis Freitag um eine Minute nach Mitternacht Zeit, um sich mit drei Gewerkschaften zu einigen. Ein Stillstand könnte fast 30 Prozent der US-Gütertransporte zum Erliegen bringen.

Bitcoin pendelt um 20.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin war ebenfalls nach Veröffentlichung der US-Inflationsdaten um knapp 10 Prozent abgerutscht. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Coinbase  wieder um die Marke von 20.000 US-Dollar, nachdem sie am Vortag noch oberhalb der 22.000 Dollar Marke notiert hatte. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise zeigten sich am Mittwochmorgen kaum verändert. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  93,19 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) notierte ebenfalls wenige verändert bei 87,36 Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen
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