Börse Dax dämmt Verluste ein, Nasdaq dreht ins Plus

Der Krieg in der Ukraine schickt den Dax Richtung 14.000 Punkte. Der Ölpreis steigt über die Marke von 100 Dollar. Rüstungsfirmen wie Hensoldt und Rheinmetall legen zweistellig zu. Neben Rüstungsfirmen profitieren auch die Anbieter von erneuerbarer Energie.
Kursverluste: Der Dax gibt am Montag erneut nach

Kursverluste: Der Dax gibt am Montag erneut nach

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Stabilisierungs-Versuch am Aktienmarkt: Der Dax , der am Vormittag noch etwas mehr als drei Prozent verloren hatte, beendete den Handel mit einem relativ moderaten Abschlag von 0,73 Prozent auf 14.461 Punkte. Am vergangenen Donnerstag war der deutsche Leitindex infolge des Angriffs auf die Ukraine bis auf fast 13.800 Punkte abgesackt, bevor am Freitag eine Erholung einsetzte. Der MDax schloss am Montag sogar mit 0,23 Prozent im Plus bei 31.873 Zählern. In den USA verringerte der US-Leitindex Dow Jones bis Handelsschluss um 22 Uhr seine Verluste auf 0,5 Prozent. Der Tech-Index Nasdaq 100 drehte sogar in die Gewinnzone.

Europaweit verringerten die Börsen ebenfalls ihre Tagesverluste. Der EuroStoxx 50 ging mit minus 1,17 Prozent auf 3924 Zähler aus dem Handel, und auch in Paris und London wurden die Verluste eingedämmt. Dennoch: Mit einem Minus von insgesamt rund sieben Prozent hat der Dax im Montag Februar den größten Monatsverlust seit 18 Monaten erlitten.

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100 Milliarden Euro für die Bundeswehr - Rüstungsfirmen Rheinmetall und Hensoldt haussieren

Bei Rüstungsfirmen spekulierten Anleger dagegen auf sprudelnde Gewinne. So will Deutschland einmalig 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr stecken und künftig jährlich mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Wenn die Nato-Staaten allein Letzteres umsetzten, würde dies insgesamt zu einem Anstieg der Rüstungsausgaben um 25 Prozent führen, rechnete Analystin Chloe Lemarie von der Investmentbank Jefferies vor. Die USA seien dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Dies bescherte Rheinmetall einen Rekord-Kurssprung von knapp 50 Prozent. Die Aktien des Herstellers des "Leopard 2"-Panzers notierten mit 160 Euro zeitweise so hoch wie nie. Die Titel des Rüstungselektronik-Anbieters Hensoldt stiegen um fast 90 Prozent und die seines Großaktionärs Leonardo um rund 18 Prozent. In London gewannen die Papiere von BAE Systems knapp 16 Prozent auf ein Rekordhoch von 756 Pence und steuerten damit auf den größten Tagesgewinn seit 35 Jahren zu. In Paris legten die Aktien von Thales etwa 16 Prozent zu.

Abschied vom russischen Gas - Anbieter erneuerbarer Energien legen zu

In der Hoffnung auf eine beschleunigte Energiewende steigen Investoren bei Ökostrom-Werten ein. Die Aktien des Windkraftanlagen-Bauers Vestas steuerten am Montag in Kopenhagen mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit mehr als sieben Jahren zu. Die Titel des Rivalen Nordex legten etwa 18 Prozent zu, so stark zu wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Siemens Gamesa rückte in Madrid gut elf Prozent vor. Die Papiere der Ökostrom-Anbieter Orstedt und EDP Renovaveis gewannen bis zu zehn Prozent. Im Dax zählten die Titel von Siemens Energy mit einem Kursplus von 8 Prozent zu den größten Gewinnern.

Europäische Banken sowie US-Banken verlieren deutlich

Gleichzeitig rutschte der europäische Banken-Index um sechs Prozent ab. Zu den größten Verlierern zählten hier Institute mit einem großen Russland-Geschäft. So fielen die Titel der österreichischen Raiffeisen Bank um bis zu 18,5 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 13,90 Euro. Die Papiere der HVB-Mutter UniCredit notierten zwölf Prozent schwächer. "Der Ausschluss russischer Banken aus dem internationalen Zahlungsverkehr bedeutet, dass diese Finanzinstitute ihre Verbindlichkeiten gegenüber ihren europäischen Gläubigern nicht mehr begleichen können", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Mit EU-weit 75 Milliarden Dollar seien diese Außenstände aber überschaubar.

