Börse Dax setzt Rallye fort

Der Dax notiert weiter fest im Plus, hat sich von seinem Tageshoch aber deutlich entfernt. Aktien von Morphosys brechen zweistellig ein. An der Wall Street notiert der Dow Jones leicht im Plus, Technologieaktien geben im Schnitt nach. Der Bitcoin bleibt unter Druck.
Börse Frankfurt am Main: Der Dax notiert am Montag fest – auch ohne Rückenwind von der New Yorker Wall Street

Börse Frankfurt am Main: Der Dax notiert am Montag fest – auch ohne Rückenwind von der New Yorker Wall Street

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Frank Rumpenhorst / dpa

Die Anleger bekommen bei deutschen Aktien noch keine Höhenangst. Der Dax  setzte am Montag seine jüngste Rally fort: Mitunter gestützt auf ambitionierte Langfristziele des Chipkonzerns Infineon konnte er ein Plus von 0,62 Prozent auf 14.313 Punkte über die Ziellinie bringen. Mittlerweile hat sich der Leitindex seit dem Jahrestief von Ende September um mehr als ein Fünftel erholt.

"Den Aktienmarkt trägt zum einen die Zuversicht, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und die Fed nicht allzu weit davon entfernt ist, die Zinserhöhungen zu unterbrechen", schrieb Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets. Zum anderen helfe aber auch die Tatsache, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht so schlecht entwickele wie noch im Sommer angenommen.

Der MDax zog vor diesem Hintergrund am Montag um 1,27 Prozent auf 26.305 Punkte an, während der EuroStoxx 50 um gut ein halbes Prozent zulegte. Das Bild war damit im europäischen Handel etwas besser als in New York, wo die Leitindizes eher durchwachsen in die neue Woche starteten. An der Nasdaq-Börse kam es dort zunächst zu Gewinnmitnahmen.

Experten sehen das charttechnische Bild des Dax nach langer Durststrecke mittlerweile wieder positiver. "Der Sprung über die 200-Tage-Linie hat die Stimmung an der Frankfurter Börse um 180 Grad gedreht und Kräfte freigesetzt", argumentierte Oldenburger. Diese Linie ist bei Anlegern ein sehr beliebter Langfristindikator.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag an seine Rallye der Vorwoche angeknüpft. Der Dax  stieg am Nachmittag nach Eröffnung der US-Börse zuletzt noch mit 0,80 Prozent im Plus bei 14.337 Zählern. Das Tageshoch hatte gut eine halbe Stunde zuvor bei 14.431 Punkten gelegen. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex einen Gewinn von 5,7 Prozent verbucht und sich seit dem Jahrestief Ende September um satte 20 Prozent erholt. Der MDax  stieg zuletzt noch um 1,18 Prozent auf 26.282 Punkte. Der EuroStoxx 50  legte um rund 0,70 Prozent zu.

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Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets sieht auf der Haben-Seite des Dax das deutlich verbesserte Bild aus technischer Sicht mit dem Überspringen der als längerfristiger Trendindikator geltenden 200-Tage-Linie und dem Ausbruch aus dem Abwärtstrend seit Jahresbeginn. "Auf der Soll-Seite stehen eben jene 2400 Punkte Plus der vergangenen sechs Wochen und die daraus resultierende Verführung, ein paar dieser Gewinne auch mal mitzunehmen", bemerkte Molnar.

Anleger in USA halten sich zurück

An der Wall Street halten sich die Anleger am Montag nach der jüngsten Rallye erst einmal zurück. Der Leitindex Dow Jones notierte zuletzt noch 0,1 Prozent fester auf 33.769 Zähler. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,14 Prozent auf 3987 Punkte leicht abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 sank um 0,67 Prozent auf 11.737 Zähler.

Ende der vergangenen Woche hatten Hoffnungen auf moderatere Zinserhöhungen die Märkte angetrieben. Ausgelöst wurden diese am Donnerstag durch eine etwas deutlicher als erwartete Abschwächung der Verbraucherpreise im Oktober. Daraufhin war die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen deutlich gefallen, während die technologielastige Nasdaq-Börse deutlich nach oben geklettert war. Sie hatte zuletzt stark unter der Aussicht auf ein weiterhin sehr straffes Vorgehen der Notenbank Fed gelitten.

