Dienstag, 12. November 2019

Absturz an den Börsen Ausverkauf an der Wall Street - Peking wertet ab, Dax taucht ab

Absturz an der Börse: Dax, Dow Jones und Nasdaq tauchen ab

Eskalation im Handelskrieg: Peking wertet die eigene Währung Yuan drastisch ab und reagiert damit auf die von Donald Trump angekündigten neuen Strafzölle. Die US-Börsen brechen am Montag ein. Dax-Anlegern stehen schwierige Tage bevor.

Absturz nach der Notenbank-Rally: Wochenlang sind die Indizes weltweit gestiegen, gestützt auf die Hoffnung weiterer Zinssenkungen durch die Notenbanken. Trotz globaler Handelskonflikte, einer abflauenden Konjunktur und eines drohenden Brexit griffen Aktienkäufer weiter zu: Doch nun haben die neuen Drohungen Donald Trumps gegen China die Sorglosigkeit beendet. Nachdem der US-Präsident neue Strafzölle gegen China ab September angekündigt hatte, reagierte Peking mit einer deutlichen Abwertung seiner eigenen Währung sowie einen Importstopp für US-Agrarprodukte und läutete damit eine neue Runde im eskalierenden Handelskrieg ein.

Dies ließ auch die US-Börsen einknicken. An der Wall Street bringen Anleger Geld in Sicherheit: Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen verlor am Montag zeitweise mehr als 800 Punkte und beendete den US-Handel schließlich mit einem Minus von 2,9 Prozent. Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen verlor sogar 3,6 Prozent. Der Dax Börsen-Chart zeigen, der den Handelstag in Deutschland mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 11658 Zähler beendet hatte, droht am Dienstag unter die Marke von 11.600 Zählern zu fallen. Binnen 10 Tagen hat der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen damit knapp 1000 Punkte (rund 8 Prozent) verloren.

Handelskonflikt eskaliert - Peking stoppt Agrarimporte aus den USA

China beließ es nicht bei der Abwertung der eigenen Währung. Zudem teilte das Handelsministerium in Peking mit, chinesische Unternehmen würden keine Agrargüter mehr aus den USA importieren. Damit zeigt sich Peking von den jüngsten Drohungen Trumps unbeeindruckt und warf Trump seinerseits Foulspiel vor: Die angekündigte US-Zollerhöhung sei eine "schwere Verletzung" der Vereinbarung des jüngsten Treffens der beiden Staatsoberhäupter, betonte das chinesische Handelsministerium. Die Einfuhren hatte China vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu entschärfen.


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Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatten erste Ende Juni am Rande des G20-Gipfels in Osaka einen "Waffenstillstand" im Handelskrieg und eine Wiederaufnahme der Gespräche vereinbart. Dieser ist nun aufgegeben - und die Finanzmärkte reagieren mit einer Ausverkaufswelle.

Währung als Waffe: Yuan überschreitet rote Linie gegenüber Dollar

Chinas Währung gab am Montag deutlich nach. Ein Dollar kostete erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als vermeintlich "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Dass sie es jetzt doch zugelassen hat, rief bei Analysten Sorgen hervor: "Die brennende Frage lautet nun, ob China seine Währung zur Waffe stilisieren möchte, um in einem unübersichtlichen Handelskrieg zurückschlagen zu können", sagte Commerzbank-Experte Hao Zhou.

Trump hatte vor wenigen Tagen weitere Strafzölle von 10 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar angekündigt. Im Falle einer Ausweitung wären faktisch alle chinesischen Einfuhren in die USA mit Strafzöllen belegt. Trump hatte seine Ankündigung auch damit begründet, dass China nicht - wie eigentlich zugesagt - mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe.

Trump kritisierte die Abwertung des Yuan mit scharfen Worten. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sprach er von "Währungsmanipulation". China habe den Kurs seiner Währung nahe an ein historisches Tief gesenkt. "Das ist ein schwerwiegender Verstoß, der China im Laufe der Zeit erheblich schwächen wird!" Offiziell bezichtigt das US-Finanzministerium China bislang nicht der Währungsmanipulation.

Goldpreis steigt deutlich

An den Finanzmärkten steuerten die Anleger am Montag sichere Häfen an. Der Goldpreis stieg auf ein neues Sechsjahreshoch. Gold gilt traditionell als Krisenschutz, der in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird. Am Devisenmarkt wurden als sicher geltende Währungen nachgefragt. Vor allem der japanische Yen und der Schweizer Franken erhielten Zulauf.

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von Chinas Notenbank in Grenzen gesteuert. Dies wirft bei jeder Marktbewegung die Frage auf, inwieweit die Kursbewegung durch die Marktteilnehmer oder durch die Notenbank zustande kam. Grundsätzlich legt die Zentralbank täglich einen Mittelkurs fest, um den der Yuan in Grenzen schwanken darf. Bei der Festlegung des Mittelkurses orientiert sich die Notenbank aber an der vorherigen Marktentwicklung. Faktisch handelt sich also um ein Mischverfahren.

Die Notenbank führte die jüngste Abwertung in einer Stellungnahme auf protektionistische Tendenzen zurück, was als Umschreibung für den Handelsstreit mit den USA gelten kann. Notenbankchef Yi Gang versicherte zugleich, China beabsichtige nicht, seine Währung im Handelskonflikt zu instrumentalisieren. Der gegenwärtige Wechselkurs bewege sich auf einem angemessenen Niveau.

mit dpa und reuters

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