Kursrutsch Ausverkauf an der Börse – Gaskrise schockt Anleger

Russland liefert kein Gas mehr: Der Dax stürzt, Anleger fürchten eine Rezession. Energiewerte brechen ein nach der Ankündigung der Bundesregierung, "Zufallsgewinne" abzuschöpfen.
Ausverkauf an der Börse: Der Dax beschleunigt seinen Kurssturz. Die Energiekrise geht mit dem unbefristeten Stopp russischer Gaslieferungen in ihre nächste Phase

Ausverkauf an der Börse: Der Dax beschleunigt seinen Kurssturz. Die Energiekrise geht mit dem unbefristeten Stopp russischer Gaslieferungen in ihre nächste Phase

Foto: DPA

Kurssturz im Dax: Die Furcht vor einer Rezession in Europa durch ausbleibende russische Gaslieferungen löst hektische Verkäufe an den heimischen Aktienmärkten aus. Der Dax  fiel am Montag zeitweise um mehr als 3 Prozent auf 12.642 Punkte und steuerte auf den größten Tagesverlust seit Anfang März zu. Bis zum Handelsschluss auf Xetra konnte er seine Verluste auf 2,2 Prozent eindämmen und schloss um 17.30 Uhr bei 12.760 Zählern. Der MDax gab um 2 Prozent nach, und der EuroStoxx50  rutschte am Montag um 2,6 Prozent auf 3451 Zähler ab. Analysten sprachen von einem "Lehman-Moment" am Aktienmarkt. Auch am Anleihemarkt kam es zu einem Kurswechsel.

Neue Impulse aus New York wird es im Tagesverlauf wegen eines Feiertags an der Wall Street nicht geben.

Parallel dazu gab der Euro um bis zu 0,8 Prozent nach und stürzte auf ein 20-Jahres-Tief von 0,9875 Dollar. Gleichzeitig ging der Preis für Erdgas wegen des russischen Lieferstopps durch die Decke: Dadurch stieg der europäische Future in der Spitze um 34 Prozent auf 280 Euro je Megawattstunde.

Russland liefert Deutschland und Europa praktisch kein Gas mehr. Putin verschärft damit seinen Wirtschaftskrieg gegen die europäischen Demokratien. Gazprom hatte am Freitagabend nach Börsenschluss mitgeteilt, bis auf Weiteres kein Gas über die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland und in andere europäische Staaten zu liefern. Als Grund führte der staatliche russische Energieriese an, dass bei Wartungsarbeiten angeblich ein Öl-Leck entdeckt worden sei. Die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde und Siemens Energy als Lieferant von Pipeline-Technik widersprachen dieser Darstellung.

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Gasversorger Uniper auf Talfahrt

Der wegen ausbleibender russischer Lieferungen bereits in Schieflage geratene Gasversorger Uniper geriet erneut auf Talfahrt. Die Aktien fielen im MDax um bis zu 13 Prozent auf ein Rekordtief von 4,91 Euro. Da sich das Unternehmen kurzfristig aus anderen Quellen mit Erdgas eindecken müsse, summierten sich die Verluste bei den aktuellen Preisen auf 100 Millionen Euro pro Tag, rechneten die Analysten der Bank Credit Suisse vor.

Abwärts ging es auch für RWE und Eon, deren Papiere sich um bis zu 4,3 Prozent verbilligten. Die Stromkonzerne litten unter anderem unter der geplanten Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen von Energiefirmen. Die Idee sei zwar nicht neu, werde nun aber konkret, sagte ein Börsianer.

Europaweit und auch hierzulande verzeichneten vornehmlich stark konjunkturabhängige Branchen wie der Chemie- und der Automobilsektor deutliche Verluste. Besonders unter Druck gerieten auch Chemieaktien. Die Branche benötigt viel Gas für die Produktion.

In dem von der Gaskrise schwer belasteten Marktumfeld litten auch die Aktien aus der Online-Branche deutlich. Allen voran galt dies für Hellofresh, die im Handelsverlauf auf den niedrigsten Stand seit März 2020 fielen und zuletzt um mehr als vier Prozent einknickten.

Feiertag in den USA

Die neuerliche Eskalation der Gaskrise in Europa hat die US-Börsen am Freitag deutlich ins Minus gedrückt. Anfängliche Gewinne im Zuge robuster Arbeitsmarktdaten verpufften. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial büßte zwischenzeitliche Gewinne von mehr als 1 Prozent ein und fiel am Ende um 1,1 Prozent auf 31.318 Punkte. Im Wochenverlauf verzeichnet der bekannteste Wall-Street-Index damit einen Verlust von 3 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 1,1 Prozent auf 3924 Punkte abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 1,4 Prozent auf 12.098 Zähler.

Asien-Börsen uneinheitlich

Die wichtigsten Handelsplätze in Asien haben zu Wochenbeginn in der Mehrzahl nachgegeben. In China rutschte der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands zuletzt um 0,4 Prozent auf 4006 Punkte ab. Damit weitete er die Verluste der Vorwoche aus. Etwas besser lief es in Tokio, wo der japanische Nikkei-Index  mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 27.619 Punkten schloss. Im frühen Handel war er zunächst auf den tiefsten Stand seit über einem Monat gefallen, ehe er sich etwas stabilisierte.

Bitcoin vergleichsweise stabil

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 19.784 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise steigen vor Opec-Treffen

Die Ölpreise haben sich am Montag erholt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  95,01 US-Dollar. Das waren 1,99 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,79 Dollar auf 88,66 Dollar.

Rund 20 Ölproduzentenländer beraten am Montag im Rahmen der Allianz Opec+ über ihre Förderquoten ab Oktober. Viele Marktbeobachter erwarten, dass die Gruppierung in der Online-Sitzung an ihren bisherigen Produktionszielen festhält. Saudi-Arabien, eines der dominierenden Mitglieder, hat jedoch unlängst auch die Möglichkeit einer Produktionskürzung in den Raum gestellt.

Die Opec+, zu der auch Russland gehört, hatte in ihrer vorherigen Monatssitzung Anfang August beschlossen, das gemeinsame Tagesproduktionsziel im September um die geringe Menge von 100.000 Barrel anzuheben. Größere Sprünge nach oben seien wegen der extrem begrenzten Kapazitätsüberschüsse kaum möglich, hieß es.

Zu Ende der vergangenen Handelswoche waren die Ölpreise nach mehreren Tagen mit Abschlägen wieder gestiegen. Zuvor war Rohöl unter Druck geraten. Zu den Faktoren für den Abwärtstrend gehörten Sorgen über die globale Wirtschaft, der Kampf vieler Zentralbanken gegen die Inflation sowie der starke Dollar, der den in der US-Währung gehandelten Rohstoff für viele Marktteilnehmer verteuert. Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das Preisniveau jedoch weiter deutlich höher als vor dem Konflikt.

Mit Nachrichtenagenturen
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