Nun folgte eine kleine Gegenbewegung: Die Renditen zogen wieder etwas an. Der US-Dollar legte gegenüber vielen anderen wichtigen Währungen zu. Die Experten der Postbank verwiesen auf Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller. Dieser sagte, dass in der Inflationsbekämpfung noch eine "weite Strecke zu gehen" sei.

Kurseinbruch bei Morphosys

Eine herbe Enttäuschung bei einem Kandidaten für ein Alzheimer-Medikament löste bei den Morphosys-Aktien einen Kurseinbruch von zuletzt noch 29 Prozent auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2010 aus. Der Schweizer Pharmakonzern Roche verfehlte in seinem Alzheimer-Programm mit dem Wirkstoff Gantenerumab die gesteckten Ziele. Morphosys ist Lizenzpartner von Roche bei diesem Alzheimer-Kandidaten. Vorstandschef Jean-Paul Kress hatte sich noch Ende Oktober zuversichtlich zu den Chancen des Mittels geäußert. Damit sei die letzte Hoffnung von Morphosys zerstört, sagte ein Händler.

Infineon versetzte dem Leitindex im Tagesverlauf einen gewissen Schub, indem die Papiere des Chipkonzerns wegen erhöhter Langfristziele anzogen. Ein Anstieg um 7,8 Prozent stand am Ende zu Buche, was die Spitzenposition im Dax bedeutete. Infineon erwartet künftig ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent. Auch die Profitabilität soll deutlicher steigen als geplant.

Infineon verdrängte die 4,4 Prozent höheren Aktien von Merck KGaA auf den zweiten Rang. Nachdem Bank of America den Titeln des Pharma- und Chemiekonzerns eine Kaufempfehlung aussprach, erreichten diese ihren höchsten Stand seit Mitte August. Analyst Sachin Jain zeigte sich optimistisch für die Pharma-Pipeline, er hält die Aktie für attraktiv bewertet.

Die Aktien von Rheinmetall zogen nach einem angekündigten Zukauf dagegen um 6,7 Prozent an. Der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern will sein Munitionsgeschäft mit einer Übernahme in Spanien ausbauen.

Im Kleinwerte-Index SDax sprangen Adesso um 9,4 Prozent nach oben. Der IT-Dienstleister verdiente dank des anhaltenden Digitalisierungstrends im dritten Quartal operativ 30 Prozent mehr. Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies sprach von starken Kennziffern.

Vor Adesso wurden Uniper mit plus 17,5 Prozent zum größten SDax-Gewinner. Die Titel des Energiekonzerns setzten ihre steile Erholung den dritten Handelstag in Folge fort. Positiv gewertet wurde, dass die EU-Kommission grünes Licht für die Verstaatlichung des früheren Gazprom-Ablegers Securing Energy for Europe gegeben hat. Börsianer sahen darin ein positives Indiz für eine beihilferechtliche Genehmigung der Uniper-Verstaatlichung.

Bitcoin pendelt bei 16.500 Dollar

Nach dem Rutsch auf ein Zweijahrestief hatte sich der Bitcoin zwischenzeitlich stabilisiert, knickte in der Nacht zum Montag aber wieder um fast 1000 US-Dollar ein. Zuletzt drehte der Bitcoin in ein leichtes Plus und notierte die Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 16.561 Dollar.

Probleme bei der Krypto-Börse FTX hatten den Markt zuvor in Turbulenzen versetzt. FTX hatte am Freitag Insolvenzantrag gestellt, inzwischen ermittelt die Polizei auf den Bahamas wegen Verdacht auf Veruntreuung von Kundengeldern. Der Gründer und CEO, Sam Bankman-Fried, war Ende vergangener Woche zurückgetreten.

Bitcoin

Ölpreise fallen

Die Ölpreise sind am Montag gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 95,58 Dollar. Das waren 41 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 46 Cent auf 88,50 Dollar.

Marktbeobachter erklären den Rückgang mit der Kursentwicklung des Dollars. Nach starken Kursverlusten in der vergangenen Woche konnte sich die US-Währung am Morgen etwas erholen. Sie legte zu allen anderen wichtigen Währungen zu. Ein stärkerer Dollar verteuert das in Dollar gehandelte Rohöl in Ländern außerhalb des Dollarraums, was die Nachfrage bremst und den Preis belastet.

Mit Nachrichtenagenturen
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