USA: Dow Jones knapp im Minus, Nasdaq dreht ins Plus, Tesla setzt Erholung fort

Die US-Börsen haben am Montag im späten Handel Stärke gezeigt. Der Leitindex Dow Jones Industrial verringerte bis zum Handelsschluss an der Wall Street seine Verluste au 0,5 Prozent. Der technologielastige Index Nasdaq 100 drehte zuletzt sogar um 0,4 Prozent in die Gewinnzone. Schwergewichte wie die Aktie von Tesla, die in den vergangenen Wochen massiv eingebrochen waren, setzten ihre am Freitag begonnene Erholung fort. Die Tesla-Aktie  notierte zuletzt rund 7 Prozent im Plus bei 860 US-Dollar.

Nasdaq

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Russischer Rubel stürzt auf Rekordtief - Zentralbank verdoppelt Leitzins auf 20 Prozent - Panikverkäufe bei Anleihen

In Russland sind die ersten Auswirkungen der Sanktionen zu spüren. Der russische Rubel stürzte wegen der verschärften Sanktionen auf ein Rekordtief. Bereits am Sonntag hatten sich vor Bankautomaten in Russland Schlangen gebildet. Bei russischen Staatsanleihen lösten die verschärften Sanktionen am Montag Panikverkäufe aus. So verloren die Papiere mit Laufzeiten bis 2024 und 2043 jeweils mehr als 50 Prozent an Wert. Im Gegenzug verdoppelten sich die Renditen auf 17,073 beziehungsweise 20,003 Prozent.

Russland stemmt sich derweil gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzsanktionen. Die Zentralbank in Moskau verdoppelte am Montag den Leitzins auf 20 Prozent von 9,5 Prozent. Damit reagierte die Notenbank auf weitere Sanktionen der Europäischen Union, die sich auch gegen die Zentralbank selbst richten. Die Moskauer Börse blieb weitgehend geschlossen.

In der Nacht beschloss die EU, die Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft zu setzen, die die weitere Finanzierung der Invasion erschweren sollen. Die neuen Restriktionen sollen verhindern, dass Russland seine hohen Devisenreserven etwa in Euro, Pfund und Dollar nutzen kann. Großbritannien kündigte einen ähnlichen Schritt an, die USA wollen folgen. Japan und Südkorea schlossen sich dem Ausschluss Russlands aus dem internationalen Finanzabwicklungssystem Swift an. Südkorea verhängte zudem einen Exportstopp für Hochtechnologiegüter an Russland.

Bitcoin steigt wieder über 40.000 US-Dollar

Digitalwährungen wie Bitcoin waren am Freitag deutlich gestiegen und hatten die Marke von 40.000 US-Dollar zeitweise überwunden. Auch andere Kryptowährungen legten zu. Am Wochenende fiel Bitcoin zeitweise wieder auf 37.000 US-Dollar, holte die Verluste aber wieder auf und kletterte am Montagnachmittag zeitweise sogar über die Marke von 41.000 US-Dollar. Die Kursgewinne von rund 10 Prozent erklärten Beobachter damit, dass der Swift Ausschluss Russlands die Kryptowährungen als Ausweichwährung wieder in den Blickpunkt rücke. Reiche Russen könnten versuchen, Vermögen in Kryptowährung zu parken, um den Sanktionen westlicher Staaten zu entgehen.

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Asiatische Märkte im Minus

Die Verschärfung des Krieges in der Ukraine vertreibt am Montag die Anleger in Asien aus den Märkten. "Wir hatten eine Flut von sehr negativen Informationen über das Wochenende", sagte Kyle Rodda, Marktanalyst bei IG Australien. "Die Volatilität ist erhöht, die Kurse sind unglaublich unbeständig." Im eskalierenden Streit mit dem Westen hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Atomstreitkräfte seines Landes am Sonntag in Alarmbereitschaft versetzt.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,5 Prozent tiefer bei 26.341 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,1 Prozent und lag bei 1874 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag 0,1 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,4 Prozent.

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Ölpreis weiter über 100 US-Dollar

Die Ölpreise haben am Montag weiter zugelegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um 2,03 US-Dollar auf 104,11 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,78 Dollar auf 96,60 Dollar zu.

Brent

Im asiatischen Devisenhandel blieb der Dollar fast unverändert bei 115,52 Yen und gab 0,1 Prozent auf 6,3106 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er 0,2 Prozent höher bei 0,9268 Franken. Parallel dazu fiel der Euro um 1 Prozent auf 1,1153 Dollar und gab 0,9 Prozent auf 1,0341 Franken nach. Das Pfund Sterling verlor 0,4 Prozent auf 1,3350 Dollar..

Mit Nachrichtenagenturen